Kampagne für gewerkschaftliche Rechte in Pakistan (TURCP)[1] baut Arbeit landesweit aus

1. Mai-Veranstaltungen 2006: Aktionen gehen trotz Einschüchterungsversuchen weiter
BerichterstatterInnen der TURCP, Pakistan

Am 1. Mai hat die TURCP in 16 Städten eigene Kundgebungen organisiert und an Veranstaltungen in weiteren 21 Städten und Orten aller vier Provinzen Pakistans teilgenommen. Zur Vorbereitung dieser Aktionen wurde ein speziell dafür erstelltes Mobilisierungs-Plakat in Umlauf gebracht sowie ein zweisprachiges Flugblatt (in Urdu und Sindhi) erstellt. Zusätzlich wurden Flugis zu regionalen Themen verteilt. Das Socialist Movement Pakistan druckte außerdem eine Sonderausgabe seiner Zeitung, The Socialist, zum 1. Mai.
Die bekanntesten Landeszeitungen und Fernsehsender berichteten von den von der TURCP organisierten Aktionen, die in Islamabad, Faisalabad, Multan, Karachi, Muzafargar, Shikarpur, Bahawalpur, Dadu, Larkana, Tando Jam, Tharri Mohabat, Sahiwal, Mardan, Peshawar, Dir, Swat stattfanden. TURCP-Mitglieder nahmen desgleichen an von der Arbeiterbewegung einberufenen 1. Mai-Veranstaltungen in Lahore, Hyderabad, Quetta, Khuzdar, Sukhar, Sangar, Rawalpindi, Gujrat und anderen Städten teil. Über 1000 Ausgaben des Socialist wurden bei diesen Demos und Kundgebungen verkauft. Die folgenden Kurzberichte geben einen Geschmack davon, was am diesjährigen 1. Mai hier in Pakistan stattfand:

Islamabad

Zum ersten Mal überhaupt wurde in der pakistanischen Hauptstadt der 1. Mai begangen und als einzige Organisation war dabei die TURCP aktiv. Üblicher Weise schüchtern Polizei und Sicherheitskräfte im Vorfeld alle ein, die eventuell auf die Idee kommen könnten, am 1. Mai auf die Straße zu gehen. Offiziell soll damit der renommierte und besondere Ruf Islamabads als Landeshauptstadt gewahrt werden.

Im letzten Jahr noch lud die TURCP zu einem 1. Mai-Seminar in ein örtliches Hotel ein, doch diesmal entschied man sich eine öffentliche Kundgebung abzuhalten, um sich dem Verbot öffentlicher Versammlungen zu widersetzen.

Über 200 Gewerkschafter nahmen an der Zusammenkunft in der telecom residential colony teil. Die Geschäftsführung der Pakistan Telecommunication Company Limited (PTCL) und die Polizei versuchten die Kundgebung zu unterbinden, indem mit Maßnahmen gegen Telekom-Beschäftigte für den Fall gedroht wurde, dass sie an der Demo teilnähmen.

Es handelte sich hierbei um die erste öffentliche Versammlung auf dem Gelände der PTCL nach ihrer Privatisierung. Seitens der Behörden wurde enormer Druck auf die TURCP-Mitglieder ausgeübt, die Veranstaltung kurzfristig wieder abzusagen. Und als die GenossInnen dies ablehnten, drehten die Verantwortlichen dem 1. Mai-Treffen den Strom ab.Gegen alle Widerstände von oben wurde die Veranstaltung dennoch fortgesetzt, an der 13 verschiedene Gewerkschaften teilnahmen. Die Hauptredner waren Azad Qadri, Aazam Janjua, Sajid Tanuali, Anwar-ul-haq, Akram Bundah, Chaudhary Muazam, Mumtaz arzoo, Zahoor ahmad, Shahid Zaheer und Shafique Awan.

Die Redner verurteilten die gegen die ArbeiterInnen gerichtete Politik des Musharraf-Regimes aufs Schärfste und in der medialen Berichterstattung schlug sich die Aktion vortrefflich nieder. Acht Landeszeitungen brachten Artikel über den 1. Mai in Islamabad.[2]

Die TURCP nahm auch an von unterschiedlichsten anderen Organisationen veranstalteten 1. Mai-Kundgebungen nahe der Stadt Rawalpindi teil. Unter den Rednern einer vom örtlichen 1. Mai-Komitee einberufenen Konferenz war ebenfalls Azad Qadri. Die Veranstaltung wurde von einem Bündnis verschiedener Gewerkschaften und linker Gruppen organisiert. Desgleichen nahmen TURCP-Mitglieder an einer Konferenz der Workers Federation teil. 

