Vor 150 Jahren: Als Arbeiter*innen den “Himmel erstürmten”

Stefan Brandl

1871 war die Pariser Kommune für 72 Tage die erste Arbeiter*innenregierung der Geschichte. In aller Kürze: Belagerung von Paris durch Preußen, es droht die soziale Katastrophe * demokratische Wahl des Zentralkomitees der Nationalgarde in Paris * Teile der französischen Armee laufen zur Nationalgarde über * am 18.3. übernimmt die Kommune die Macht * der König und seine Verbündeten können ungeschoren abziehen * der Adel verbündet sich mit dem Kriegsgegner, preußische und französische Truppen zerschlagen die Kommune am 28. Mai blutig.
Die Kommune brachte enorme Verbesserungen für die arme Bevölkerung, für Arbeiter*innen, insbesondere für Frauen. Sie scheiterte, weil sie keine klare sozialistische Führung hatte. Während sich die Armee entlang von Klassenlinien auflöste, isolierte sich die Kommune, anstatt die Errungenschaften der Revolution aus Paris hinaus zu tragen. Kirche und Staat wurden getrennt, Kircheneigentum abgeschafft, Schulden wurden ausgesetzt und leere Fabriken von Arbeiter*innen übernommen. Doch es blieb eine “halbe Revolution”: Entscheidende Wirtschaftssektoren blieben unberührt, Banken wurden nicht verstaatlicht, der 8h-Arbeitstag nicht eingeführt.
“Die Arbeiter[*innen]klasse kann nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und diese für ihre eignen Zwecke in Bewegung setzen.” (Marx, 1871): In Paris 1871 wie im arabischen Frühling 2010/11 gilt: Die halbe Revolution führt zur vollen Niederlage. 

 

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