Vom T-Shirt zurück zum Revolutionär

Tilman M. Ruster

Che Guevaras Bild gehört wohl zu den Bekanntesten der Welt. Für Viele ist er nur Mode, für Viele aber auch Vorbild. Er steht für Entschlossenheit, Kampfgeist, Revolution, Aufopferung, vielleicht Romantik und vieles mehr. Vor 45 Jahren wurde er ermordet.

Tatsächlich spielte er eine entscheidende Rolle in der Kubanischen Revolution 1959 und anderen revolutionären Kämpfen. Er war ein Kämpfer und immer an „vorderster Front“. Er hatte nie Interesse an Privilegien. So bestand er z.B. darauf, auch als Chef der Nationalbank nur den Mindestlohn zu beziehen. Auch sein fester Glaube an die Notwendigkeit einer internationalen Revolution brachte ihn schnell in Opposition zu den stalinistischen Machthabern in Moskau. Diese hatten Angst vor Revolutionen, die sich ihrer Kontrolle entziehen könnten und durch die ein echter, demokratischer Sozialismus hätte entstehen können. Damit wäre auch die Macht des Stalinismus in Russland bedroht gewesen.

All diese Eigenschaften, die ihn so wohltuend von der Bürokratie der stalinistischen wie auch der sozialdemokratischen Parteien abhob, mach(t)en aus ihm ein Idol für Viele. Das machte sich auch die kapitalistische Industrie zunutze und scheffelte v.a. auf Basis eines Bildes (für das der Fotograf Alberto Korda keinen Cent erhielt) Milliardengewinne. Selbst die FPÖ versuchte sich 2007 – missglückt – der Ikone mittels „StraCHE“ T-Shirts zu bedienen.

Doch neben der berechtigten Begeisterung ist auch eine kritische Betrachtung von Che angesagt. Seine revolutionäre Strategie war, obwohl er diesen Anspruch erhob, wenig marxistisch. Che steht für den Guerilla-Kampf wie kein Anderer. Diese Taktik ist ein Stellvertreterkampf, wo eine kleine Gruppe, mit Unterstützung der Landbevölkerung, die Diktatur stürzt. Es existiert keine breite und aktive Basis in der ArbeiterInnenklasse, die Fabriken und Betriebe übernehmen und eine demokratische Planwirtschaft errichten könnte. Daher bietet diese Taktik eine gute Grundlage für eine neue abgehobene herrschende Elite. Im Falle Kubas war es nach anfänglichen Versuchen, eine bürgerliche Elite einzuführen, bald eine stalinistische Bürokratie, zu der sich Che rasch in Opposition wiederfand.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

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23.5.2018

Der Wahnsinn des Kapitalismus: Wir arbeiten grad am nächsten Vorwärts, im Schwerpunkt geht es um Imperialismus und die wachsende Kriegsgefahr. Dazu passend verschickt die schwedische Regierung an...mehr

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