Druck machen für den Druck-KV!

Schon im September 2016 kündigte die Arbeitgeber*innen-Seite den Kollektivvertrag im Grafischen Gewerbe. Ca. 8800 Beschäftigte stehen, seit der KV im Juni 2017 ausgelaufen ist, ohne KV da. Statt einen bundesweiten KV zu verhandeln sollen seit dem auf Bundesländer-Ebene Vereinbarungen getroffen werden. So sollen die Beschäftigen noch mehr als bisher gezwungen werden sich gegenseitig zu unterbieten, sei es bei Löhnen oder eben bei Arbeitszeitregelungen etc.
Die zuständige Fachgewerkschaft GPA-djp hatte zunächst über Jahre versucht den bundesweiten KV mit Zugeständnissen zu retten. Nachtarbeitszuschläge wurden gestrichen, Arbeitszeiten verlängert (also auch Überstundenzuschläge gestrichen) und weitere Verschlechterungen hingenommen um nur irgendwie den KV zu erhalten. Nur gekämpft wurde eben nicht.
Und bis heute müssen die 8800 Kolleg*innen darauf warten, dass die Gewerkschaft diesem massiven Angriff entsprechend entgegen tritt. Wenn wir die Arbeitgeber*innen damit durchkommen lassen stellt das das KV-System grundsätzlich in Frage! Es steht also sehr viel für alle Kolleg*innen in Österreich auf dem Spiel.
Bis Juni letzten Jahres aber organisierte die GPA-djp aber keine sichtbaren Aktionen. Erst dann, einen Tag vor dem Auslaufen des KVs mobilisierte sie ca 300 Kolleg*innen aus der Branche für eine Kundgebung vor der WKO in Wien, hier dazu der Bericht der SLP: https://www.slp.at/artikel/drucker-machen-druck-8391

Die aufgestaute Wut zeigte sich, als die offizielle Kundgebung zu Ende war und die Drucker*innen durch eine Polizeikette brachen und für kurze Zeit die Lobby der WKO besetzten. Dröhnend laut war dieser Protest, und doch brauchte es bis November um endlich einen Streikbeschluss zu fassen, und den auch nur von 900 der 8800 Beschäftigten und nur für den Fall, dass die Verhandlungen am 6.11. ergebnislos bleiben sollten.
Wir hoffen mit den Kolleg*innen auf erfolgreiche Verhandlungen, aber warum sollten die Arbeitgeber*innen jetzt nachgeben? Mit Schwarz-Blau im Rücken und der spürbaren Offensive auch gegen die anderen Branchen stehen sie noch stärker da als im September 2016, als sie den KV gekündigt hatten. „Friedlich“ wird sich nicht viel erreichen lassen, so viel ist schon klar. Das ist die schlechte Nachricht, aber die Gute ist: Die Chancen mit Streiks zu gewinnen stehen jetzt besser als zuletzt. Sowohl bei den Metaller*innen als auch bei den Brauer*innen könnte es auf einen Arbeitskampf hinaus laufen. Auch bei den anderen Verhandlungen wie bei der ÖBB oder im Handel stellen sich die Unternehmer*innen quer. Und das sollte es auch, wenn wir die Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitszeitregelungen erkämpfen wollen. Gemeinsam, also mindestens diese drei Branchen vereint, können wesentliche Teile der Wirtschaft lahm gelegt werden und so massiver Druck aufgebaut werden! Öffentliche Aktionen sollten zusammen organisiert werden und die Streiks so koordiniert werden, dass sie am meisten auf die Profite der Reichen wirken, denn nur so werden wir Erfolge erreichen. Am Besten geht das über aus den Betrieben gewählte Streik-Kommitees, die sich dann branchenübergreifend vernetzen! Dabei dürfen wir uns auch innerhalb der Druck-Branche nicht spalten lassen: Derzeit werden Druckerei-Betrieb und Copy-Shops gegeneinander ausgespielt. Hierauf kann es nur eine Antwort geben, die sich in der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung bewährt hat: Die Beschäftigten der Copy-Shops müssen in die Verhandlungen und den Kampf eingeschlossen werden!

Was dabei ein Erfolg des Kampfes ist sollten die Kolleg*innen selber entscheiden: Jedes Ergebnis der Verhandlungen sollte 1. in Betriebsversammlungen diskutiert werden, 2. einer Urabstimmung unterzogen werden und 3. sollte kein Arbeitskampf beendet werden bis nicht auch die anderen Branchen gute Abschlüsse erzielt haben.

Viele Kolleg*innen schauen gespannt auf alle aktuellen KV-Konflikte. Es braucht keine Glaskugel um zu sehen, dass die Unternehmer*innenverbände ähnlich aggressiv in alle Verhandlungen rein gehen werden. Gleichzeitig sind die Gewerkschaften sehr sparsam mit Informationen an alle Mitglieder. Im Wesentlichen wird, wenn überhaupt, über die Medien kommuniziert. Umso wichtiger ist es alle Arbeits-Kampf-Maßnahmen öffentlich zu machen. Bei Streiks und auch bei Betriebsversammlungen gilt es auf öffentlichen Plätzen, vor der WKO, vor Betrieben etc. Präsenz zu zeigen und alle solidarischen Menschen dazu einzuladen die Aktionen zu unterstützen! So können wir auch ein Brücke von den KV-Konflikten zu dem Widerstand gegen diese Regierung der Reichen ziehen!
 

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