Unwissenschaftliche, antikommunistische Propaganda

Das Schwarzbuch zum Rotwerden
David Mum

Offenbar geistert das Gespenst des Kommunismus noch immer durch den einen oder anderen Kopf, weshalb dieser anläßlich des Erscheinens des “Schwarzbuches des Kommunismus” in Frankreich erneut zu Grabe getragen werden soll. Wie schon beim deutschen “Historikerstreit” geht es dem Herausgeber dieses in Frankreich erschienenen Buches darum, nachzuweisen, daß der Kommunismus von der Dimension des Schreckens her mit dem Nationalsozialismus vergleichbar ist und daß dieser Vergleich zuungunsten des “roten Terrors” ausfalle.
Die darauf folgende Debatte konzentriert sich auf zwei Fragestellungen:

  • Ist ein Vergleich zwischen den beiden totalitären Systemen sinnvoll bzw. zulässig?
  • Ist der stalinistische Massenmord aus der kommunistischen Idee notwendigerweise und zwangsläufig erwachsen?

Das “Schwarzbuch des Kommunismus - Verbrechen, Terror, Repression”

Der Herausgeber des Buches, Stephan Courtois, ein Ex-Maoist, der wie viele seiner französischen, an China orientierten Ex-GenossInnen, ins Lager des rabiaten Antikommunismus wechselte, schrieb das Vorwort des Werkes, zählte die “Opfer des Kommunismus” zusammen und kam auf die Schreckenszahl von 85 Millionen Toten.   
Dieses Buch steht in einer Reihe von Erscheinungen der letzten Jahre. Vor 10 Jahren begann in Deutschland Ernst Nolte den sogenannten Historikerstreit, indem er meinte, die KommunistInnen hätten alle Menschheitsverbrechen der Nazis - mit Ausnahme der industriellen Massenvernichtung - vorweggenommen. Die bemerkenswert offen ausgesprochene Schlußfolgerung ist, daß der Faschismus die (legitime) Antwort des europäischen Kapitalismus auf den Bolschewismus sei.
In Frankreich hat 1995 Francois Furet sein Buch “Das Ende einer Illusion” geschrieben und wiederum Kommunismus und Nationalsozialismus als zwar verfeindete, aber gleichartige Systeme dargestellt. Der inzwischen verstorbene Furet hätte eigentlich den Hauptteil des Schwarzbuches verfassen sollen. Auch er war vor 1956, dem Jahr der Niederschlagung des Ungarnaufstandes, Mitglied der stalinistischen KP Frankreichs.   
Die mörderische Rechnung, die Courtois aufstellt, ergibt sich folgendermaßen:
Er addiert zu politisch motivierten Opfern des stalinistischen Terrors neben Deportationsopfer auch die von Hungersnöten oder die Opfer des Bürgerkriegs. Mit dieser Methode summiert er alle Toten von der Sowjetunion, über China, den kambodschanischen Völkermord bis zum äthiopischen Regime oder dem politisch obskuren peruanischen Sendero Luminoso und stellt die dadurch ermittelte Zahl von 85 Millionen Toten den 20 Millionen der Nazis gegenüber. Für diesen Vergleich holte er sich allerdings auch die Kritik von seinen Co-Autoren ein. Er vergleicht den nazistischen Rassengenozid mit dem kommunistischen “Klassengenozid” und “untermauert” das mit folgendem oft zitierten Satz:
“Der Hungertod eines ukrainischen Kulakenkindes, das einer von Stalin absichtlich herbeigeführten Hungersnot zum Opfer fiel, zählt genauso viel wie der Tod eines Judenkindes, das im Warschauer Ghetto von den Nazis ausgehungert wurde.”  

