Jugendrevolte in Tunesien

Vorwärts sprach mit Cedric Gerome, Aktivist des CWI und aktiv in Tunesien über die jüngsten Proteste in Tunesien.

Vorwärts: Was ist der Hintergrund der Proteste?

Cedric: Trotz des Sturzes des Regimes von Ben Ali ist die soziale Situation von Jugendlichen katastrophal, oft sogar schlimmer als vorher. Am 17.1. beging Ridha Yahyaoui, ein Jugendlicher der jahrelang einen Job gesucht hat, aus Verzweiflung Selbstmord. Darauf folgten spontane Proteste von Jugendlichen. Kasserine ist eine der ärmsten Gegenden Tunesien, die Arbeitslosigkeit ist doppelt so hoch wie im Rest des Landes. Deswegen kommt es oft zu Selbstmorden, vor allem von Jugendlichen.

 

Das erinnert an die Ereignisse von 2010...

Genau. 2010 trat der Selbstmord eines jungen Mannes, Mohammed Bouazizi, die erste Revolution los. Schon damals war die Jugendarbeitslosigkeit ein brennendes Problem, und daran hat sich nichts geändert. Auch diesmal schickte die Regierung sofort die Armee, doch das fachte die Proteste nur an. Die Revolte breitete sich schnell in 18 von 26 Provinzen aus. Die Regierung schreckte zurück und feuerte den Provinzvorsteher, doch die Bewegung breitet sich unter der Parole "Jobs oder eine neue Revolution" aus.

 

Seit der ersten Revolution hat das CWI AktivistInnen in Tunesien. Was schlagen sie vor, um die Bewegung zum Erfolg zu bringen?

Das Wichtigste ist, dass die organisierte ArbeiterInnenbewegung den Kampf aufnimmt. Als ersten Schritt haben wir für einen regionalen Generalstreik in Kasserine argumentiert und diese Idee in Schulen und Fabriken verbreitet. Unser Statement wurde von Jugendlichen und GewerkschafterInnen aufgenommen und verbreitet. Auch die Jugendorganisation, deren Mitglied Ridha war, unterstützte unsere Erklärung. 70 MilliardärInnnen besitzen das 37-fache des gesamten Regierungsbudgets. Das Geld ist also da, doch es muss von den Jugendlichen und ArbeiterInnen erkämpft werden. Es braucht eine echte soziale Revolution.

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