Schulstress ade – Ferienstress ahoi!

Simon Nagy

Zwei Schularbeiten, zwei Tests und vielleicht auch noch ein Referat in einer Woche - vom Schulstress, besonders gegen Ende des Jahres, kann mensch Lieder singen.

Über 30 % aller österreichischen SchülerInnen leiden massiv unter Stress, rund 60.000 SchülerInnen droht jährlich ein Burnout. Durch die Streichung von immer mehr schulfreier Zeit sind die zwei Monate Sommerferien die einzigen Möglichkeiten zur richtigen Erholung vom Lernen und von der schulischen Arbeit. Jedoch kann sogar diese Zeit von immer weniger SchülerInnen für stressfreie Regeneration genutzt werden.

Schluss mit Nachhilfe, her mit einer demokratischen Bildungsreform!

Knapp die Hälfte der österreichischen SchülerInnen benötigt während des Jahres Nachhilfe. Immer mehr müssen nun auch während der Ferien Nachhilfe oder Lerncamps in Anspruch nehmen, um entweder Entscheidungsprüfungen schaffen oder so problemlos wie möglich in das nächste Schuljahr starten zu können. Doch nicht die SchülerInnen werden immer dümmer oder fauler. Durch die Kürzungen ist das Schulsystem immer weniger in der Lage, auf die individuellen Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen und den Stoff dementsprechend zu vermitteln.

  • Deshalb fordern wir eine Verkleinerung der Klassen, mehr Personal und eine demokratische Lehrplangestaltung. Lernen ist Arbeit und gehört in die Schule, nicht in die Freizeit.

Für ein SchülerInneneinkommen zur finanziellen Unabhängigkeit!

Der zweite erholungsraubende Aspekt ist die Arbeit in den Ferien. Viele Jugendliche müssen sich aus der Notwendigkeit heraus, sich ihre Freizeitveranstaltungen oder den Urlaub leisten zu können, Ferialjobs organisieren. Einerseits sind hier natürlich die exorbitanten Kosten für Festivals, Konzerte und Fortgehen selbst zu kritisieren, andererseits die nicht existente Erholung vom Schuljahr, wenn die Hälfte der Ferien mit Arbeit verbracht wird.

  • Wir treten für ein SchülerInneneinkommen ein. Schule ist Arbeit und SchülerInnen sollen nicht unter der finanziellen Situation ihrer Eltern leiden.

Weg mit den unterbezahlten Pflichtpraktika!

Noch schlimmer sieht die Situation im Falle von Praktika aus: gewisse Schultypen wie Hotelfachschulen, Textilschulen oder diverse Wirtschaftsschulen verpflichten SchülerInnen zu meist zwei- oder dreimonatigen Ferialpraktika in mehreren Sommerferien. Die Absurdität hierbei liegt darin, dass die Arbeitenden eigentlich normale Beschäftigte sind und nach dem Kollektivvertrag bezahlt werden müssen - inklusive Sonderzahlungen. Nachdem aber viele LehrerInnen an diesen Schulen in den betreffenden Branchen und teilweise auch Unternehmen tätig sind, informieren sie die SchülerInnen kaum über ihre Rechte. Daraus resultierend werden sehr viele dieser „Praktika“ nicht korrekt nur mit einem Taschengeld bezahlt – ob sie irgendeinen Lerneffekt haben, ist ohnehin fraglich.

  • Wir fordern die Verlegung von Pflichtpraktika in die Unterrichtszeit. Volle Aufklärung über die Rechte als Beschäftigte durch die Gewerkschaft in der Schule - ohne Anwesenheit von Lehrpersonal. Und eine anschließende Überprüfung der jeweiligen Bezahlungen durch AK und ÖGB.

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