Röszke – ein Feld, ein Weg und über 1.500 Frauen, Männer und Kinder auf der Flucht.

Ein Augenzeuginnenbericht
eine SLP-Aktivistin

Gemeinsam mit etwa 15 anderen Freiwilligen – verteilt auf mehrere schwer beladene Autos – machten wir uns am Mittwoch auf den Weg nach Röszke. Die Informationen aus Ungarn waren viele und widersprüchlich, bis zuletzt war nicht sicher welche Hilfsgüter vor Ort tatsächlich gebraucht werden. Die Lage als chaotisch zu beschreiben wäre Untertreibung. Die wenigen (ehrenamtlichen) OrganisatorInnen vor Ort und in anderen Städten leisten Arbeit von unschätzbarem Wert, geben Alles und tun ihr Bestes. Ich möchte mich hier noch einmal bei Allen, die ich auf der Reise getroffen habe, für ihr Engagement bedanken. Es ist unglaublich schön und rührend zu sehen, dass so viele Menschen aus den unterschiedlichsten Lebenslagen ihre Zeit und Kraft aufwenden um zu Helfen.

Unser erster Stopp war der Bahnhof von Szeget, einer Kleinstadt etwa 20 Autominuten von Röszke entfernt. Dort werden – wie auch an vielen österreichischen Bahnhöfen – Spenden gesammelt und die Verteilung dieser organisiert. Unmittelbar vor unserer Ankunft konnte eine Lagerhalle für Sachspenden organisiert werden, also luden wir alles Unverderbliche dort ab und direkt benötigte Spenden wie Wasser, Nahrungsmittel und Medikamente auf, bevor wir weiter nach Röszke fuhren.

Dort angekommen sahen wir zunächst nichts, außer einem immensen Polizeiaufgebot. Obwohl es keine Absperrungen gibt, gleicht das Lager einem Freiluftgefängnis. Bei der Anfahrt konnten wir beobachten, dass die Polizei systematisch die umliegenden Felder durchforstet. Täglich werden Gruppen von Flüchtlingen in Busse Richtung anderer Lager gesetzt, meist ohne zu wissen, wohin die Reise geht. Obwohl die meisten PolizistInnen vor Ort nicht inhärent aggressiv sind, ist die Art und Weise wie diese Transporte organisiert werden gerade für bereits traumatisierte Menschen nicht hilfreich.

Das Flüchtlingslager Röszke ist ein Feld. Es wurde bereits dunkel, als wir gegen halb sieben das Lager erreichten. Strom gibt es keinen, vereinzelte Lichtquellen sind Taschenlampen und Autoscheinwerfer. Es gibt wenige Zelte, die größeren unter ihnen werden als Ausgabestellen für Wasser, Nahrungsmittel und Medikamente verwendet. Die Menschen leben und schlafen auf dem Boden. Die Situation ist verheerend.

Obwohl eine beeindruckende Zahl von freiwilligen HelferInnen und mittlerweile auch Organisationen wie die Caritas und das Rote Kreuz vor Ort sind, fehlt es einfach an Resourcen und Organisation. Es gibt keine überdachten Bereiche im Lager, in denen etwa Kleiderspenden gelagert werden könnten. Als Resultat liegt alles, was nicht unmittelbar angezogen wird, im Schlamm und wird dadurch unbrauchbar. Die Tatsache, dass Flüchtlingshilfe auf die Individualbevölkerung ausgelagert wird, ist der eigentliche Skandal. Es wäre an den betreffenden Staaten und in übergerodneter Weise an der EU, für den Schutz und die Versorgung von Flüchtlingen zu sorgen. Die Art und Weise wie (nicht nur in Ungarn!) von offizieller Seite mit schutzsuchenden Menschen umgegangen wird bzw. auch weiterhin versucht wird zu verhindern, dass diese nach Europa kommen grenzt an Massenmord.

Es braucht dringend Unterkünfte, medizinische Versorgung und schlicht und einfach ein bisschen Normalität. Doch die lassen die politisch verantwortlichen einfach nicht zu, nicht einmal dann, wenn die normale Bevölkerung helfen will! 

 

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