Der rechte Rand

Sarah Lammer

Sie leben im „unfreiwilligen Zölibat“. In Online-Netzwerken teilen sie Vergewaltigungs- und Mordfantasien und rufen zu Gewalttaten auf. Ziel ihrer Attacken sind neben Frauen häufig auch Muslime/a oder Jüd*innen, die sie für das Aussterben der „weißen Rasse“ verantwortlich machen.

Damit bedienen die sogenannten ‚Incels‘ (involuntary celibate) die Klassiker antifeministischer, rassistischer Weltanschauungen und bieten ein lukratives Rekrutierungsfeld für Rechte und Rechtsextreme.

FPÖ und Burschis fischen in diesem Sumpf, wenn behauptet wird, „Gendermainstreaming“ und Menschenrechte würden „den Völkern von oben herab (...) aufgezwungen“ (Axel Kassegger, FPÖ) oder „normal geblieben“ sei nur, an wem „Political Correctness und Genderwahn spurlos vorbeigezogen“ seien (Burschenschaft Olympia).

Die Identitären propagieren die rassistische Verschwörungstheorie des „großen Bevölkerungsaustausches“, die auch von Populist*innen wie Trump, Beatrix von Storch oder Strache benutzt wird. Sie alle sehen Frauen in ihrer „traditionellen Rolle“. Passend wettern christliche Fundis wie Rudolf Gehring gegen Abtreibung und Muslime/a, womit eine rechte Szene bedient wird, die sich mit den Incels überschneidet.

Auch wenn das Phänomen bis dato in Österreich kaum relevant erscheint, gab es bereits konkrete Gewaltakte (z.B. „Eisenstangen-Morde“ Wien 2018), die der Strömung zuzuordnen sind. FPÖ, Identitäre & Co. befeuern dieses Milieu, das immer weiter abdriftet in seine eigenen Wertesysteme und dabei zunehmend gefährlicher wird.

 

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