Musik statt Kommerz!

Straßenmusik belebt und schafft Musik abseits vom Kommerz. Das ist in Wien nicht erwünscht.
Laura Rafetseder, Musikerin

Straßenmusik ist ein wichtiger Weg für junge MusikerInnen, um vor Publikum Praxis zu sammeln. Ich selbst habe meine ersten musikalischen Schritte vor Publikum vor mehr als 15 Jahren auf der Straße gemacht – bevor ich in Lokalen aufgetreten bin. 2012 führte die rotgrüne Koalition in Wien eine Platzkartenverordnung ein, nach der man nur noch an bestimmten Plätzen spielen darf. Für die Platzkarten muss man sich anmelden und teilweise auch zahlen. Das ist eine große bürokratische Hürde. Man muss sich lange vorher anmelden und dann hoffen, dass einem ein guter Platz zugeteilt wird. Der Raum für Kreativität und Kunst wird immer enger und immer kommerzialisierter. MusikerInnen müssen bereits in manchen Lokalen fürs Auftreten bezahlen und nun auch noch auf der Straße.

 

Absurd auch die aktuelle Aktion "U-Bahnstars" der Wiener Linien, die für Unmut unter MusikerInnen gesorgt hat. Sie öffneten zwar die U-Bahn als Auftrittsort, aber mit Casting und de facto unbezahlt. Die Stadtregierung maßt sich an, dem Publikum vorweg die Entscheidung abzunehmen, was uns zu gefallen hat. Und holt sich so gratis ein Kulturprogramm in manche U-Bahnstationen. Entweder sie lassen alle dort spielen oder sie zahlen übliche Gagen, wenn es schon ein Casting gibt.

Wien präsentiert sich als Stadt der Musik. Die Regelungen sind aber ein Hindernis um das kreative Potential zu verwirklichen. Wir Kunstschaffende und –genießende müssen uns organisieren und mit lokalen und gewerkschaftlichen Initiativen vernetzen um eine Kampagne für freie Ausübung von Musik im öffentlichen Raum ohne bürokratische Beschränkungen aufzubauen. Eine Idee könnte sein, ein Play-In oder eine Gitarrendemo zu organisieren – es gibt viele kreative Möglichkeiten um gegen die Verordnung zu protestieren. Kontaktiert uns um einen Kampf zu organisieren! Schluss mit der Platzkartenverordnung! Für die freie Ausübung von Musik im öffentlichen Raum!

 

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der Wahnsinn des Kapitalismus

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Der Wahnsinn des Kapitalismus: immer wieder wird beklagt, es gäbe wegen der Sozialleistungen ja keinen "Anreiz" zu arbeiten. Jüngst äußerte sich auch Eliten-Kandidat Kurz diesbezüglich. Mal ganz...mehr