85 Millionen Opfer des Kommunismus?

Es kann und soll in der Auseinandersetzung mit diesem Buch nicht darum gehen, sich auf die Zahlenangaben der Autoren zu konzentrieren. Trotzdem kann diese nicht unhinterfragt hingenommen werden - nicht um das Ergebnis nach unten zu revidieren, sondern um die Unzulässigkeit der Methode, die angewandt wird, aufzuzeigen. Die Zahlen sind im Grunde genommen eine politisch motivierte Spielerei. Zum Beispiel werden zu den Opfern des stalinistischen Terrors einfach auch jene des Bürgerkrieges 1918-1920 addiert. Den Bürgerkrieg, der die junge Sowjetunion an den Rand des Zusammenbruches brachte und der das Land und hunderttausende überzeugte RevolutionärInnen, ArbeiterInnen  und Bauern und Bäuerinnen das Leben kostete, als Ausdruck der Gewalt der kommunistischen Idee darzustellen, ist jedoch schon deswegen absurd, weil er nicht von den Bolschewiki, sondern den Feinden der Revolution begonnen wurde. Mit dabei waren übrigens 21 imperialistische Armeen.  
Unter anderem rangieren weiters unter den Opfern des Kommunismus 35.000 bis 50.000 Tote aus dem Kampf der SandinistInnen, die in Nicaragua gegen die Somoza-Diktatur kämpften. Zunächst ist festzustellen, daß die SandinistInnen eine nationale Befreiungsbewegung mit verschiedenen Flügeln waren (und sind), die nie von einer kommunistischen Führung dominiert waren und sich heute nach einer Rechtsentwicklung um Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Internationale bemühen. Aber grenzenloser Zynismus ist es, wenn die Opfer der konterrevolutionären, von den USA gesponserten Kontras, die vor allem nicaraguanische BäuerInnen und SandinistInnen  waren, als Opfer des Kommunismus gezählt werden.
Bei den 20 Millionen Opfern in der Sowjetunion finden sich 11 Millionen in den Hungersnöten 1921/22 und 1932/33 Umgekommene. Richtigerweise schreibt diesbezüglich Daniel Bensaid: “Bei dieser Methode ist es nicht schwer, ein Rotbuch der Verbrechen des Kapitalismus” zu verfassen, das die Opfer der Plünderungen und Völkermorde in den Kolonien, der Weltkriege, die Opfer von Arbeitsunfällen, Epidemien und Hungersnöte zusammenzählt - und nicht nur die von gestern, sondern auch die von heute. Allein für das 20. Jahrhundert käme man dabei ohne Schwierigkeiten auf mehrere hundert Millionen Opfer.”
 Die Opfer der stalinistischen Säuberungen 1936 bis 1938 werden von Mitautor Nicolas Werth mit 690.000 angegeben, die Zahl der Gulaghäftlinge schätzt er auf jährlich 2 Millionen. Diese Zahlen sprechen für sich - es ist nicht notwendig und vor allem geschmacklos, die Schreckenszahl ideologisch motiviert nach oben oder unten zu revidieren.

“Klassengenozid”

Interessant ist auch der Begriff des “Klassengenozids”, mit dem die Idee der klassenlosen Gesellschaft mit der Wahnidee eines “reinrassigen” deutschen Ariervolks ideologisch und bezüglich den Auswirkungen auf eine Ebene gestellt wirden. Mit diesem Begriff soll wohl “bewiesen” werden, warum der Terror und Millionen Tote nicht bei Stalin wurzeln, sondern schon auf Marx und Engels zurückgehen.
Die Vernichtung einer “Rasse” und die Entmachtung einer wirtschaftlich und/oder politisch herrschenden Klasse sind aber zwei grundverschiedene “Vorgänge”. Es ist fast zu banal, um erklärt werden zu müssen, und doch arbeiten nicht nur der Herausgeber, sondern eine Horde antikommunistischer Journalisten mit dieser Analogie. Eine “Rasse” auszurotten, funktioniert nur dadurch, daß man die Menschen, die dieser “angehören”, vernichtet. Hinzuzufügen ist dem natürlich, daß der Begriff der Rasse als unwissenschaftlich widerlegt ist.  Die Entmachtung einer Klasse oder auch die Abschaffung von Klassen findet nicht durch die Ausrottung der dieser Klasse(n) angehörenden Menschen statt, sondern durch eine grundlegende Änderung der gesellschaftlichen Eigentums-, Besitz und Machtstrukturen. Die These vom drohenden Klassengenozid rechtfertigt die Aufrechterhaltung von Klassengesellschaften - konkret der existierenden kapitalistischen. Dieser Gedankengang macht den Wert des Buches für die Ideologen, die jetzt das Ende der Geschichte im neoliberalen Kapitalismus sehen, aus.
Die Gleichsetzung von kommunis-tischer und nazistischer Ideologie ist dabei der wahre Skandal des Buches. Der Terror der Nazis fand im Einklang mit ihrer Ideologie der deutschen “Herrenrasse” statt. Der stalinistische Terror und die politischen Machtstrukturen in der stalinistischen UdSSR standen in direktem Widerspruch zum Marxismus.

