Den 8. März wieder zum FrauenKAMPF-Tag machen: Frauenrechte sind Gewerkschaftsthemen

Wir dokumentieren einen Antrag von Aktivist*innen der sozialistisch-feministischen Initiative ROSA zum GPA Bundesform 2021
Antragssteller*innen: - Sarah Moayeri, GPA-Mitglied, Ulrike Rathmanner, Betriebsratsmitglied bei Caritas Wien HiN, Irene Mötzl, Betriebsratsmitglied Wohnservice Wien

Das GPA-Bundesforum beschließt

  1. Eine Kampagne gegen Gewalt an Frauen und für gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die ein unabhängiges Leben ermöglichen.
  2. Die Kampagne besteht aus Information der GPA-Mitglieder und breiter Öffentlichkeitsarbeit, sowie Diskussion und Organisierung von (neuen) Gewerkschaftsmitgliedern zu den genannten Themen, und soll als Ziel eine breite Mobilisierung der Mitgliedschaft zu Aktionen am 8. März 2022 haben.
  3. Die Informationskampagne zu den Themen Sexismus, Gewalt an Frauen und Femizide, ungleiche Bezahlung, mangelnde Finanzierung im Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich soll im Anschluss an das GPA Bundesforum, unter Einbeziehung aller Strukturen aufbauend zum 8. März 2022 umgesetzt werden und soll deutlich machen: Frauenrechte gehen uns alle an!
  4. Für die Kampagne werden alle Strukturen (Interessensgemeinschaften, Frauen, Jugend, Wirtschaftsbereiche,...) und Medien der GPA genutzt sowie nach Möglichkeit auch jene des ÖGB. Weiters setzt die GPA im Rahmen des GPA Bildungsprogramms für Betriebsrät*innen entsprechende Angebote.
  5. Auf Betriebsrät*innenkonferenzen bzw. für alle Mitglieder offenen Regionalkonferenzen im zweiten Halbjahr 2021 sollen Diskussionen über (über)betriebliche Aktionen und die Möglichkeit eines Streiks am 8. März diskutiert werden. Einen besonderen Fokus sollten dabei frauendominierte Branchen haben.
  6. Organisierung und Beteiligung der Gewerkschaften an feministischen Protesten und das Hineintragen von sozialen und arbeitsrechtlichen Fragen.
  7. Für den 8. März 2021 Unterstützung von Betriebsrät*innen und Belegschaften bei der Organisation öffentlicher Betriebsversammlungen oder Streikmaßnahmen, Koordination der unterschiedlichen betrieblichen Aktionen und eine Streikfreigabe für alle Belegschaften, die Streiks organisieren.
  8. Organisierung eines gewerkschaftlichen Protests am 8. März 2022 in Form von öffentlichen Betriebsversammlung bzw. Streiks für Frauenrechte mit gemeinsamen Demonstrationen in allen Landeshauptstädten.

Begründung:
Frauen haben sich in der Gesellschaft und auch der Arbeiter*innenbewegung ihren Platz mühsam erkämpfen müssen. Dabei sind sie die Hälfte der Arbeiter*innenklasse und auch
rund 40% aller Beschäftigten. Frauen arbeiten nicht nur in den am schlechtesten bezahlten Jobs, sonder gerade auch in den wichtigsten, “systemrelevanten” Jobs, wie in den letzten Monaten besonders deutlich geworden ist. Dennoch ist die Einkommenssituation schlecht, von einer Schließung der Einkommensschere sind wir weit entfernt. Doch nicht nur betriebliche Themen sind relevante gewerkschaftliche Fragen: Frauen sind besonders von Arbeitslosigkeit betroffen. Sie müssen den allergrößten Teil jener Care-Arbeit
erledigen, der durch die jahrzehntelangen Einsparungen im Sozialstaat wieder vermehrt auf die Familien ausgelagert wurde. Frauen sind darüber hinaus von Sexismus und Gewalt
betroffen - am Arbeitsplatz, aber auch in der Familie. Die traurigen Rekorde an Femiziden sind hier nur die Spitze des Eisberges. Die schwierigen gesellschaftlichen Verhältnisse
(Vereinbarkeit mit Betreuungspflichten) und die teils schlechten Einkommenssituationen, erschweren ein unabhängiges Leben für Frauen. Aus diesem Grund sind Fragen von Sexismus, Benachteiligung von Frauen und Gewalt Gewerkschaftsthemen - “An injury to one is an injury to all” ist nicht umsonst ein altes gewerkschaftliches Prinzip. Hier geht es aber nicht nur um Solidarität, sondern auch um eine notwendige Grundlage für eine starke Gewerkschaftsbewegung. Kampffähige Gewerkschaften brauchen starke und selbstbewusste Mitglieder und eine Mitgliedschaft, die sich nicht spalten lässt sondern gemeinsam gegen Ungerechtigkeiten vorgeht, auch wenn diese - scheinbar - nur einen Teil der Mitgliedschaft direkt betrifft. Der 8. März kommt aus der Arbeiter*innenbewegung. Clara Zetkin, Rosa Luxemburg und Adelheid Popp ging es v.a. um die sozialen Rechte von Frauen. In den letzten Jahren sehen wir eine Welle von Protesten in Zusammenhang mit Frauenrechten - um das Recht auf Abtreibung, gegen Gewalt an Frauen, aber auch von Beschäftigten im Sozial- und Gesundheitsbereich. Viele Gewerkschaftsmitglieder sind schon jetzt ein wichtiger Teil dieser Proteste - am 8. März 2021 gab es auch erstmals öffentliche Betriebsversammlungen. Es ist Zeit, dass die gesamte Gewerkschaftsbewegung diese zentralen Themen der Arbeiter*innenbewegung aufgreift und eine treibende Kraft in den Bewegungen wird. Der 8.März 2022 wird stark geprägt sein von den Erfahrungen mit Corona und der Wirtschaftskrise. Es ist Aufgabe der Gewerkschaftsbewegung, diesen Kampftag zu einem zentralen Termin für die gesamte Arbeiter*innenbewegung zu machen. Denn Frauenrechte sind von zentraler Bedeutung für die gesamte Gewerkschaftsbewegung!

 

Schreib uns an sarah@slp.at oder auf unseren social media Kanälen, wenn du den Antrag unterstützen möchtest!