Stellungnahme nach Aktionen vor privaten Wohnadressen von SLP - Mitgliedern

In der Nacht von Montag auf Dienstag hat COACC Zettel mit Botschaften, Vorwürfen und Forderungen nicht nur vor der Parteizentrale, sowie dem Wohnhaus des Beschuldigten, sondern auch dem Wohnhaus von Einzelmitgliedern der SLP angebracht. Hintergrund sind vorangegangene Vorwürfe von Sexismus gegen ein mittlerweile ehemaliges Mitglied. Wir haben in unseren Stellungnahmen unser Vorgehen in der Untersuchung des Falles skizziert, die getroffenen Sanktionen und Maßnahmen erklärt und mehrmals betont, dass wir die Wut des Opfers verstehen und auch den Wunsch, sich öffentlich zu äußern. Wir haben auch mehrmals betont, dass wir offen dafür sind, uns mit der betroffenen Person und COACC zu treffen und über einzelne Maßnahmen gegen den Beschuldigten zu diskutieren. Diese Angebote wurden alle nicht wahrgenommen.

Sexismus innerhalb von linken Organisationen ist ein Problem dessen wir uns bewusst sind, und wir befinden uns aktuell auch in einer Diskussion innerhalb unserer Organisation bezüglich des Umgangs mit solchen Vorfällen. Uns ist bewusst, dass es eine gezielte Anstrengung braucht, um Sexismus innerhalb der eigenen Reihen effektiv zu bekämpfen. Gerade weil die bürgerliche Gesellschaft Frauen, die Sexismus und Übergriffe offen ansprechen stigmatisiert, braucht es innerhalb der Linken einen bewussten Umgang damit. Wir maßen uns nicht an, unseren Umgang als perfekt zu bezeichnen und haben uns immer offen für Diskussionen und Kritik gezeigt.

Aber trotzdem finden wir, dass eine Grenze überschritten wird, wenn Aktivist*innen, die selbst Opfer von rassistischer und sexistischer Diskriminierung werden bzw. als offene Sozialist*innen und Antifaschist*innen potentiell in einer gewissen öffentlichen Gefahr stehen, durch Aktionen an ihren Wohnadressen gegenüber der Öffentlichkeit und damit potenziell auch gegenüber Nazis, dem bürgerlichen Staat, aber auch feindseligen Nachbar*innen oder Vermieter*innen geoutet werden. In einer Gegend, in der immer wieder Nazipickerl aufgetaucht sind, ist ein solches Outing fahrlässig. So eine potentielle Gefährdung, aber auch damit einhergehende psychische Belastungen für die geouteten Aktivist*innen haben für uns keinen Platz in einer feministischen Linken und stehen in keinem Verhältnis dazu, wie wir als Organisation mit dem Fall umgegangen sind. Wenn mit Linken mit denselben Methoden umgegangen wird wie mit Rechtsextremen, ist das für uns mindestens kontraproduktiv. Wir wollen alle Beteiligten fragen: Wie kommen wir über solche Aktionen einer Lösung näher? Potentiell gefährdende und einschüchternde Aktionen gegen Linke und Femist*innen sind keine Methoden, die dem Kampf gegen Frauenunterdrückung helfen. Solche Methoden können unnötigen Stress und Angst auslösen, gerade auch bei weiblichen und migrantischen Mitgliedern.
Wir nehmen zur Kenntnis, dass COACC offenbar kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit uns zu den involvierten Themen hat. Für uns ist hier auch der Punkt erreicht an dem wir keine weitere Online-Kommunikation mit COACC mehr aufnehmen werden. Wir wollen aber auf diesem Wege trotzdem unser Angebot für Gespräche mit der Betroffenen, von ihr gewählten Vertrauenspersonen und einer unabhängigen Moderation nochmal erneuern.

Für weitere Informationen verweisen wir auf unsere bisherigen Stellungnahmen:
https://www.slp.at/…/stellungnahme-zu-den-vorw%C3%BCrfen-im…

https://www.slp.at/…/stellungnahme-zum-umgang-mit-sexismus-…

 

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