Interview mit Christoph Stoik "Keine andere wahlwerbende Partei stellt sich so klar gegen den Kapitalismus"

ein Interview mit Chrsitoph Stoik, Aktivist bei „Aufbruch“ in der Bezirksgruppe Wien-Meidling/Liesing und wissenschaftlicher Mitarbeiter am FH Campus Wien - Soziale Arbeit.

 

SLP: Du unterstützt den SLP- Wahlkampf und hast auch gemeint Du wirst uns wählen.Warum eigentlich?

Christoph: Die SLP kämpft für eine grundlegend andere, gerechte, menschenwürdige Gesellschaft. Keine andere wahlwerbende Partei stellt sich so klar gegen den Kapitalismus. Aber die SLP überzeugt mich auch in ihrer Strategie. Sie hat sich bis zu letzt für ein breites linkes Wahl-Bündnis stark gemacht. Und sie nützt die Wahl, um sich mit Menschen auf der Straße auseinander zu setzen. Meine Stimme ist also auch eine Stimme für eine kämpferische Organisierung von Menschen und eine breitere linke Zusammenarbeit in der Zukunft.

SLP: Du betonst immer wieder, dass Dich die Bankenkrise 2008 und die Situation in Griechenland radikalisiert haben.Wie wichtig ist es gegen den Kapitalismus sein?

Christoph: Dieses System ist auf die Kapitalmaximierung von wenigen ausgerichtet. Wenn man_frau einmal verstanden hat, wie der Kapitalismus funktioniert - nämlich, dass das Kapital Räume und Möglichkeiten braucht, in denen es sich vermehren kann - wird auch klar, warum es ein Interesse gibt, zu privatisieren, den Staat zurück zu drängen und Arbeitnehmer*innen-Rechte zu schwächen. Wir Menschen, Schutzrechte und Sozialstaat behindern diese Kapitalvermehrung - wir stehen dem im Weg. Nur ein ganz klares Auftreten gegen diesen Kapitalismus kann das menschliche Leben schützen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir Menschen uns organisieren. In den letzten Jahren wurde übrigens auch sehr deutlich, dass der Kapitalismus nicht sozialdemokratisch gezähmt werden kann (Stichwort Bankenkrise). Er muss überwunden werden.

SLP: Du unterrichtest auf der Fachhochschule für Soziales, Wie sollen sich Menschen im Sozialbereich wehren?

Christoph: Der Kapitalismus trifft den Sozialbereich in mehrfacher Hinsicht. Einerseits nimmt die Armut zu und andererseits wird der Sozialstaat um bzw. zurückgebaut. Der Staat wird autoritärer, Soziale Arbeit mehr und mehr auch zu einem Exklusions- und Repressionsinstrument. Der fachliche Anspruch der gesellschaftlichen Integration wird immer mehr untergraben. Soziale Arbeit ist daher gefordert, einerseits darauf öffentlich aufmerksam zu machen, wenn sie mit dem Ausschluss und der Ausgrenzung von Menschen konfrontiert ist - dafür müssen wir neue Formen finden. Andererseits wird sie darum kämpfen müssen, dass sich die Arbeitsbedingungen angesichts des Sparkurses nicht weiter verschlechtern. Wenn sich Sozialarbeiter*innen da nicht organisieren, werden sie von weiteren Kürzungen betroffen sein.

SLP: Wie siehst Du die Situation von Aufbruch, und wie soll es nach den Wahlen weiter gehen?

Christoph: Ich glaube, dass es ein schwerer politischer Fehler war, nicht zur Wahl anzutreten. Aufbruch hätte die Wahlauseinandersetzung dazu nützen können, sich nach innen besser zu organisieren, nach außen sichtbarer zu werden und Menschen anzusprechen. Aber nach der Wahl wird die Situation uns zwingen, links wieder mehr zusammen zu stehen, weil wir damit rechnen müssen, dass eine rechtsorientierte Regierung - egal ob die SPÖ dabei beteiligt sein wird oder nicht), weitere Angriffe gegen den Sozialstaat, die Arbeitnehmer*innenrechte und ausgegrenzte Menschen vornehmen werden. Da könnte Aufbruch wieder sehr wichtig werden. Denn was Aufbruch im letzten Jahr geschafft hat, war eine politische und demokratischen Kultur zu entwickeln, die für die Linke integrativ sein könnte - auch wenn wir dazwischen viel Vertrauen und Kraft verloren haben. Jedenfalls werden wir nach der Wahl gefordert sein, uns noch stärker zu organisieren, um für eine bessere Gesellschaft zu kämpfen.

 

 

 

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