Das Erbe der WM

Die WM hat uns ein Monat gefesselt: mit Toren, aber auch mit dem sozialen und politischen Drama
Brettros
     

Die Spannung der WM wurde durch die bittere Erkenntnis ersetzt, dass für all den Pomp die ArbeiterInnenklasse Brasiliens einen hohen Preis bezahlen musste. Hunderte Millionen wurden für Stadien ausgegeben von denen viele nie wieder benützt werden. Das drastischste Beispiel dafür ist

Arena Amazonia in Manaus. Es führt keine Straße nach Manaus, das Baumaterial aus Portugal musste tausende Kilometer weit über den Amazonas per Schiff gebracht werden. Das Stadion hat 46.000 Sitzplätze, der lokale Fußballverein hat im besten Fall 3.000 Fans. Drei Arbeiter starben bei den Bauarbeiten für dieses Stadion, damit gerade einmal vier WM-Spiele dort gespielt werden können.

Um die Unterstützung der Bevölkerung für die WM zu gewinnen, wurde der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, bei dem viel im Argen liegt, versprochen. Doch als die Bauarbeiten die Zeitpläne nicht einhalten konnten waren genau das die ersten Projekte, die gestrichen wurden. Tausende wurden aus ihren Wohnungen in den Favelas vertrieben und paramilitärische “Befriedungs”einheiten haben arme, v.a. schwarze Stadtteile terrorisiert.

Die Skandale, die Korruption sind nichts Neues, sondern treten bei jeder WM, bei allen Olympischen Spielen der letzten Jahrzehnte auf. Herausragend aber waren die massiven Reaktionen der brasilianischen Bevölkerung. Millionen haben sich daran beteiligt, zu Beginn der WM gab es einen Streik der U-Bahn-ArbeiterInnen, auch die LehrerInnen in Rio traten in den Ausstand. Und trotz der aggressive Reaktion der Polizei und der Versuche, die Streiks zu verbieten haben die brasilianischen ArbeiterInnen sicher gestellt, dass ihre Stimme gehört wird. Wohl noch keine WM war von so vielen Berichten über die Proteste begleitet.

Die Gründe für die Proteste waren die Armut, die Ungleichheit und die kapitalistische Ausbeutung. Kein einziges dieser Probleme wurde gelöst. Die WM ist vielleicht vorbei, aber der Kampf für ein besseres, ein menschenwürdiges Leben wird weitergehen. Ich bin gespannt, was geschieht, wenn die Olympischen Spiele 2016 nach Rio kommen.

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