Dadu (in Inner-Sindh gelegen)

Im Tharri Mohabat District Dadu in Sindh organisierte die TURCP eine Arbeiter-Konferenz und -kundgebung. Die Sindh Urban Alliance (bestehend aus 50 lokalen Gewerkschaften, Bauern-Organisationen und Community-Bewegungen) entschied sich einstimmig dafür, am Maifeiertag geschlossen mit der TURCP zusammen den Tag zu begehen. 300 Arbeiter, Bauern und Jugendliche nahmen an der Konferenz teil und fast 400 kamen zur anschließenden Kundgebung. TURCP-Mitglieder aus der Region druckten ein Sonderflugblatt zum 1. Mai in der Sindhi-Sprache. Khalid Bhatti, Landeskoordinator der TURCP, und Zubair Rehman, Sprecher der SMP in Karachi waren die Hauptredner auf der Konferenz. Ebenso sprachen Hameed Chana, Mumtaz Barohi und andere. Vertreter und Mitglieder von vier kürzlich erst gegründeten Gewerkschaften waren dabei zugegen. Diese vier Gewerkschaften wurden mit Unterstützung der örtlichen TURCP-Mitglieder gegründet. Darunter die Kiln Workers Union (Ofenbauer), die Transport Workers Union (Transportarbeiter), die Glass and Shoe Makers Workers union (Glasbläser und Schuhmacher) und die Construction Workers Union (Bauarbeiter). Alle vier Gewerkschaften sind der TURCP angegliedert. Viele anderen Gewerkschaften nehmen unterdessen Kontakt zu führenden TURCP-Mitgliedern in ihrer Region auf, um mit der TURCP zusammen zu arbeiten oder sich ebenfalls anzuschließen.

Außerdem fanden Seminare in den Dörfern Radhan Station, Mehar and Dadu statt. Das Gebiet Inner-Sindhs ist noch maßgeblich gekennzeichnet von feudalen und neo-feudalen Strukturen mit Großgrundbesitzern, die nicht nur alles besitzen, sondern auch eine enorme politische Macht ausüben. Khalid Bhatti war auch hier einer der Hauptredner.

Tando Jam

Mitglieder der TURCP organisierten eine öffentliche Kundgebung in Tando Jam. 250 Arbeiter und Jugendliche nahmen daran teil. Sämtliche Gewerkschaften, Community-Bewegungen und Bauern-Organisationen der Region beteiligten sich. Die Kundgebung zog dann durch die Hauptstraßen der Stadt zum zentralen Marktplatz.

Faisalabad

Zusammen mit den Webern organisierte die TURCP in einer der größten Städte Pakistans eine Maiveranstaltung. Über 200 Teilnehmer zählte die Konferenz. 14 Redner traten auf und elf verschiedene Gewerkschaftsvertreter  waren anwesend. Nach dem Treffen wurde eine Demo gegen die arbeiterfeindliche Industrieverordnung aus dem Jahr 2002 und Privatisierungen durchgeführt.

Karachi

Über 350 Arbeiter nahmen am 1. Mai an der gemeinsam von TURCP und Watan Dost Mazdoor Federation Sindh veranstalteten Kundgebung teil. Alle großen Fernsehsender und landesweit erscheinenden Zeitungen berichteten von dieser Veranstaltung, die von Iqbal Rind, Zubair Rehman, William Sadique und anderen Gewerkschaftsführern geleitet wurde. Flugblätter der TURCP wurden ebenso verteilt wie der Socialist verkauft.

TURCP-Mitglied William Sadique befand sich auch unter den Rednern eines Seminars der Textile and Powerloom Workers Union (Weber und Bekleidungsindustriearbeiter) anlässlich des 1. Mai, die von 600 Menschen besucht wurde.

Lahore

Mitglieder der TURCP nahmen an der Hauptkundgebung der Pakistan Workers Confederation (PWC; größte pakistanische Gewerkschaft) teil. Über 5000 Arbeiter waren bei der Kundgebung anwesend. Etliche Ausgaben des Socialist konnten verkauft und TURCP-Flugblätter verteilt werden. Darüber hinaus nahmen TURCP-Mitglieder an den drei weiteren Kundgebungen am 1. Mai teil und am 10. Mai wird die TURCP eine Veranstaltung in Lahore abhalten.
Wichtige Interventionen von TURCP und DSP fanden zudem in Quetta, Peshawar, Hyderabad und Sukhar statt.


[1] Die TURCP wurde maßgeblich von Mitgliedern des Socialist Movement Pakistan, Schwesterorganisation der SAV und Sektion

des CWI, mit begründet.

[2] Fotos von den 1. Mai-Veranstaltungen und Presseberichte unter: http://www.socialistworld.net/. Der

Origaltitel des Artikels lautet: „Trade Union Rights Campaign (TURCP) organises

activities across Pakistan“ (7. Mai 2006).