Kollegah - Echo der Gesellschaft

Philipp Chmel

Nach der Verleihung des Echo-Preises an den deutschen Gangster-Rapper Kollegah gab es einen moralischen Aufschrei. Der Grund dafür: Das Album, für das er den Preis gewann, beinhaltet rassistische, sexistische und homophobe Texte und spielt mit antisemitischen Klischees.

Kritik an solchen Inhalten ist berechtigt. Doch die Empörung wurde nicht durch die Texte an sich ausgelöst - diese sind bereits seit Monaten bekannt - sondern erst durch die Preisverleihung. Das ist heuchlerisch, denn der Echo wird nicht nach künstlerischem Wert oder moralischen Ansprüchen vergeben - sondern zum Großteil nach Verkaufszahlen. Mehr Geld gewinnt. Der Ruf nach Ethik und Moral wird nur dann laut, wenn bestimmte Grenzen überschritten werden und das Ansehen der Veranstaltung darunter leiden könnte. Dies ist nun auch der Fall. Der Echo wird in dieser Form nicht mehr stattfinden, da “die Marke zu stark beschädigt wurde”.

Und Kollegah? Mittels seiner Kunstfigur Kollegah prangert Felix Blum immer wieder “das Schlechte” in der Welt an. Dabei fischt er auch im Eck der Verschwörungstheorien und macht einige wenige korrupte Eliten für alle Probleme verantwortlich. Er kritisiert Auswüchse des Kapitalismus, aber nicht das System, das diese hervorbringt. Stattdessen propagiert er das Bild von sich als starkem Mann, als Imperator, der mit autoritärer Hand durchgreift und die Sachen regelt: Mit Geld und Bizeps.

Der Echo-Skandal und Kollegahs “Boss-Image” sind beide ein Spiegel der aktuellen Gesellschaft. Wie die KritikerInnen von Kollegah empört sich die bürgerliche Gesellschaft über die unschönen Folgen der Profitlogik auf einer moralischen Ebene - und die “Lösung” des Rappers passt erstaunlich gut zur aktuellen Politik: das alte System beibehalten und mit straffen, autoritären Zügeln lenken.

Auf dieser Ebene muss die Kritik ansetzen, denn Kollegah hat eine enorme Vorbildfunktion für viele Jugendliche. Die Ideale, die er nach eigener Aussage vermitteln möchte, sind alles andere als systemkritisch: Zielstrebigkeit, Ausdauer und Geduld für ein “sauberes und erfolgreiches Leben”. Das würden wohl auch Gernot Blümel und Sebastian Kurz unterschreiben.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der Wahnsinn des Kapitalismus

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