Weg mit der Wettindustrie!

Kampf gegen die Wettindustrie heißt Kampf für gute und sichere Arbeitsplätze.
Stefan Brandl

Egal ob vor einem Länderspiel im Hauptabendprogramm, in E-Sports Leagues oder durch Microtargeting auch am Handy - es ist unmöglich, der Wettindustrie und ihren Konzernen zu entkommen. Alleine 2017 beliefen sich die Umsätze der Sportwetten Industrie in Österreich auf 1,7 Milliarden Euro - Tendenz steigend. Der Staat erhebt auf Sportwetten nur 2% Steuern, während die Glücksspielindustrie mit 16% besteuert wird. Die Branche ist sehr profitabel für Konzerne wie den österreichischen Glücksspiel-Giganten Novomatic, der in seinem Geschäftsbericht 2018 die Expansion des (Sport-)Wettenangebots in Deutschland und den USA explizit anstrebt. Dazu kommt eine Vielzahl an Steuerschlupflöchern, von denen Konzerne profitieren können. Novomatic etwa hat mehrere Niederlassungen in Malta, wo Gewinne für Unternehmen mit nur 5% effektiv versteuert werden.

24 Stunden am Tag kann man Wetten über das nächste Tor, den Spielausgang oder eine Vielzahl anderer Statistiken und Ereignisse abgeben. Auch aus Videospielen ist die Wettindustrie nicht mehr wegzudenken: Der Markt für das Wetten von in-game Items und Skins ist weltweit knapp 12 Milliarden Euro schwer und deutlich schlechter reguliert als die klassische Sportwetten Industrie. Immer wieder kommen Skandale von Wettbetrug (CS:GO Lotto) oder Spielabsprachen ("Life" in StarCraft II) auf.

Bei vielen Vereinen - insbesondere im E-Sports Bereich - erheben die jeweiligen Sponsoren (interwetten, bet-at-home, win2day, ...) den Anspruch, Fankultur zu sein - frei nach dem Motto: Du bist nur ein Fan, wenn du auf dein Team wettest. Es wird versucht, Wetten als integralen Teil des Spielerlebnisses darzustellen; Slogans wie "For the love of the game" von Betway sind Ausdruck davon. Nicht überraschend sind in Österreich rund 1,5% der Bevölkerung spielsüchtig und weitere 4% weisen problematisches Verhalten auf.

Das Wachstum der Wettindustrie ist auch eine Folge der anhaltenden sozialen Probleme. Mehr und mehr Menschen arbeiten in prekären oder schlecht bezahlten Jobs; die Aussicht, einen guten Job zu bekommen, wird zunehmend unrealistisch - umso größer ist der Wunsch, sich durch einen "Volltreffer" aus der Misere zu holen. Dieser Zusammenhang wird umso klarer, wenn man bedenkt, dass seit 2014 das "kleine Glücksspiel" in Wien verboten ist, die Nachfrage aber in keiner Weise nachgelassen hat – aus den Spielhöllen wurden einfach "Wettcafés", auf die sich Novomatic in ihrem Bericht 2018 ebenfalls positiv bezieht. Ein bloßes Verbot hilft also nicht, die Verhältnisse zu ändern.

Der Kampf gegen die Wettkonzerne, die parasitär vom Leid und den Hoffnungen der arbeitenden Bevölkerung leben, muss verbunden werden mit dem Kampf für ein besseres Leben außerhalb dieser Industrien. Sinnstiftende, gut bezahlte und sichere Jobs sind eine Notwendigkeit dafür. Nicht zuletzt auch des Sportes wegen, um ihn wieder frei von Spielsucht oder existenziellen Ängsten genießen zu können.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

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