Stalinismus - Keine Spielart des Sozialismus

Die russische Revolution war nach zehn Jahren zu einem Staat degeneriert, der von einer privilegierten, nationalistischen Bürokratie beherrscht und ausgepreßt wurde. Die objektiven Ursachen des stalinistischen Verrats an der Oktoberrevolution waren die kombinierte Wirkung der Rückständigkeit und der Isolierung des ersten ArbeiterInnenstaates. Die dramatische, fatale Entwicklung der Sowjetunion war nicht vorgezeichnet. Denn die ganz Europa erschütternden Revolutionen boten 1918-21 viele Möglichkeiten zum Sturz des Kapitals, die alle von der die ArbeiterInnenbewegung noch dominierenden Sozialdemokratie bewußt nicht genutzt und verhindert wurden. Die Rückständigkeit Rußlands wurde durch den der Revolution folgenden dreijährigen Bürgerkrieg, dessen Verwüstungen zu denen des ersten Weltkiegs kamen, in ihrer Wirkung potenziert. Die ArbeiterInnenklasse war über das Land zerstreut, die „bewußtesten“ ArbeiterInnen und KommunistInnen wurden im Bürgerkrieg entweder getötet oder in den Staatsapparat aufgenommen. Dadurch verschwand die „materielle Basis“ jeder ArbeiterInnen- bzw. Rätedemokratie. Die Bürkoratie konnte - unter Anwendung der im Bürgerkrieg eingesetzten Maßnahmen - ihre Herrschaft festigen. Trotzki kam daher zum Schluß, daß die Sowjetunion ein „entarteter“ ArbeiterInnenstaat sei, in dem die Bürokratie die ArbeiterInnenklasse „politisch enteignet“ hat. Trotzki analysierte, daß, solange die Bürokratie nicht die Eigentumsverhältnisse, die durch die Oktoberrevolution entstanden, abschafft, die Sowjetunion ein ArbeiterInnenstaat bleibt, weil sich der Klassencharakter eines Staates letztendlich aus den Eigentumsverhältnissen ergibt, die er verteidigt und aufrechterhält. Diese hat die Bürokratie erst Anfang der 90er Jahre abgeschafft.
Was die Sowjetunion sicherlich nicht war, ist irgendeine Spielart des Sozialismus. Es wurde nicht ein autoritäres oder sonstiges „Sozialismusmodell“ etabliert, das nur von einer „falschen“ Idee ausging, sondern es kam zur Herrschaft einer privilegierten Kaste, die ihre sozialen Eigeninteressen mittels brutaler Diktatur durchsetzte. Zu diesen gehörte auch die Erhaltung des „Status Quo“ und damit ein Interessensgegensatz zum revolutionären Proletariat. In China 1925-27 und in Spanien zeigte der Stalinismus erstmals international sein konterrevolutionäres Gesicht. Revolutionäre Bestrebungen wurden mit Stalins Hilfe verhindert, und in Spanien wurden Revolutionäre von den Stalinisten und ihrer Geheimpolizei liqidiert.
Von „Lenin zu Stalin“ zieht sich kein roter Faden, sondern ein großer Bruch. Die stalinistische Bürokratie hat die bolschewistische Partei zugrundegerichtet. Die Moskauer Schauprozesse 1936/37, in denen die alte bolschewistische Führung nach unter Folter erzwungenen absurden Geständnissen hingemetzelt wurde, waren nur die Spitze des Eisbergs, denn unter dem Stalinregime fand der weltweit größte Mord an KommunistInnen in der Geschichte statt.
Trotzki zog daher den Schluß, daß nur noch eine „politische Revolution“ gegen die Bürokratie eine Möglichkeit der Weiterentwicklung zum Sozialismus schaffen könne - ansonsten würde die Bürokratie alle Errungenschaften des Oktobers abbauen. Dieses Werk hat dann schließlich der aus der Bürokratie kommende Jelzin auch vollendet.

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