Spitalsskandal

Das System ist krank!
Ken Horvath

Seit vor ein paar Jahren Lainzer Pflegepersonal einigen todkranken PatientInnen die letzte Entscheidung „abgenommen“ hat, ist die Kette größerer und kleinerer Skandale in Spitälern und Pflegeheimen nicht abgerissen.
Im Wiener HDB (Pflegeheim) wurden Schwerstbehinderte mutmaßlich mißbraucht, in Klagenfurt wird der gesunde anstelle des kranken Hodens entfernt, nachdem Wochen davor einem Mann im Wiener AKH gleich beide Hoden abgenommen worden waren (beide gesund). Und jetzt Freistadt, Linz und Wels - die Debatten werden hitziger. Inhaltlich werden die Diskussionen klar in eine Richtung gelenkt: Die jüngsten Skandale seien unglückliche Einzelfälle: In Freistadt sei es die Schuld zweier zerstrittener und schlampiger Ärzte, das LKH Freistadt sei außerdem schlecht geleitet, ein Skandalspital halt. Um sicherzugehen, wird dem Spital vom Gesundheitslandesrat Aichinger (halb)offiziell Schweigen befohlen, und der Öffentlichkeit wird versichert: „Freistadt ist nicht Österreich“. (profil)
Doch die Mängel im Gesundheitswesen sind zu offensichtlich, als daß sie totgeschwiegen werden könnten: Die Überlastung von Pflegepersonal und MedizinerInnen ist allseits bekannt, über 100 Wochenstunden sind keine Seltenheit. Und das, obwohl schon seit einiger Zeit die 72-Stunden Höchstgrenze gilt. Gerade Turnusärzte sind oft völlig überfordert, haben durchaus mal 150 Betten zu versorgen. Mangel an fertigen MedizinstudentInnen gäbe es ja keinen - bezahlen will sie aber niemand. Wo Spitäler wie Wirtschaftsunternehmen geführt werden, gilt die vermeintliche Logik der Gewinnmaximierung. Und das hat, wenn auch nicht immer fatale, so doch spürbar, qualitative Folgen.

Lösungskonzepte?

Wirtschaftsliberale Kommentatoren fordern wieder „den Markt“: Spitäler müßten sich den gleichen Herausforderungen stellen, „wie sie Industrie und Wirtschaft z.T. schon bewältigt haben“ (profil). Daß in Britannien die Dialyse für über 70-jährige in Frage gestellt wird, daß in den USA Rettungsorganisationen am Unfallort manchmal handgreiflich um das Unfallopfer kämpfen, um den „Auftrag“ zu ergattern und sich ein Drittel der US-Bevölkerung eine medizinische Versorgung nicht mehr leisten kann, ist die Kehrseite der Medaille, die von den Verfechtern des „freien Marktes“ gern verschwiegen wird. Leidtragend ist der arme Teil der Bevölkerung.
Sobald Gesundheit zum Geschäft wird, verschärfen sich Arbeitsbedingungen und soziale Gegensätze, sinkt die Qualität. Medizinisches Personal und PatientInnen haben in diesem Sinne die selben Interessen: Gute Betreuung kann es nur geben, wo es keine permanente Überarbeitung, keinen Arbeitsdruck und keine Existenzängste gibt.
In Folge von Freistadt wurden jetzt Maßnahmen wie die Einrichtung eines Patientenfürsprechers und die Schaffung klarer Verantwortungen (zur Zeit ist die Leitung eines Krankenhauses zugleich Kontrollinstanz) gefordert. Diese Schritte würden sicher in die richtige Richtung gehen, sind aber bei weitem nicht genug.
Die SOV fordert:

  • Entlastung von ÄrztInnen und Pflegepersonal durch Aufstockung des Personalstands, kürzere Arbeitszeiten sowie entsprechende Bezahlung und Ausbildung, um die beste Betreuung aller PatientInnen zu garantieren und Streßsituationen zu vermeiden!
  • Abschaffung des Arztes als Freiberuf! ÄrztInnen müssen im Dienst des Gesundheitswesens stehen. Sie sollen deshalb weder Existenzängste haben müssen (wie JungärztInnen) noch die Möglichkeit haben, aus „Krankheit“ ein Millionengeschäft zu machen. Stattdessen soll das Gesundheitspersonal im staatlichen und kommunalen Gesundheitswesen angestellt sein!
  • Gesundheit darf kein Privileg sein! Freien und kostenlosen Zugang zum Gesundheitswesen - keine Rezeptgebühren und Selbstbehalte, keine Gebühren für Behandlungen und Medikamente!
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