Kommunismus = Marxismus = Bolschewismus = Stalinismus?

Die Gleichsetzung von Leninismus und neuerdings auch des Marxismus mit dem Stalinismus, die seit Karl Popper viele Ideologen des Kapitals vorgebracht haben, wird also einmal mehr aufgewärmt. Die antikommunistischen Autoren und Kommentatoren gehen offensichtlich davon aus, daß dies nicht oft genug wiederholt werden kann und präsentieren es bei jeder Gelegenheit als durch “neue Erkenntnisse” untermauerte Wahrheit.
So schreibt Carlos Widmann im Spiegel vom 24.11.1997: “So irrt, wer ‘Stalinismus’ sagt - oder heuchelt. Lenin und Trotzki, Mao und Deng, Ho und Kim, Ceaucescu und Nadschibullah, Mengistu und PolPot, beinahe bis zum peruanischen Indio-Erlöser Abimael Guzman: Die Galerie der Erlauchten markiert einen endlos blutigen leuchtenden Pfad.”
Das Aufstellen derlei Entwicklungsketten entpuppt sich bei näherem Hinsehen nicht nur als unwissenschaftlich, sondern ist geradezu eine Verhöhnung der Opfer des Stalinismus. Der Stalinismus war nicht die Weiterentwicklung der Revolution, sondern der Beginn ihrer Vernichtung. Die Etablierung der stalinistischen Diktatur war eine antikommunistische Konterrevolution, ein regelrechter Bürgerkrieg gegen die kommunistische Bewegung Rußlands und international. Sie erforderte die Auslöschung einer ganzen Generation von kommunistischen RevolutionärInnen.
Trotzdem versteift sich der Spiegel darauf, daß “eine der wichtigsten und am ausführlichsten begründeten Botschaften des französischen Schwarzbuches (...) aber gerade die ist, daß der Stalinismus alles andere als eine Abweichung war.”

Was war Stalinismus - logische Folge oder Bruch?

Diese Fragestellungen - war der Stalinismus eine logische Folge, eine Abweichung oder ein Bruch mit der kommunistischen Idee - ist auch die politisch interessanteste und brisanteste. In der öffentlichen Diskussion über das Buch werden dabei auf Seiten der UnterstützerInnen und auf Seite so mancher KritikerInnen einige falsche Argumentationen verwendet.  
Die untere Ebene des Niveaus erreicht, wie nicht anders zu erwarten, in Österreich die reaktionäre “Presse” mit ihren Veröffentlichungen. Felix Butschekam schreibt am 2.1.98.: “Offenbar ist für den Intellektuellen das Etikett, unter dem gemordet wird, entscheidend. Das kannte man schon von den Verbrechen (?!) der 68er Szene her, über die klammheimliche Freude herrschte.”
Im Kommentar vom 29.11.97 heißt es pointiert: “Dem Ariernachweis der Nazis entspricht der Kaderzettel der Kommunisten, der über die ‘Klassenherkunft’ informiert. Die Vernichtung des ‘Klassenfeindes’ stand immer im Zentrum des Kommunismus, nicht erst seit Stalin, nicht erst seit Lenin, sondern seit Marx und Engels.” Die (nichtexistenten) Zitate, mit denen Marx oder Engels die Abschaffung von Klassen mit physischer Liquidierung von Menschen gleichsetzen, liefert aber seltsamerweise keiner von der Kommentatoren.

Warum dieses Buch?

