Papiermulti will Gewerkschaft vernichten

Papierkonzern Mondi geht weiterhin brutal gegen Beschäftigte in der Slowakei vor.
Petr Jindra von der tschechischen Sektion des CWI

Der österreichisch-südafrikanische Papiermulti Neusiedler/Mondi hat wie viele andere österreichische Konzerne im Osten groß eingekauft, und profitiert von den skandalös niedrigen Löhnen. Im slowakischen Ruzomberok gründete sich, nachdem die alte Gewerkschaft nicht für eine Kampagne für Lohnerhöhungen zu haben war, die neue ZOO Papier, die eine Erhöhung des Stundenlohns um umgerechnet 1,25 Euro fordert (Vorwärts berichtete). Neusiedler lehnt diese 50%ige (!) Lohnerhöhung ab, hat die InitiatorInnen gekündigt und ein Rufschädigungsverfahren über 519.000 Euro eingeleitet.
“Sie wollen uns aushungern,” sagen die entlassenen Arbeiter der Papierfabrik Mondi BP (ehemals Neusiedler) in Ruzomberok, Slowakei. Ein halbes Jahr nach ihrer Kündigung ist noch kein einziges Gerichtsverfahren beendet, bald bekommen die KollegInnen keinerlei Unterstützung mehr, da die slowakische Regierung eben das Sozialsystem zerstört hat.
Ich frage, ob es immer noch starken Rückhalt für ZOO Papier in der Fabrik gibt - und ihr Vorsitzender Jozef Krncan zögert nicht: “Auf jeden Fall! Aber der Druck der Firma am Arbeitsplatz und die rechtliche Ungewissheit zwingt die Leute, öffentlich nicht so viel zu zeigen. Aber sobald wir zurück in die Fabrik kommen, wird sich alles umdrehen. Mondi weiß das, die alten Gewerkschaften auch, und darum wollen sie alle rechtlichen Vorgänge so lang wie möglich hinauszögern.” Wie zum Beweis grüßt ein vorbeigehender Arbeiter auf der Straße und fragt nach Neuigkeiten.
“Gruppen von ArbeiterInnen von anderen Arbeitsplätzen bitten uns, ihnen bei ihren Problemen zu helfen, wir diskutieren ob wir eine stadtweite Gewerkschaftsorganisation mit ihnen aufbauen sollen” fügt der stellvertretende Vorsitzende Jozef Danis hinzu.
Niemand von der unabhängigen Gewerkschaft kann verstehen, wie es möglich ist, dass der offene Gesetzesbruch von Seiten der Firma so offensichtlich von der Gerichten und Autoritäten ignoriert wird. “Es ist einfach - als Neusiedler unsere Papiermühle kaufte, haben sie praktisch die ganze Stadt gekauft. Alles hängt von ihnen ab” kommentiert ein anderer Arbeiter. Jozef Krncans jüngster Fall, als er Arbeit in einer Textildruckerei fand und nach wenigen Wochen gekündigt wurde, zeigt den Einfluss von Mondi, wie er wenig früher in den Gängen des Gerichts vom wütenden Vorstandsvorsitzenden Curilla ausgesprochen wurde: “Ihr werdet in den Kanälen gehen müssen!”
“Wir wissen, dass sie sicherstellen werden, dass keiner von uns in dieser Region einen Job bekommen wird. Aber genauso wie wir angefangen haben, werden wir es zu Ende bringen” sagt Krncan bestimmt. “Wir müssen allen internationalen Unterstützern danken, das stört die Firma stark”.
Aber sie verstehen nicht, warum die Gewerkschaften im Westen, speziell in Österreich, weiterhin die alten Gewerkschaften unterstützen. Man kann es an einer Hand abzählen: Mondi kaufte und investierte in Ruzomberok in neue Technologien, und es ist klar dass sie eines Tages nach Hause kommen und ihren angestammten Beschäftigten sagen werden, dass sie ihr Werk schließen werden. Aber zuerst werden sie nur damit drohen und niedrigere Löhne auch zB in Österreich erzwingen. Wie werden die österreichischen Gewerkschaften das gemeinsam mit der alten, korrupten Gewerkschaftsführung in der Slowakei bekämpfen können? Wenn die Gewerkschaftsführung das nicht versteht, müssen die ArbeiterInnen einspringen.
“Als ich vor längerer Zeit in Hausmening war (Mondi/
Neusiedler-Stammwerk nahe Amstetten, NÖ), spürte ich dass die dortigen KollegInnen nicht glücklich darüber sind, dass Neusiedler so eine große Mühle in der Slowakei eröffnet hat. Ich konnte in ihren Gesichtern lesen, dass sie um ihren Arbeitsplatz fürchten. Lasst uns das ändern” fasst Krncan zusammen.
Ende April besuchten VertreterInnen von ZOO Papier auf Einladung der SLP Amstetten und Wien, um in öffentlichen Veranstaltungen für Unterstützung ihres Kampfes zu werben.

Übersetzung des Artikels: Philipp Fleischmann

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