Januar 1961: Ermordung von Lumumba, dem Held der kongolesischen Unabhängigkeit

Lumumba und die Uanbhängig der ehemaligen belgischen Kolonie
Michel Munanga, ISA Belgien

Lumumba stammte ursprünglich aus jenen Teilen der kongolesischen Bevölkerung, die die "relays" (Stützen) der Kolonialverwaltung waren. Viele dieser Kongoles*innen, die von der Verwaltung als "evolved" (entwickelt) bezeichnet wurden, konnten für die Idee der Unabhängigkeit gewonnen werden. Lumumba steckt 1957 hinter der Gründung der Kongolesischen Nationalbewegung (MNC), deren Ziel, wie das anderer Parteien, die Befreiung des Kongo von Imperialismus und Kolonialherrschaft war.

Unter dem Druck von Mobilisierungen, Streiks und Demonstrationen, im Kongo selbst, aber auch anderswo, und beeinflusst durch die wachsende Popularität des Panafrikanismus, musste sich die belgische Regierung dazu verpflichten, Wahlen zu organisieren, in der Hoffnung der Radikalisierung der Bevölkerung zuvorzukommen und ihren Würgegriff zu legitimieren. Im Mai 1960 gewann die MNC die ersten Parlamentswahlen. Die Partei bildete daraufhin eine Regierung. Zu Lumumbas Forderungen gehörte die Weigerung, die Kolonialschulden zu bezahlen, die Leopold II. Belgien zukommen lassen hatte.

Die ersten Tage der Unabhängigkeit

Schließlich wurde vereinbart, dass der Kongo am 30. Juni 1960 unabhängig werden sollte, dem Jahr, in dem 17 afrikanische Staaten ihre Souveränität erlangten. An diesem Tag hielt belgische König Baudouin eine prokoloniale Rede und Präsident Kasa-Vubu antwortete mit einer vereinbarten Treueerklärung. Das Protokoll sah keine Redezeit für den Premierminister vor. Doch Lumumba sorgte für eine Überraschung, indem er eine historische Rede auf die Tagesordnung setzte.

"Männer und Frauen des Kongo, siegreiche Unabhängigkeitskämpfer*innen, ich grüße euch im Namen der kongolesischen Regierung. (...) Kein*e Kongoles*in wird jemals vergessen, dass die Unabhängigkeit im Kampf errungen wurde, einem ausdauernden und inspirierten Kampf, der von Tag zu Tag weitergeführt wurde, einem Kampf, in dem wir weder Entbehrungen noch Leiden scheuten und weder Kraft noch Blut scheuten. (...) Wir sind zutiefst stolz auf unseren Kampf, denn er war gerecht und edel und unentbehrlich, um der erniedrigenden Knechtschaft, die uns aufgezwungen wurde, ein Ende zu setzen. (...) Morgens, mittags und nachts waren wir dem Spott, den Beleidigungen und Schlägen ausgesetzt, weil wir 'Neger' waren. (...) Wer wird jemals die Erschießungen vergessen, die so viele unserer Brüder töteten, oder die Zellen, in die gnadenlos diejenigen geworfen wurden, die sich nicht länger dem Regime der Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung unterwerfen wollten, das von den Kolonialist*innen als Werkzeug ihrer Herrschaft benutzt wurde? (...) Gemeinsam werden wir die soziale Gerechtigkeit herstellen und jedem Menschen einen gerechten Lohn für seine Arbeit sichern."

Nach dem 30. Juni erklärte General Janssens, Chef der Force Publique (der kolonialen Streitmacht): "Vor der Unabhängigkeit = nach der Unabhängigkeit". Damit meinte er, dass zwar die politische Unabhängigkeit gewährt werden müsse, nicht aber die wirtschaftliche Unabhängigkeit. Die Ausbeutung des Kongo sollte in den Händen der belgischen Kapitalist*innen und ihrer Verbündeten bleiben.

Die Haltung von Janssens und anderen verbliebenen ex-kolonialen Militärkadern provozierte eine Revolte in der Force Publique, wo sich kongolesische Soldat*innen weigerten die Hierarchie in den Händen der konservativen, monarchietreuen Ex-Kolonist*innen zu belassen. In der Folge führte die Politik der "Afrikanisierung" der Force Publique zu dem, was man später die "kongolesische Krise" nennen würde.

