Frankreich: Streiks der LehrerInnen

So geht's auch
Phillip Fleischmann

In den österreichischen Medien kaum beachtet, findet in Frankreich momentan eine große Streikbewegung statt: Ca. 45 % der LehrerInnen in ganz Frankreich folgten dem Aufruf der fünf größten Gewerkschaften und legten bereits zweimal die Arbeit für einen Tag nieder, um mehr Mittel für den Bildungsbereich zu fordern, unzählige Schulen sind im unbefristeten Streik. Am 24. März demonstrierten 100.000 Menschen in Paris, Kundgebungen fanden in ganz Frankreich statt.
SchülerInnen und Eltern solidarisieren sich breit, ein Grossteil der DemonstrantInnen sind Jugendliche, außerdem unterstützen die zwei größten Elternorganisationen die Forderungen. In erster Linie wollen die Streikenden folgendes: Mehr LehrerInnenposten, bessere Verträge und kleinere Klassen. Die KlassenschülerInnenhöchstzahl ist mit 35 fast so hoch wie in Österreich (36). Kamen 1989/90 in einem südfranzösischen Gymnasium auf drei unbefristete LehrerInnenposten noch 615 SchülerInnen, so werden es im nächsten Jahr 830 sein. Die fehlenden Plätze werden mit Hilfslehrpersonen ausgefüllt, die zum Teil eine schlechtere Ausbildung haben und vor allem bei den Dienstverträgen stark benachteiligt werden (Prekäre Beschäftigung, Ein-Jahres-Kettenverträge ähnlich wie in Österreich). Laut wurde in dieser Bewegung auch die Forderung nach dem Rücktritt des Bildungsministers Claude Allègre, der 1995, nach den großen Protesten gegen die Rechtsregierung mit dem Versprechen angetreten war, denen mehr zu geben, die wenig haben und den öffentlichen Bildungssektor zu verteidigen. Jetzt war er derjenige, der die Autonomie der Schulen, und damit ihre Umwandlung in eigenständige "Unternehmen", vorantrieb. Der "Druck der Straße" zwang Jospin mittlerweile, Allègre auszutauschen...
(alle Zahlen: "Var-matin", 25.03.2000)

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