"Auch wenn wir es nicht so genannt haben war es ja schon ein Streik."

Interview mit Claudia Maier (Name von der Redaktion geändert) Krankenschwester im Landeskrankenaus Salzburg

Wie ist die Stimmung in deiner Abteilung angesichts der Nulllohnrunde?

Sehr geteilt. Wir haben in meiner Abteilung viele die lange dabei sind, die sich nicht allzu betroffen fühlen, weil nicht mehr lange bis zur Pension haben. Aber die Jungend sind betroffen, und die sehen das auch. Die Einschnitte betreffen vor allem die Jungen.

Die betroffensten sind die jungen KollegInnen. Manche von denen engagieren sich sehr stark, andere weniger, meist deshalb, weil sie noch nicht abschätzen können, was das für sie heißt. Dann haben wir auch noch SchülerInnen, aber die sind noch zu weit weg von dem Ganzen.

Ich selber finde sie unfair. Warum soll unsere Arbeit nächstes Jahr weniger wert sein als heuer? Wir sind keine Großverdiener. Und zumindest eine Inflationsabgeltung steht jedem zu, und zwar in jedem Bereich. Man muss sich nur die Mietpreise anschauen oder die Lebensmittelpreise, wie die steigen. Das muss für uns nächstes Jahr genauso leistbar sein wie heuer auch. Bei der Pension wissen wir sowieso nicht wie es für uns ausschaut, ob es für uns jemals eine gibt. Wenn die jetzt schon so sparen, kann man sich ausrechnen wie das dann ist.

Wie wird das Angebot mit der Einmalzahlung durch die Landesregierung gesehen?

Das ist Augenauswischerei. Die ganze Summe klingt ja groß, aber für den Einzelnen ist das kein Wahnsinnsbetrag. Außerdem geht es um die langfristige Auswirkung. Wenn einmal eine Einmalzahlung ist, dann zahl ich langfristig drauf. Einer hat bei der Kundgebung [beim Sitz der Landesregierung am 03.12.; Anm.] gesagt: ich muss noch 20 Jahre arbeiten, wenn ich die Einmalzahlung statt der Lohnerhöhung bekomme wäre das dann eine Gesamtverlust von einem ganzen Jahresgehalt. Bei mir wäre es ein doppelt so hoher Verlust, ich Arbeit noch etwa 40 Jahre. Außerdem ist ja sicher, dass das nicht die letzten Einsparungen sein werden.

Die Demonstration/öffentliche Betriebsversammlung/ de-facto Streik am 03.12. war ja ein großer erster Schritt. Wie hast du die Aktion erlebt und wie sehen deine KollegInnen die Aktion?

Ich war überrascht, wie viele Leute da gekommen sind. Ganz viele aus unterschiedlichen Berufen; auch viele Ärzte. Auch viele Passanten sind mit dem Daumen hoch gestanden und haben gezeigt, dass sie unsere Aktion gut finden. Bei der Landesregierung, im Chiemseehof, hat auch ein Angestellter, der dort gearbeitet hat aus dem Fenster den Daumen hoch und seine Unterstützung gezeigt.

Dann hab ich auch andere Kommentare gehört und immer wieder gelesen, „die Beamten“ wollen mehr Geld und weniger arbeiten. Das ist der schlechte Ruf der Beamten. Es sind aber kaum mehr Beamte. Wenn die Zeitung schreibt, dass „die Beamten“ streiken, dann ist das wegen deren schlechten Rufs. Die sind aber eben nur ein kleiner Teil.

Ich habe wirklich gedacht, wir würden weniger sein. Ich bin gespannt wie das beim nächsten Mal wird, ob wir wieder so viele sein werden. Vielleicht denken sich manche Leute, das bringt nichts.

Ich selber denke, es bringt was. Auf jeden Fall machen wir das Ganze publik. Auch wenn es letztlich keine Gehaltserhöhung gibt, haben wir zumindest gezeigt, dass wir nicht einverstanden sind. Würden wir das einfach so hinnehmen, dann würden die [die Landesregierung; Anm.] das die nächsten Jahre wieder so machen, weil sie sich denken, die machen eh nichts.

Wie siehst du das Verhalten der Gewerkschaftsführung, die sich mit der Regierung auf die Nulllohnrunde "geeinigt" hat und die Proteste in keiner Form unterstützt?

