Wie Reichtum entsteht – Aneignung des Mehrwerts

Nikita Tarasov

Reichtum fällt nicht vom Himmel. Doch woher kommt er dann? Die Mär von den unternehmerischen Individuen, die alles riskieren, Firmen gründen, nebenbei Arbeitsplätze schaffen, und somit für die Vermehrung des Reichtums in der Gesellschaft sorgen, sitzt tief in den Köpfen. Demnach wird der Wert und der Wohlstand durch Eigeninitiative und Investitionen von Reichen geschaffen. Solch bürgerliche Theorien greifen aber zu kurz, denn sie erklären nicht, wieso das Endprodukt mehr Wert hat als die Summe seiner Bestandteile. Und genau das haben Marx und Engels in der marxistischen Arbeitswerttheorie analysiert. Der (Tausch)Wert einer Ware entsteht durch die Arbeit, die daran verrichtet wird. Ein Sessel bekommt nicht auf eine magische Weise seinen Wert, sondern durch menschliche Arbeit, die den Baum fällt und das Holz bearbeitet. Das bedeutet, der Wert einer Ware entsteht durch die innewohnende Arbeit. Zur Herstellung einer Ware brauchen die KapitalistInnen Produktionsmittel (Fabriken, Maschinen, Rohstoffe...) und Arbeitskraft. Die Ware Arbeitskraft kaufen sie, indem sie die ArbeiterInnen für eine bestimmte Zeit für sich arbeiten lassen. Der bezahlte Lohn wird für Essen, Erholung, Fortpflanzung... benötigt – alles, was nötig ist, um weiterhin arbeitsfähig zu sein. Marx nennt das „Reproduktion“. Bezahlt aber wird die Arbeitszeit und nicht die erbrachte Leistung. Die ArbeiterInnen leisten nämlich in der gekauften Arbeitszeit mehr, als ihr Lohn (also ihre Reproduktionskosten) ausmacht. Nur einen Teil der Arbeitszeit arbeiten die ArbeiterInnen also für ihren Lohn, die restliche Mehrarbeit erzeugt den Mehrwert, den sich die KapitalistInnen einstecken. Das Verhältnis von Mehrarbeit zu notwendiger Arbeit (also jene Zeit, die dem Lohn und damit den Reproduktionskosten entspricht) ist die Ausbeutungsrate. Je schneller und effizienter Waren im Wert vom Lohn produziert werden können, desto mehr Mehrwert kann sich der Kapitalist einstecken und desto reicher wird er von unserer Arbeit.

Im Kapitalismus ist also nicht nur die Hausarbeit, sondern auch ein Teil der im Job verrichteten Arbeit immer unbezahlte Arbeit. "Aller Mehrwert - wie er sich auch verteile, als Gewinn des Kapitalisten, Grundrente, Steuer etc. - ist unbezahlte Arbeit." (Friedrich Engels 1867 in der Rheinischen Zeitung). Das bedeutet auch, dass ein höherer Lebensstandard oder Lohn nicht bedeutet, dass mensch weniger ausgebeutet wird. Es kann durchaus sein, dass einE VielverdienerIn mehr ausgebeutet wird, wenn er/sie ein Vielfaches an Mehrwert einbringt. Seit Anfang des Kapitalismus ist der Lebensstandard der Menschen tendenziell gestiegen, aber auch immer wieder die Ausbeutungsrate. Das, was zu uns an Wohlstand abbröckelt – und das Meiste davon müssen wir hart erkämpfen – haben die Kapitalisten als x-faches z.B. in Panama gebunkert. Ihre Milliarden entstammen unserer unbezahlten Arbeit! Im Kapitalismus wird es trotz Reformen so bleiben bzw. in Krisen wie jetzt sogar noch verschärft. Solange den Reichen die Bäckerei gehört, werden sie entscheiden, wie groß die Brösel sind, die wir bekommen. Kämpfen wir für größere Brösel, den ganzen Kuchen und letztendlich die Bäckerei.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der Wahnsinn des Kapitalismus

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