Post: Personalabbau und Arbeitszeitverlängerung geplant

Kurswechsel der Gewerkschaftsspitze notwendig
Sven H.

Kern der Umstrukturierung bei der Post ist ein neues Arbeitssystem. Das Planungssystem Distribution (PSD) wird vom Management als  neues Wunderkind propagiert, um  die Post auf die 3. und letzte "Liberalisierung" nach EU-Planung vorzubereiten.  
Die um zwei Jahre auf 31 Dezember 2010 verschobene  EU-Maßnahme  sieht die Öffnung des Markts für den Versand von Briefen unter 50 Gramm vor. Ausserdem werden immer mehr Leistungen wie z.B. Paketzustellung an Lohndumping-Subfirmen ausgelagert,  die nicht dem Post-Kollektivvertrag unterliegen. Der Haupteigentümer Republik in Vertretung durch die Bundesregierung weigert sich, im Sinne der Belegschaft und der Bevölkerung Einfluss zu nehmen.

Was ist bereits passiert?

Seit 2000 wurden mehr als 950 Postämter geschlossen. Von den ursprünglich 20.506 Postkästen wurden bislang 2.800 abmontiert, das sind beinahe 15%! Die Bahnpost wurde bereits vor Jahren stillgelegt, die MitarbeiterInnen freigesetzt und der Transport auf die Straße verlagert. Insgesamt wurden tausende Arbeitsplätze vernichtet.
Die Protestmaßnahmen der GPF waren dazu vergleichsweise gering.  Ein paar hundert DemonstrantInnen trugen einen Briefkasten zu Grabe, sehr viel mehr ist nicht passiert.

Verhandlungen gescheitert

Seit 21.8.2007 verhandelt die Personalvertretung der Post mit dem Management über die genaue Ausführung des PSD. Aufgrund dessen, dass die Manager  der Post am Umsatz des Unternehmens beteiligt  sind , haben diese auch ein persönliches Interesse an Einsparungen und Umsatzsteigerung, da dadurch auch ihr Gehalt steigt. Die Unzufriedenheit  der Belegschaft ist somit vorprogrammiert.  Die Forderungen der GPF sind: "Wer mehr leistet, muss auch mehr verdienen. Die Arbeit muss jedoch auch weiterhin für alle MitarbeiterInnen bewältigbar sein.", so Martin Palensky, Sprecher der Gewerkschaft in der Juli-August-Ausgabe  der  Mitgliederzeitschrift "GPF-Compact". Fürs erste sind die Verhandlungen von der Gewerkschaftsspitze unter Gerhard Fritz (FSG) abgebrochen, zu wenige Zugeständnisse wurden dem Postmanagement abgerungen. GPF-FCG-Vorsitzender Wiedner, wollte allerdings wie geplant der Basis die Vorstellungen des Managements zur Abstimmung vorlegen - dies hätte mögliche Kampfmassnahmen weiterhin hinausgezögert, die bereits Ende September, Anfang Oktober stattfinden könnten, so Fritz.

Kampfmassnahmen notwendig

Es geht akut um den Abbau von über 1000 Briefträgerstellen und weiteren Bereichen, insgesamt könnten 2400 Stellen betroffen sein. Angeblich komplett gedeckt durch "natürlichen Abgang." Dies soll durch Einsatz neuer Betriebsmittel wie Mopeds, aber auch durch längere Arbeitszeiten ermöglicht werden. Für die 30 Stunden/Monat mehr würden die Briefträger 90 Euro mehr verdienen, ein Stundenlohn von brutto drei Euro. Dies erinnert an Niedrigstlöhne der mittlerweile Post-Tochter Feibra, die auf Werbemittel-Verteilung spezialisiert ist. Auch in anderen Ländern hat die Österreichische Post-AG (seit 1999 zu 49% privatisiert) Billigverteil-Firmen aufgekauft und plant weitere Expansionen, für die Geld gebraucht wird.  Um das verhindern muss die Gewerkschaft mehr tun als nur zu drohen!

Das Geld ist da!

Der Personalstand wurde bereits von 30.126 auf 24.910 reduziert , und das trotz einer Gewinnsteigerung von 23 auf 88 Millionen Euro von 2001 bis 2005. Die Zahlen für 2006 und Prognose für 2007 wurden vom Belegschaftsvertreter im Aufsichtsrat, Martin Palensky, im März in einem internen Mail an den Betriebsrat kommuniziert, um die Verhandlungsposition aufgrund guter Betriebsergebnisse zu stärken. Die Post AG hat diesen nun wegen Weitergabe von Insider-Informationen verklagt, und somit ein Druckmittel gegen den Betriebsrat in der Hand.
Es ist zu befürchten, dass die GPF-Spitze in einem Kompromiss einlenkt und zumindest einem Teil des Personalabbaus zustimmt, wenn im Gegenzug die Klage fallen gelassen wird.

Sven H. ist Betriebsrat bei Radio Orange 94.0, Mitglied des Präsidiums der Bundesfachgruppe Multimedia und Informationsdienste der GPF.

Die SLP fordert für die Bediensteten der Post:

  • Keine Kündigungen, auch nicht unter dem Deckmantel eines "natürlichen Abgangs"
  • Keine Schließung von Postämtern
  • Keinerlei Verschlechterungen für die Beschäftigten
  • Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich statt Personalabbau und erhöhtem Arbeitsdruck
  • Rückverstaatlichung der privatisierten 49% der Post AG unter demokratischer kontrolle der Beschäftigten
  • Konsequente Vertretung der Belegschaft durch die Gewerkschaft, keineKompromisse.
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