Den Sinn und Zweck des Buches für aktuelle Diskussionen zeigt sich im Artikel von Reinhold Smonig in der Presse vom 28.11.98. Dieser schreibt über die “kriminelle Ideologie des kommunistischen Totalitarismus”, und unter einem Bild eines Massengrabes der Roten Khmer findet sich die Zwischenüberschrift: “Jospin lobt die KP”. Das einzige, was noch fehlt, ist die Aufforderung, Organisationen und Personen, die sich - wie auch immer - positiv auf sozialistische Klassiker beziehen, vor Gericht (oder an die Wand?) zu stellen.
Auch der zum Standard gewechselte Ex-Kurier-Mann Hans Rauscher stellt fest, daß Nationalsozialismus und Kommunismus beides “Heils- oder vielmehr Wahnideen” sind, “die zwangsläufig zum Verbrechen führen müssen.” (28.11.1997) Dieser  sieht zwischen den beiden nur einen großen Unterschied: Es ist nicht der von den Nazis betriebene industrielle Massenmord, sondern die Tatsache, daß “die Eroberung, Versklavung und Ausrottung anderer Gesellschaften “ integraler Bestandteil Hitlers Weltanschauung war, während sich Stalin und Mao im Wesentlichen auf die Versklavung des eigenen Volks konzentrierten. Besser als mit dieser These hätte die Lächerlichkeit von Aufrechnungen und die Unmöglichkeit, zwei nicht vergleichbare Systeme miteinander zu vergleichen, wohl nicht ausgedrückt werden können. Im Gegensatz zu Herrn Rauscher nehmen wir die Tatsache der systematischen und industriellen Vernichtung von Menschen und Völkern durch die Nazis in seiner historischen Einmaligkeit genauso zur Kenntnis, wie jene des Gulags.

Linke Kritik am Schwarzbuch

Erwartungsgemäß leiteten die Thesen des Herrn Courtois auch in der Linken eine Diskussion ein. In den diversen Veröffentlichungen werden zwar einige Schwachpunkte des Schwarzbuches bloßgelegt, die alternativen Analysen gehen aber auch meist am Kern der Sache vorbei.
Den oben genannten Schwachpunkt der Autoren bezeichnet auch KPÖ-Vorsitzender Walter Baier, wenn er schreibt: “Courtois und Liessmann, die beide den Kommunismus als Jahrhundertverbrechen neben den Nazismus stellen, kennen ausschließlich die Täter. Die andere Seite, die der kommunistischen Opfer des Stalinismus, paßt nicht in dieses Bild und existiert für sie auch nicht. Sollten ausgerechnet diese, von denen viele an ihrer Überzeugung festgehalten hatten, mit weniger Recht als KommunistInnen gelten als ihre Peiniger und Verfolger?” (Standard, 15.12.1997)
Roger Martelli, Mitglied des Nationalen Komitees der KPF, hält dem Schwarzbuch folgendes entgegen:  
- der Terror ist kein logischer Bestandteil des Kommunismus, wohl aber des Hitlerismus.
Dann behauptet er: “Die kommunistischen Regimes brachen letztendlich von innen her zusammen, weil ihre Taten nicht ihren Werten entsprachen.”  

Diese Thesen sind symptomatisch für die Ideologen aus dem KP-Lager.

