Rote Seitenblicke: Die Aristokratie in den USA

Alexander Svoitko

Donald Trump, der angebliche Selfmade-Milliardär, der keine Steuern zahlt, präsentiert sich der deklassierten, weißen Unter- sowie Mittelschicht als Vertreter ihrer Interessen. Er prangert das „Establishment“ – zu dem er selbst freilich auch zählt - an. Damit trifft der Rüpel mit der originellen Frisur einen wunden Punkt der herrschenden US-Eliten. Denn egal, ob Republikaner oder Demokraten, es sind seit Jahrzehnten die gleichen Polit-Dynastien, die die US-Demokratie als exklusives Klub-Event veranstalten.

Die verschiedenen Familien stehen für verschiedene Fraktionen innerhalb der Kapitalistenklasse. So beruht das Vermögen der Familie Bush v.a. auf texanischem Erdöl, doch bedienten die Bushs als Präsidenten, Gouverneure und Senatoren der Republikanischen Partei auch die Rüstungsindustrie großzügig – notfalls mit einem mutwillig vom Zaun gebrochenen Krieg, wie George W. in Afghanistan und im Irak. Demgegenüber scheinen sich die Demokraten eher auf der Wall Street wohl zu fühlen: Noch bevor er in den Alkoholschmuggel einstieg, war Dynastie-Begründer Joseph P. Kennedy 1914 mit nur 26 Jahren der jüngste Bankdirektor der USA, um schließlich groß ins Aktien- und Immobiliengeschäft einzusteigen. Mit Hillary und Bill Clinton schließt sich der Kreis zum Finanzkapital wieder; zu den größten Geldgebern der Clinton-Stiftung zählt – neben anderer Wall Street-Prominenz – das einflussreiche Bankhaus Goldmann Sachs.

Egal, wer letztlich das Rennen macht: das US-Kapital hat weder von Trump, noch von Clinton Veränderungen seiner Wirkungsweise zu befürchten.

 

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