MieterInnen wehren sich gegen Heimstätten-Genossenschaft

Mieterinitiative in Wels
Franz Breier jun.

In Wels hat sich eine Mieterinitiative von MieterInnen der Heimstätten-Genossenschaft gegründet (siehe Rückseite). Franz Breier jun. führte ein Interview mit Theresia Landauer, der Initiatorin.

Franz Breier: Wie, Frau Landauer, hat der „Aufstand“ begonnen?

Theresia Landauer: Im Gespräch mit vielen MieterInnen aus der Noitzmühle hat sich im Laufe der letzten drei Jahre für mich gezeigt, daß es Familien gibt, für die die Mietbelastung enorm hoch ist. Das hat mich dazu gebracht, nach den Wurzeln der Misere zu suchen. Und das sind die Heimstätte als Institution und der Magistrat als Haupteigentümer. Aber auch Politiker, bzw. deren bürgerfeindliche Gesetze.

FB: Worum geht es der Initiative?

TL: Mietengerechtigkeit, Kontrolle und Selbstverantwortung der Mieter. Dazu gibt es mehrere Punkte:

  1. Was können die Mieterinnen und Mieter in Eigeninitiative gemeinsam im Haus selbst verbessern, z.B. ein besserer Umgang miteinander.
  2. Welche Veränderungen fordern wir von der Heimstätte.
  3. Welche Forderungen müssen von der Politik umgesetzt werden, daß für die MieterInnen ein finanzierbares und menschenwürdiges Wohnen gewährleistet ist.

 FB: Was tun die AnrainerInnen?

TL: In persönlichen Gesprächen mit den Mietern von Tür zu Tür wird der Erstkontakt hergestellt. Die Mieter organisieren sich Häuserblockweise untereinander zu Mieterbesprechungen, da werden die Hauptprobleme ermittelt und Forderungen für Maßnahmen formuliert. Es gibt glücklicherweise die tatkräftige Unterstützung der jungen Menschen der Ortsgruppe der SOV, die von den Mieterinnen und Mietern positiv aufgenommen wird.

FB: Gibt es bereits Erfolge?

TL: Die enorme Zustimmung der MieterInnen zur Initiative, d.h. konkret 400 Unterschriften binnen 3 Wochen, hat die Heimstätte und Bürgermeister Bregartner bereits in Zugzwang gebracht. Endlich wird das Problem des Schimmels offen zugegeben, dieser führte in einer Wohnung dazu, daß ein 4 jähriges Kind ins Krankenhaus mußte. Die Sanierung solcher Wohnungen wurde nun zumindest versprochen.

FB: Welchen Problemen sieht sich die Initiative ausgesetzt?

TL: Eine Besprechung mit dem SPÖ-Landrat Dr. Erich Haider war wegen des Wahlkampfes nicht zu erreichen. Mit anderen Politikern gab es zwar einen Gesprächstermin, die Ergebnisse waren leere Versprechungen, aber auch Lügen. Auch werden von Mitarbeitern der Heimstätte die Einladungen für Mietertreffen aus den Liften entfernt, von den Türen gerissen, usw. Die Mieterinitiative hat eine Anfrage per Fax an den Innenminister geschickt, wie er die Unvereinbarkeit der Funktion des Obmannes einer gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft mit mehr als 7000 Mietern, mit seinem Beruf als leitender Polizist angesichts des bevorstehenden Lauschangriffes den Welser Bürgern gegenüber rechtfertigen wolle. Diese Anfrage wurde an wichtige Medien verschickt. Der Mieterinitiative wurde bei der Demonstration am 2. OÖ-Armutsmarsch am 4.10.97 vom Organisator ein Verbot für ein Transparent “Mieterinitiative” verhängt.

FB: Wie geht es weiter?

TL: Die Initiative strebt eine langfristige Unterstützung der Forderungen von Mieterinnen und Mietern an, das macht eine Vereinsgründung notwendig. Was wir brauchen ist Ihre/Deine aktive und auch finanzielle Unterstützung zur Durchsetzung der Ziele zum Wohle der Menschen in den Mietwohnungen.

FB: Wir danken für das Gespräch und hoffen auf weitere erfolgreiche Zusammenarbeit im Interesse der „kleinen Leute“!

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