Die Kunst der russischen Revolution

Fabian Lehr

Vom stürmischen Aufbruch zur stalinistischen Erstarrung

Die Russische Revolution brachte auch in Kunst und Kultur große Veränderungen. Im Zarenreich war die Kunst ein Privileg der herrschenden Klassen gewesen, während die von Bildung ausgeschlossenen Massen kaum Zugang zu ihr hatten. So trug die Kunst vor 1917 einen entweder konservativen oder elitären, sich nur an eine kleine bürgerliche Avantgarde richtenden Charakter. Die Revolution zerbrach nicht nur die Schranken, die der Kunst bisher durch die zaristische Zensur gesetzt waren, sondern weitete durch Bildungsprogramme für die Massen auch ihr Publikum aus. In den 20ern wurde die junge Sowjetunion zu einem Mittelpunkt moderner Kunst - Majakowski in der Literatur, Schostakowitsch in der Musik, Eisenstein im Film oder Malewitsch in der Malerei stehen für diese Aufbruchstimmung. Der Staat förderte durch den Aufbau öffentlicher Bibliotheken, durch Ausstellungen, Konzerte und Filmvorführungen für ArbeiterInnen deren Verbreitung. Und schließlich sollte die Trennung zwischen KunstproduzentInnen- und konsumentInnen aufgehoben, allen der Weg zur künstlerischen Produktion geöffnet werden.

Aber mit der Machtübernahme durch die stalinistische Bürokratie und der Ausschaltung der alten Parteistrukturen setzte auch hier ein schroffer Umschwung ein. Passend zu den gesellschaftlich konservativen Tendenzen des Stalinismus wurde der sogenannte "Sozialistische Realismus" autoritär durchgesetzt. Er war weder sozialistisch noch realistisch und schrieb KünstlerInnen vor, in konventionellen Formen einerseits konservative Werte wie Mutterschaft und Nation zu verherrlichen, andererseits eine für die ferne Zukunft versprochene glänzende sozialistische Gesellschaftsordnung als jetzt schon verwirklicht darzustellen und alle Nöte der sozialen Wirklichkeit auszublenden. Loyale StaatskünstlerInnen gaben nun den Ton an, die Massen blieben im Staat und in der Kunst von der Mitwirkung ausgeschlossen. Die Rückkehr bürgerlicher Werte in der stalinistischen Kultur und Gesellschaft spiegelt sich auch in diesen an die vorrevolutionäre Kunst erinnernden Werken.

 

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Nachrichten aus dem Quarantäne-Kapitalismus

Auch auf Facebook!

25.03.2020

Die Coronoa-Krise trifft alle, aber nicht alle gleich  Aktuell rücken die Lebens- und Arbeitsrealitäten von uns allen näher zusammen. WAS wir konkret für einen Job machen ist gerade...mehr