Sie unterscheiden weder grundsätzlich zwischen Stalin und seinen von ihm ermordeten GenossInnen, noch zwischen Stalinismus und Kommunismus. So wie Stalin einer von vielen Kommunisten war, so ist für sie der Stalinismus eine (schreckliche) Spielart des Kommunismus - und nicht eine Antithese zu ihm.
Sowohl bei den Ausführungen Baiers als auch seines französischen Genossen Martellis bleibt bezeichnenderweise Trotzki des öfteren unerwähnt, wenn es darum geht, die Stalinopfer und -kritiker aufzulisten. So schreibt Martelli: “Kamenew, Sinowjew, Lenin kurz vor seinem Tod, Bucharin erkannten später voller Entsetzen, was für ein Ungeheuer die leidenschaftlich erhoffte Weltrevolution, die letztendlich fehlgeschlagen war, gebären konnte.” (Volksstimme, 4.12.1997)
Baier: “Es gab sowohl Stalin wie Rosa Luxemburg, Gramsci, Dubcek, Fischer oder Berlinguer.” (Standard, 6.12.1997)  
Martelli geht in seinen Formulierungen sogar so weit, zu schreiben: “Stalin war eine herausragende Persönlichkeit dieses Jahrhunderts, und kein Kommunist kann ihn unbeachtet lassen. (?!) Aber die Tatsache, daß er eine herausragende Persönlichkeit war, bedeutet nicht, daß er die Wahrheit des Kommunismus war.” Wer den Stalinismus nur als mögliche Spielart oder Abweichung vom Kommunismus und nicht als diesem entgegengestellt sieht, endet schließlich bei seltsamen Interpretationen wie Martelli.
Natürlich ist der Terror im Nazismus durch den Rassenwahn ideologisch und praktisch ein integraler Bestandteil, nicht aber im Marxismus und Kommunismus.
Diese Behauptung kann man aber auf den Stalinismus nicht ausdehnen. Und weil die klare Trennlinie zwischen Stalinismus und Kommunismus nicht gezogen wird, gerät die an sich richtige Darstellung von Martelli zu einer Relativierung des Stalinismus. Denn Terror ist sehr wohl ein integraler Bestandteil stalinistischer Regimes.

Völliges Unverständnis

Die Feststellung, der Zusammenbruch des Stalinismus sei dem Unterschied zwischen Werten und Taten zuzuschreiben, zeigt das Unverständnis für die realen Gegebenheiten noch deutlicher.
Hier ist auch der gemeinsame Schwachpunkt der AnhängerInnen und mancher KritikerInnen des Buches. Geht es den einen darum, nachzuweisen, daß der stalinistische Terror aus der kommunistischen Ideologie resultiert, wollen die anderen nachweisen, daß der Terror in Widerspruch zu dieser steht. Das ist zwar richtig, aber nur eine halbe Erkenntnis. Warum wurde er dann aber durchgeführt, aus “Fehlern”, “Abweichungen”, “tragischen Irrtümern”?
Den stalinistischen Terror ideologisch erklären zu wollen, ist Unfug. Der Stalinismus orientierte seine Praxis an keiner Theorie oder Ideologie, sondern lieferte immer nachträglich ideologische Rechtfertigungen seiner Praxis.
Der Stalinismus stellt die Herrschaft einer bürokratischen Kaste mit sozialen Eigeninteressen dar. Die Partei- und Staatsbürokraten hatten enorme materielle Privilegien und ordneten das Schicksal der Sowjetunion und der Kommunistischen Parteien im Ausland ihren Bedürfnissen unter, die sie nur mit einer Diktatur etablieren und erhalten konnten. Deshalb stellt der Stalinismus keine Spielart des Kommunismus, sondern das Ergebnis eines Bruches mit kommunistischen Zielen dar. Die stalinistische Menschenschlächterei fand nicht wegen der kommunistischen Idee statt, sondern muß machtpolitisch erklärt werden.
Nur wenn sich die Linke eindeutig vom Stalinismus abwendet und diesen als in Widerspruch zum Marxismus und zu kommunistischen Idealen stehend begreift, kann sie glaubhaft der bürgerlichen Attacke gegen die sozialen Errungenschaften, die es in der Sowjetunion gab und gegen sozialistische Ideen insgesamt entgegentreten.

Forderungen wie Le Pen

“Wann kommt endlich das Nürnberger Tribunal des Kommunismus?”, fragen die Autoren des Schwarzbuchs. Dies ist eine alte Le Pen Forderung, der nun damit wieder in die Offensive geht. Courtois beklagt auch, daß die “Trauerarbeit bezogen auf die Idee der Revolution noch lange nicht vollendet ist” und klagt an, daß “offen revolutionäre Gruppen aktiv sind und sich ganz legal äußern können.” Die Verbrechen des Stalinismus werden jetzt also herangezogen, um gegen politische Opposition, die eine Systemänderung propagiert, moralisch und letztlich rechtlich vorgehen zu können. Mit diesem ideologischen Beiwerk dient das Buch keiner Aufarbeitung der Geschichte, sondern stellt eine offene Kampfansage der politischen Rechten dar.

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