Black Panther Party for Self Defence

Die Panthers zeigen: Der Kampf gegen Rassismus braucht Antikapitalismus UND die Arbeiter*innenklasse
Kajal V.

Vor 55 Jahren formierte sich die „Black Panther Party for self defence“ (BPP) in Oakland, Kalifornien. Gerade angesichts von Black Lives Matters macht es Sinn, sich mit den Panthers auseinanderzusetzen.

Der Beginn der Bürgerrechtsbewegung in den 1950er Jahren stellte den Anfang einer Phase des Umbruchs dar. Der 2. Weltkrieg war vorbei und unzählige Soldat*innen, darunter viele Schwarze, waren gefallen. Während die USA ihre Kriegsbeteiligung mit dem Kampf gegen Faschismus begründeten, strotzten sie selbst von staatlichem Rassismus gegen die eigene Bevölkerung. Dazu kam, dass der Wirtschaftsaufschwung nach 1945 die Kluft zwischen weißer Mittelschicht und schwarzer Bevölkerung vergrößerte. Als 1965 das Bürgerrechtsgesetz auf dem Papier die Gleichstellung von Weißen und Schwarzen festhielt, wurde schnell klar, dass das nichts an Armut und Polizeibrutalität änderte. Selbst Martin Luther King, der zuvor oft einen pazifistischen Weg und Kompromisse mit der Demokratischen Partei unterstützte, änderte seine Ansichten. 1967 betonte er: „Wir sind in eine Ära eingetreten, die eine Ära der Revolution sein muss (...) was nutzen einem Mann gemischte Speiselokale, wenn er sich keinen Hamburger leisten kann?“ 

Die Black Panthers waren eine Fortsetzung dieser Entwicklung. Sie sahen sich als sozialistische, revolutionäre Bewegung für schwarze Afroamerikaner*innen. Zunächst bestand ihre Taktik vor allem darin, ihr verfassungsmäßiges Recht auf Bewaffnung wahrzunehmen, Polizeikontrollen zu überwachen und rassistische Übergriffe zu verhindern. Innerhalb weniger Jahre wuchsen sie zu einer Organisation mit tausenden Mitgliedern (ihre Wochenzeitung verkaufte ca. 125.000 Stück pro Woche). Frauen waren ein wichtiger Teil der Bewegung. Laut einer Umfrage im Jahre 1969 waren ca. 60% der Mitglieder weiblich, viele in führenden Positionen. Die BPP verfolgte von Anfang an eine Politik der Geschlechtergleichstellung. Außerdem lehnten die Panthers den Separatismus der „kulturellen Nationalisten“ ab und suchten die Zusammenarbeit mit Gruppen aus der weißen oder Latino Community. Ihr Ansatz war: Wir bekämpfen Kapitalismus nicht mit schwarzem Kapitalismus, sondern mit Sozialismus. Ihr 10-Punkte Programm mit dem Titel „Was wir wollen und was wir glauben“ hielt konkrete Forderungen fest. Dabei ging es unter anderem um mehr und bessere Arbeitsplätze, leistbaren Wohnraum, das Recht auf Bildung für alle und weitere soziale Forderungen.

Eine der größten Stärken war die Suche nach einer klassenorientierten statt einer auf Hautfarbe basierenden Lösung. Bobby Seales, ein Mitbegründer der BPP, sagte dazu: „Diejenigen, die den Kampf mit ethnischen Unterschieden verschleiern wollen, sind diejenigen, die die Ausbeutung der Massen unterstützen und aufrechterhalten. Wir brauchen Einigkeit, um die Klasse der Bosse zu besiegen - jeder Streik zeigt das. Das Banner jeder Arbeiter*innenorganisation verkündet: Einigkeit ist Stärke.“

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit bestand aus „community work“, die beispielsweise darin bestand, in armen schwarzen Vierteln kostenlose Essens-, Kleidungs- und medizinische Versorgung zu organisieren. Dabei betonten die Panthers stets die Notwendigkeit der Selbstorganisierung.

Aber der Fokus ihrer Aktivität zeigt auch die Schwächen der Panthers. Während man sich in Community Work und Auseinandersetzungen mit der Polizei aufgerieben hat, gab es gleichzeitig kaum konkrete Arbeit mit und für die Arbeiter*innen in den Betrieben bzw. gewerkschaftliche Arbeit. Aber gerade in Betrieben haben Arbeiter*innen die größte Kampfkraft und können auch im gemeinsamen Kampf rassistische Vorurteile am schnellsten überwinden und echte Verbesserungen erkämpfen.

Huey P. Newton, einer der Gründer der Panthers, reflektierte in einem späteren Interview: „Wir wurden als eine militärische Eingreiftruppe gesehen, die außerhalb der Strukturen der schwarzen Bevölkerung operierte und die zu radikal erschien, um sich ihr anzuschließen. Wir sahen uns selbst als die revolutionäre Avantgarde und hatten nicht wirklich verstanden, dass nur die Menschen selbst die Revolution machen können. Die Menschen folgten unserem Beispiel nicht, die Waffe in die Hand zu nehmen.“

Diese Orientierung erleichterte es dem US-Staat auch, die Panthers zu isolieren und anzugreifen. Sie waren massiver Repression ausgesetzt. Der FBI-Chef sah sie als “die größte Bedrohung für die Sicherheit in den USA” und der US-Staat tat alles dafür, die Bewegung zu zerschlagen. Sie infiltrierten die Bewegung mit Spitzeln und dem Geheimdienst und ließen wahllos Aktivist*innen verhaften und ermorden. 

Insgesamt ist der sozialistische Anspruch, die Verbindung von Rassismus und sozialen Fragen, der gemeinsame Kampf mit anderen Communities, die Selbstorganisierung und der Aufbau einer antirassistischen Bewegung unabhängig vom Establishment etwas, was die antirassistische Bewegung noch heute von den Panthers lernen kann. Aber gleichzeitig zeigt die Geschichte der Panthers auch, wie wichtig eine Orientierung auf die betriebliche Macht der Arbeiter*innenklasse ist, die einzige Kraft, die stark genug ist, die Gesellschaft tatsächlich nachhaltig zu verändern.

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