Clover: Enteignet die Profiteure!

Der Streik der Beschäftigten von Clover ist ein Vorbild für Beschäftige weltweit!
Lukas Kastner, www.socialist.org.za

Seit 22. November befinden sich die rund 5.000 Beschäftigten des südafrikanischen Milchprodukte-Herstellers Clover im Streik. Sie kämpfen dabei nicht nur um ihre Existenzen, sondern auch gegen die realen Auswirkungen von Imperialismus und der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Clover ist ein markantes Beispiel dafür, wie kapitalistische Konkurrenz das Leben von Arbeiter*innen in ärmeren Regionen zerstört. Das Unternehmen wurde 2019 an das Milco Consortium verkauft. An diesem hält die israelische Central Bottling Company (Coca Cola in Israel, CBC) die Mehrheit. Die CBC lässt vor allem in den palästinensischen Gebieten unter widrigen Bedingungen produzieren. Nun soll der südafrikanische Markt mit Lebensmitteln geflutet und mit Clover ein lokaler Konkurrent zerschlagen werden. Statt der versprochenen Arbeitsplätze kam es bereits zu massivem Jobabbau (2.000 Stellen). Dies geschah, obwohl die Einnahmen von 462,3 Millionen Dollar (2019) auf 673 (2020) gesteigert werden konnten. Diejenigen, die noch Arbeit haben, können sich meist das Leben nicht leisten. Leiharbeit und der Mangel an Sicherheitsvorkehrungen gehören zum Alltag. Nun sollen erneut rund 1.500 Jobs gestrichen werden.

Doch die Belegschaft gehört zu den kämpferischsten des Landes. Bereits 2020 konnten hunderte von ihnen unter Führung der Gewerkschaft General Industrial Worker Union of South Africa (GIWUSA), in der Aktivist*innen der Workers and Socialist Party (WASP – ISA in Südafrika) eine führende Rolle spielen, eine Festanstellung und Lohnerhöhungen erkämpfen. Dass den Beschäftigten klar war, dass sie diese Errungenschaften gegen das Management verteidigen müssen, zeigt sich auch an den jetzigen Forderungen. So wird nicht nur für eine Rücknahme der Kürzungen, sondern auch eine Lohnerhöhung von 10% und v.a. die Verstaatlichung des Konzerns unter demokratischer Kontrolle gefordert.

Der Arbeitskampf hat nationale Bedeutung. Eine Zerschlagung von Clover wäre auch für zahlreiche landwirtschaftliche Zulieferbetriebe – insbesondere Kleinbäuern*innen – eine Existenzbedrohung. Für die Nahrungsmittelversorgung würde sie weitere Unsicherheit und Abhängigkeit bedeuten. Die Bedeutung des Arbeitskampfes spiegelt sich auch in seiner Organisationsform wider. So kam es nicht nur im gesamten Land – von Kapstadt über Johannesburg bis Durban und andere Orte – zu Streikaktionen, sondern auch zum Solidaritätsstreik der Beschäftigten bei Ladismith Cheese, der die Clover Geschäftsführung davon abhielt, ihre Fabrik zur Produktion zu nutzen. Zudem wird die Kampagne von einer breiten öffentlichen Boykottaktion begleitet. Unterstützt wird der Streik von der South African Federation of Trade Unions (SAFTU) und ihren 21 Gewerkschaften mit ca. 800.000 Mitgliedern, sowie zivilgesellschaftlichen und politischen Organisationen. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Zusammenarbeit verschiedener Arbeiter*innenorganisationen und v.a. die Selbstorganisierung der Beschäftigten. So wurde von GIWUSA und der ebenfalls im Betrieb tätigen Food and Alied Workers Union (FAWU) ein gemeinsames Betriebsrät*innenkomitee gegründet. Zudem wurden auf lokaler und nationaler Ebene Unterstützungskomitees für den Streik gegründet. Auch auf internationaler Ebene fand die Solidaritätskampagne – eine der größten seit dem Ende der Apartheid – Unterstützung. So unterstützen die Palestine New Federation und die Palestinian Farmers Union den Streik und in Österreich, Brasilien, Belgien, England, Israel, Schweden, den USA und Kanada organisierten Mitglieder der ISA Protestaktionen. Die Macht der Arbeiter*innen zeigte sich bereits darin, dass das Management bereits von seinen Plänen, 800 Beschäftigte in Johannesburg zu entlassen, zurücktrat. Auch die korrupte und arbeiter*innenfeindliche ANC-Regierung wurde gezwungen, zu verhandeln. Dass dies fruchtlos war, zeigt jedoch, auf wessen Seite der ANC steht. Ebenso zeigt das Verhalten des Clover-Managements, dass auf Verhandlungen grundsätzlich kein Verlass ist. So wurde auch vor Gewalt und dem Einsatz von Gummimunition nicht zurückgeschreckt. Am 7. Februar wurden drei Arbeiter*innen in Clayville von Schlägertrupps schwer verletzt. In der Folge kam es – vor allem auf Betreiben der WASP – im Jänner laufend zu Massenaktionen, welche einen wichtigen Schritt bei der Ausweitung und Politisierung des Streiks darstellten. Dabei treten Aktivist*innen der WASP für eine Ausweitung des Streiks ein, die – wie WASP-Mitglied und GIWUSA-Präsident Mametlwe Sebei betonte – die einzige „Alternative zu Arbeitsplatzverlusten und massiven Fabrikschließungen in diesem Land" darstellt. Dies verbindet die WASP mit der Forderung nach Notwendigkeit einer sozialistischen Massenpartei, um den bereits verhassten ANC und seine Politik der Kürzungen und Entlassungen, sowie seine Hinterleute bei Clover & Co. wirklich zurückzuschlagen.

Das Beispiel Clover zeigt, wie die kapitalistische Profitlogik die Massen zum Wohle einer kleinen Elite ins Elend stürzt. Gleichzeitig zeigen Forderungen und Kampfbereitschaft der Arbeiter*innen, wie dieses Elend beendet werden kann. Ein Sieg der Beschäftigten und internationale Solidarität sind daher umso wichtiger.

 

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