Recht auf sein Recht

Musikalische Solidarität mit den „Votivkirchenflüchtlingen“ von ex-jugoslawischer Seite.
Clemens Wiesinger

Bei Protestaktionen der Flüchtlinge in der Votivkirche fallen musikalische Auftritte aus Ex-Jugoslawien auf. Einer der bekanntesten Aktivisten von MigrantInnen ist der gebürtige Kroate und Rapper Petar Rosandić aka Kid Pex. Im Lied Recht auf Leben, das er gemeinsam mit dem Wiener Rapper Alexander Gabriel aufnahm, singt er: „Hier im Lande des Wohlstandes träumen Entrechtete von ihren Rechten“ und spricht damit nicht nur die Situation der Flüchtlinge an, sondern auch die von vielen MigrantInnen, die hier leben. Eine Solidaritätsbekundung von Immigrierten an Immigrierte sozusagen.

Rosandić fällt schon seit Jahren auf. Schaut man auf die künstlerische Entwicklung des 28-Jährigen, kommen auch Lieder wie Dođi u Beč/Komm nach Wien (eine Ode an die Multikulturalität Wiens) oder Perestroika (russ. Wort für Umbruch) auf. Mit Perestroika spricht er sowohl die Probleme der (Neo-)Migranten an, als auch ganz allgemein Themen wie Nationalismus, Rassismus und Kapitalismus.

Eine schon eher sozialistisch anmutende Linie fährt eine andere, teils mit Ex-Jugoslawien verbundene Band, die ebenfalls an einem Solidaritätskonzert für die AsylwerberInnen teilnahm. Roy de Roy arbeitet mit sozialistischer Symbolik (z.B. Titelbild des Albums Bohemian Bolsheviks) und Texten (u.a. Zitate von Leo Trotzki). Auch Hor 29 novembar, ein „Partisanenchor“, dessen Name eine Anspielung auf das Gründungsdatum Jugoslawiens ist, machte bei einer Aktion vor der Votivkirche mit.

Die wachsende Solidarität zwischen den MigrantInnen-Gruppen ist ein wichtiges Thema, das gerade durch Musik in deren Szene hineingetragen werden kann. „Mit Politik habe ich aber nicht so viel am Hut, auch das Lied basiert eher auf einem menschlichen als einem politischen Background“, meint Kid Pex im Interview. Auch hier wird deutlich, dass viele Menschen durch die etablierte Politik verdrossen sind und sich für unpolitisch halten, auch wenn sie sich durch ihre „menschliche“ Arbeit schon längst auf höchst politischem Boden befinden.

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