Von der „Neutralität“ im Sport

Clemens Wiesinger

Sportevents dienen im Kapitalismus v.a. dazu, Menschen davon abzulenken, was sie tatsächlich stört. Auch sind sie ein Instrument, um Feindschaften innerhalb einer Klasse durch „Patriotismus“ etc. zu säen. Doch noch eine gefährlichere Rolle ist jene der systemstützenden Propaganda. Stark sichtbar wurde dies beim Boxkampf Vladimir Klitschko gegen Alex Leapai. Der ältere Klitschko-Bruder, Vitali, ging nach dem Boxen in die Politik – nun nützt er die Auftritte des Bruders für seine Kandidatur zum Kiewer Bürgermeister. Die Show war daher ein Konglomerat aus nationalistischen Symbolen (ukrainisches Wappen auf Vladimirs Rücken), dubiosen Slogans („Ehre der Ukraine“) und einem Meer von Fahnen. Vladimir gewann den Kampf hoch überlegen, und auch wenn das im Rahmen seiner Durchschnittsleistungen liegt, so stellt sich wegen des auffällig desaströsen Auftritts seines Gegners die Frage, ob das nicht abgemacht war. Klitschkos Partei steht den europäischen Volksparteien nahe, und die Show deckt sich mit den Interessen der deutschen und europäischen Machthabenden, die ihren Einfluss in der Ukraine ausbauen wollen. Eine pro-russische oder linke Show hätte man sicher nicht zugelassen. Da hätte es geheißen: „Neutralität im Sport muss sein“.

 

 

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