Rote Seitenblicke

Alex Swoidl

„Die Jagd ist in Verruf geraten“ schrieb zuletzt „Die Presse“. Jetzt ist es so weit: Die „foinen“ Jagdgesellschaften etwa eines Alfons Mensdorff-Pouilly liegen unter Beschuss. Warum denn dieses? „Seine Jagden sind vom Feinsten“, weiß „profil“. Und „profil“ muss es wissen: Dessen mächtigster Eigentümervertreter Christian Konrad – seines Zeichens Raiffeisengeneral – ist selbst passionierter Jäger.

Den Damen und Herren, die an einer solchen „Gesellschaftsjagd“ teilnehmen, geht es freilich eh nur um das „Erlebnis der Natur“. So streifen etwa die landauf landab bekannten BergfexInnen dieses Schlages durch die Wälder: Ex-Vizekanzler Josef Pröll, der Boss der Industriellenvereinigung Veit Sorger, Casinos Austria-Chef Karl Stoss und ÖIAG-Chef Markus Beyrer; daneben die Industriellen Thomas Prinzhorn, Siegfried Wolf, Hanno Soravia, Alexander Quester, Helmut Niedermeyer und Gerhard Randa. Ingrid Flick, die sich ein Milliardenvermögen erwitwet hat, darf da nicht fehlen. Ebenfalls unter den pulverdampfenden Naturfreunden im Lodenrock: Maria Fekter, Finanzministerin der Republik – aber die lässt sich wenigstens nicht „von Rehlein-Augen beeindrucken“.

Dass es sich bei der fröhlichen Jägerei um nichts als ein „harmloses Hobby“ abseits der schnöden Geschäftswelt handelt, erklärt auch, warum Konzerne wie Siemens, die Bank Austria, Raiffeisen oder Thyssen-Krupp „Firmenjagdreviere“ hatten oder haben; deren ManagerInnen haben schließlich auch eine wenig Zerstreuung verdient.

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