Die Rolle der belgischen und amerikanischen imperialistischen Mächte

Diese Periode ist im internationalen Kontext der Konfrontation zwischen den beiden großen ideologischen Blöcken zu sehen, die völlig gegensätzlich waren: der westliche, imperialistische Block, der für den freien Markt war, und der "östliche" Block, der für die Planwirtschaft um die UdSSR war, eine bürokratische Karikatur des Kommunismus, die aber dennoch eine Ideologie vertrat, die den Interessen der Arbeiter*innen, der Unterdrückten und Ausgebeuteten entgegenkam.

Die USA befürchteten, dass Lumumba wie Fidel Castro in Kuba enden würde, dass die koloniale Revolution ihn von einer liberalen zu einer kommunistischen Position bewegen würde. Die Afrikanisierung der öffentlichen Gewalt sowie die belgische Militärniederlage lockerten den Griff der ehemaligen Kolonialmacht, was dazu führte, dass die Westmächte, Belgien, die CIA, die UNO - und ihre Komplizen in Leopoldville, Kasai und Katanga - beschlossen, Lumumba zu stürzen.

Der koloniale Würgegriff wurde in der reichen Provinz Katanga gefestigt, um die Kontrolle über die natürlichen Reichtümer zu behalten, die von der belgischen Minengesellschaft Union Minière kontrolliert wurden. Die belgischen Behörden schürten Intrigen, um den jungen Staat mit Sezessionskriegen und Staatsstreichen in Brand zu setzen. Katanga spaltete sich im Juli ab, mit der Unterstützung der mit der NATO verbündeten imperialistischen Staaten.

Lumumba stellte eine Bedrohung für die Interessen der ehemaligen Kolonialelite dar; er war für die belgischen und US-amerikanischen imperialistischen Mächte nicht kontrollierbar. Im September drängten sie Präsident Kasa-Vubu, Lumumba und seine Regierung zu entlassen, obwohl er eigentlich nicht die verfassungsmäßige Macht dazu hatte. Lumumba antwortet mit seinem Recht, indem er Kasa-Vubu zum Rücktritt auffordert. Zehn Tage nach Lumumbas Absetzung drängten die imperialistischen Mächte die Armee zur Machtübernahme, indem sie einen Putsch des Generalstabschefs Mobutu unterstützten. Dieser mag zwar illegal gewesen sein, aber das Fehlen einer gesellschaftlichen Basisorganisation, die einen solchen Putsch hätte verhindern können, erwies sich als fatal.

Ende 1960 gaben die belgischen und amerikanischen Behörden grünes Licht für die Ermordung Lumumbas. Er wurde gefoltert und nach Katanga transportiert, wo er erschossen wurde.

1999 veröffentlichte der Autor Ludo De Witte ein aufschlussreiches Buch, "Regierungsauftrag Mord: Der Tod Lumumbas und die Kongo-Krise", in dem er die Verantwortung des belgischen Staates an diesen Ereignissen aufzeigt. Es wurde Druck aufgebaut, eine belgische parlamentarische Untersuchungskommission einzurichten. Im Jahr 2002 erkannte die belgische Regierung einen Teil der Verantwortung der belgischen Behörden zu dieser Zeit an.

Aufbau echter Unabhängigkeit

Lumumba verstand, dass es notwendig war, sich zu organisieren. Er beteiligte sich an der Gründung der MNC, aber diese wurde nicht als Instrument des Massenkampfes für Arbeiter*innen, Bäuer*innen und Unterdrückte entwickelt. Eine unabhängige Klassenorganisation wäre notwendig gewesen. Der Aufbau eines günstigen Kräfteverhältnisses in der Gesellschaft ist von größter Bedeutung: eine Grundlage, um die Konterrevolution zu vermeiden und sich gegen die Repression aus dem gegnerischen Lager zu wappnen, eine Grundlage für koordinierte Aktionen, auf denen man aufbauen kann, um die wirkliche Unabhängigkeit zu erobern.

Die wirkliche Unabhängigkeit und der Nutzen des Reichtums des Landes zugunsten der Mehrheit des Volkes wäre nur durch die Übernahme dieses Reichtums in die Hände der Massen selbst zu erreichen gewesen. Eine Übernahme der Union Minière durch die kongolesische Bevölkerung hätte bedeuten können, deren Reichtum auf die Befriedigung der sozialen Bedürfnisse der Bevölkerung zu lenken.

Lumumba war ein ehrlicher Aktivist für die Unabhängigkeit mit einem starken Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit für das kongolesische Volk. Der Klassenkampf und der Kontext der damaligen Zeit drängten ihn zu einem radikaleren Verständnis und einer radikaleren Haltung. Seine Aktionen und die Hoffnung, die er weckte, führten dazu, dass die imperialistischen Mächte ihm das Leben nahmen, um zu versuchen, die Hoffnung, die er geschaffen hatte, zu zerstören.

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