Chile - Die Folgen des Putsches

Stefan Kerl

Nach dem Putsch setzte der Diktator Pinochet voll auf „neoliberale" Wirtschaftspolitik. Dazu holte er sich die besten neoliberalen Köpfe dieser Zeit als Berater, unter anderen den österreichischen Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek, der sich schon als Berater von Margaret Thatcher in Großbritannien einen Namen gemacht hatte. Chile wird für sie zum Experimentierfeld.
Marktöffnung für ausländische Investoren, Exportförderung, Privatisierungen, Integration in den Weltmarkt, Sozialabbau und natürlich keine freien Gewerkschaften: Die Folgen dieser Politik waren sehr bald sichtbar: 1985 waren 30% der ChilenInnen arbeitslos. 1988 (ein Jahr vor der „Transformation“ in eine „Demokratie“) lebten 50% der Bevölkerung in Armut, 20% in extremer Armut.
Nach der Transformation 1989 hat sich politisch wie wirtschaftlich nicht viel geändert. Pinochet ließ 1978 eine Generalamnestie für sich und seine Gefolgsleute verabschieden. Er ist aber nicht das einzige Problem, insgesamt sind neun Mitglieder im Senat nicht vom Volk gewählt, sondern von Armee, oberstem Gericht oder Regierung bestimmt. Von einer echten Demokratie kann daher keine Rede sein. Daher braucht einen auch die extrem geringe Wahlbeteiligung der Jugendlichen bei den letzten Wahlen nicht zu wundern
1996 vereinten die reichsten 20% der Bevölkerung über 60% des nationalen Einkommens auf sich. Für die ärmsten 20% blieben 4% übrig. Die 500.000 reichsten Familien (5% der Bevölkerung) verdienten genausoviel wie beinahe elf Millionen Menschen, d.h. drei Viertel der Gesamtbevölkerung. Ein Kommentator faßt die Situation in der chilenischen Zeitung Punto Final treffend zusammen: "Die Sektoren, die gestern dieses Modell kritisierten und vorschlugen, es durch ein menschlicheres und solidarischeres zu ersetzen, sitzen heute in der Regierung und verteidigen es rigoroser und begeisterter als die Diktatur selbst.

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