Ich frage mich, was wir da für eine Gewerkschaft haben. Ich finde die vertreten uns und unsere Interessen nicht. Die vielen Leute haben am Montag gezeigt, dass sie das anders sehen als die Gewerkschaftsführung. Wenn alle der gleichen Meinung wären wie die Gewerkschaft, dann würde das Verhalten ja passen, aber das ist ja offensichtlich nicht so.

Wir bräuchten eine Gewerkschaft wie die Metaller. Die bekommen jedes Jahr mehr Lohn, weil sie sich echt dafür einsetzen. Die machen das richtig. Es ist traurig, dass das bei uns nicht ist, weil wir eigentlich eine so große Berufsgruppe wären. Die Metaller haben auch gute Druckmittel. Bei uns ist das streiken schwieriger, wegen ethischen Überlegungen. Wir können nicht einfach sagen, wir waschen die Patienten jetzt Wochen lang nicht mehr.

Wie denkst du kann doch noch eine anständige Lohnerhöhung herauskommen? Braucht es weitere Protestaktionen? Wenn ja, wäre nicht eigentlich ein Streik notwendig um ausreichend Druck auf die Landesregierung auszuüben?

Das was wir letztes Mal [03.12.; Anm.] gemacht haben, auch wenn wir es nicht so genannt haben war ja schon ein Streik. Man nennt das vielleicht anders, aber im Endeffekt war es ja das Gleiche. Mehr als sowas mit Notbetrieb, ist nicht wirklich möglich. Es haben leider auch einige Abteilungen nicht mitgemacht, weil ich glaube die Primare gesagt haben, dass sie trotzdem alle Operationen haben wollen.

Notwendig wären längere Aktionen. Aber ein paar Arbeiten müssen erledigt werden. Aber wenn alle mitmachen würden und dahinter stehen würden, dann wäre das schon möglich, aber nichtsdestotrotz sehr schwer. Ist aber auch leider nicht so. Wenn wirklich alle dafür gewesen wären, dann wären auch mehr auf der Straße gewesen. Offiziell war ja Notbetrieb mit mindestens zwei Personen pro Station, aber real haben wohl mehr gearbeitet. Manche haben leider kein Interesse gehabt, da habe ich eh schon gesagt, warum. Die haben dann die Notdienste gemacht. Bei unserer Station waren nur ganz wenige demonstrieren. Ich hab von einigen gehört, das war schon einmal so, so eine Bewegung, da haben wir schon was durchgesetzt aber es hat nicht all das gebracht was wir eigentlich erreichen wollten. Viele denken sich diesmal wird’s nicht anders sein.

Was denkst du, sollten die nächsten Schritte sein?

Notwendig wäre, dass alle mitgehen. Alle die es betrifft. Ich denke, wir müssten das auch mehr nach außen tragen, an die Leute die nicht direkt involviert sind. Jeder sollte das nach außen tragen um was es bei uns geht. Dann sagen auch alle, das ist unfair. Weil die Anerkennung unserer Berufsgruppe ist ja in der Gesellschaft sehr groß. Keiner würde sagen, wir gönnen euch keine Lohnerhöhung. Die ganze Gesellschaft sollte sagen, das ist nicht ok.

Man muss sich auch mit anderen Gruppen zusammentun. Alle Gruppen, die von Einsparungen betroffen sind sollten sich zusammentun. Umso mehr Leute, umso mehr Stimmen, umso eher wird man gehört.

Auf der Kundgebung am Montag, den 03.12. haben einige BetriebsrätInnen in ihren Reden in Richtung SPÖ und ÖVP gemeint: „Wahltag ist Zahltag!“ Wie siehst du das?

Davon wird sich niemand beeinflussen lassen. Manche sehen die Burgstaller ja was einige Fragen angeht als gar nicht so schlecht, hier aber halt überhaupt nicht. Und die Frage ist vor allem, was die Alternative sein soll. Weil keine von den großen Parteien sagt, dass das unfair ist, dass es für uns so wenig Geld gibt. Das ändert doch nichts. Außer es gäbe eine große linke Partei. Aber so eine Alternative sollte auch wirklich groß sein, so dass wenn ich sie wähle, dass sie auch was erreichen kann.

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