Hurrican Mitch

Wirklich nur eine „Naturkatastrophe“?

Der Hurrican Mitch hinterließ Ende letzten Jahres mindestens 11.000 Tote und tausende Vermißte in Zentralamerika. Er traf mitten in das Herz einer Region, in der Armut, Ausbeutung und Unterdrückung auf der Tagesordnung stehen. In Nicaragua wurden 300 Schulen, ein Viertel der Stromversorgung und ein Viertel des Transportwesens zerstört. In Honduras sind drei Viertel der Infrastruktur versunken und zerstört, 93 Brücken wurden weggerissen, die wichtigsten Straßen gibt es nicht mehr. Das Land besteht eigentlich nur mehr aus wenigen „Inseln“ ohne Verbindungen untereinander.
Honduras und Nicaragua sind nach Haiti die ärmsten Länder der „westlichen Welt“. Das durchschnittliche Einkommen liegt bei gerade öS 15,- bzw. öS 25,- täglich. Der Präsident von Honduras, Carlos Flores, beschrieb die Katastrophe als eine Art reinigendes Gewitter, nach dem ein neues Honduras - modern und ohne ungerechtfertigte Privilegien - entstehen würde. Für die Bevölkerung ist das blanker Zynismus. Flores erste Maßnahmen nach seinem Amtsantritt vor rund einem Jahr bestanden in der Senkung der Exportsteuer für Bananen und der Erhöhung der Mehrwehrtssteuer von 7 auf 12 %. Getroffen wurden davon ausschließlich die Ärmsten der Armen. Flores setzt mit seiner Politik die „Tradition“ fort, die Honduras zum Inbegriff der „Bananenrepublik“ machte: Immer den multinationalen Konzernen verpflichtet. Die US-Multis Dole-Food und Chiquita - seit 100 Jahren in Honduras tonangebend -haben nach der Katastrophe erklärt, „leider“ tausende BananenarbeiterInnen entlassen zu müssen. Die Gewerkschaft meint, daß die Konzerne die Katastrophe benützen, um Überkapazitäen loszuwerden. Tatsächlich sind die Anbaubedingungen auf den Plantagen, durch die Anreicherung der Böden mittels Schlamm, sogar besser als vorher.

Geben und vor allem Nehmen

Honduras wurden einige hundert Millionen Dollar finanzielle Hilfe von der „Staatengemeinde“ zugesagt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man bedenkt, daß von Honduras alleine 3,6 Milliarden Dollar an diverse Banken gezahlt wurden, um den Zusammenbruch des Kreditsystems im September 1998 aufzufangen. 80 Prozent des Budgets von Honduras gehen in die Schuldenrückzahlung - 40 % sind es bei Nicaragua. Wer für die Schulden bezahlen muß liegt auch auf der Hand: Honduras gab für die Bedienung der Kredite 1996 mehr als 2,5 mal soviel aus wie für Gesundheits und Bildungswesen. Um jetzt einen begünstigten Status beim IWF zu bekommen, müssen die beiden Länder über drei Jahre hinweg einem rigorosen IWF-Sparkurs folgen.

Hinterhof

Die gesamte Region wird von den USA seit jeher als eine Art Hinterhof betrachtet. In den 80er Jahren war Honduras das Aufmarschgebiet der „Contras" gegen die nicaraguanische Revolution. Unter Präsident Reagan gaben die USA für diesen Krieg 2 Milliarden Dollar aus, 7.000 US-Soldaten waren in Honduras stationiert. Doch nicht nur der Waffenhandel florierte, auch der Drogenhandel durch Contra-Kriegsherren und honduranische Geschäftsleute blühte unter den „wachsamen Augen“ des CIA in dieser Region. Als ein weiteres „Erbstück“ dieser Zeit sind unzählige Landminen zu betrachten, die jetzt über die beiden Staaten verstreut in den Flüssen liegen.

Kapitalismus: Unfähig zur Hilfe

Ein System, daß auf der Ausbeutung und Unterdrückung der ArbeiterInnenklasse und ärmsten Schichten aufbaut, ist unfähig, in dieser Situation zu helfen: Umweltkatastrophen gehen hier Hand in Hand mit dem ökonomischen Chaos. Natürliche Katastrophen treffen auf ein Umfeld von sozialer Katastrophe, welches unfähig ist zur Hilfe und plötzliche Katastrophen erst zu solchen werden läßt.
Während mit modernster Technologie der Irak angegriffen wurde, waren zur selben Zeit für die gesamte Region gerade der Gegenwert einiger Raketen an Hilfe zugesagt. Die USA und ihre politischen Verbündeten werden trotzdem in den nächsten Jahren jedes Problem, daß in Honduras oder Nicaragua sichtbar wird, auf die „Folgen der Naturkatastrophe“ schieben. Es ist zu bezweifeln, ob diese „Entschuldigung" von der Bevölkerung dieser Länder geglaubt wird.  Immerhin wurde Nicaraguas Präsident beim Besuch einiger Dörfer mit „Mörder, Mörder“ Rufen empfangen, nachdem er medizinische Hilfe aus Kuba abgelehnt hatte...

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Nachrichten aus dem Quarantäne-Kapitalismus

Auch auf Facebook!

25.03.2020

Die Coronoa-Krise trifft alle, aber nicht alle gleich  Aktuell rücken die Lebens- und Arbeitsrealitäten von uns allen näher zusammen. WAS wir konkret für einen Job machen ist gerade...mehr