Arbeitskampf statt Charity: Der Waffenunternehmer Glock spendiert dem AKH einige wenige seiner Millionen

Charity kennen wir aus „Seitenblicke“-Beiträgen. Doch heute geht es nicht um Jeannine Schiller.
Franz Neuhold

Gaston Glock besitzt ca. 1000 (!) Millionen Euro. Das Geld stammt aus der Arbeitskraft vieler ArbeiterInnen. Mehr noch: Glock lässt Waffen produzieren. Der Tod von Menschen gehört zum Geschäft. Oft verklagt er Organisationen und Personen, die daran Kritik üben. Moralisch ist er wohl kaum fürs Kinderfernsehen geeignet. Hat er ein Image-Problem? Vielleicht. Daher kommt ein Ausflug in die Welt der „Charity“ gerade recht. So gab er der AKH-Kinderklinik im Dezember 250.000 Euro. Das sind wahrlich effizient eingesetzte Werbemittel! Glock nützt wie andere Superreiche das unsägliche Privatstiftungsrecht und enthält somit Staat und Gesellschaft Unsummen an Steuergeldern vor. Allein daran gemessen ist die Viertelmillion ein lächerlicher Betrag.

Und all dies spielt sich ausgerechnet in einem Bereich ab, in dem sich ein höchst bedeutsamer Arbeitskonflikt anbahnt. Ein Versuch, vom eigentlichen Problem abzulenken? Wir denken: gut möglich.

Doch leider zieht sein billiger Trick beim Verein „Rettet das AKH“. Auf der Homepage wird der neue Heiland demütig präsentiert. Anstatt alle Energien darauf zu verwenden, einen wohl unausweichlichen Arbeitskampf zu führen und in diesem für die nötige Solidarität zwischen den verschiedenen Beschäftigten zu sorgen, wird Glock eine Bühne gegeben.

Diese Politik des Vereins „Rettet das AKH“ wird nicht in der Lage sein, das AKH zu retten. Selbst eine Spende, deren Betrag für einen Milliardär von Bedeutung wäre, würde nichts an der chronischen Unterfinanzierung des AKH im Speziellen sowie des Gesundheitssystems im Allgemeinen ändern. Allein für 2012 fehlen neun Millionen Euro im AKH-Budget. Es drohen weitergehende Kürzungen im Gesundheitsbereich. Die Bündnispartner für die AKH-ÄrtztInnen sind nicht Glock&Lauda, sondern Pflege- und Reinigungspersonal sowie die PatientInnen. Nur solidarischer Widerstand aller Betroffenen und eine Umverteilungsoffensive von oben nach unten kann Rettung bringen.

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