AUA: Das neue Gehaltsschema ist inakzeptabel für die Belegschaft

Interview mit Markus Rumler, Betriebsrat Bord bei der AUA

SLP: Beim jüngsten Konflikt bei der AUA geht es um ein neues Gehaltsschema, dass der Vorstand durchsetzen will. Kannst du die Eckpfeiler davon umreißen und auch, was es konkret für Auswirkungen für die KollegInnen hätte.

Markus Rumler: Die Idee des Vorstandes ist es, die Gehälter auf dem aktuellen Stand einzufrieren, bis zukünftige Gehaltsvorrückungen 10% des persönlichen Einkommens erreicht hat. Als Gegenleistung werden erfolgsabhängige Prämien angeboten, die zur Auszahlung gelangen, wenn das Unternehmen gut bilanziert. Ich denke, dass das für z.B. für eine Flugbegleiterin im ersten Jahr mit einem Einkommen von € 1.257.- Brutto pro Monat inkl. Wochenend-, Feiertags- und Nachtarbeit, völlig inakzeptabel ist.

SLP: Das neue Modell von Ötsch bedeutet also Unsicherheit oder sogar Einkommensverluste für die Beschäftigten - wie sieht im Gegenzug dazu die Einkommenssituation des Managements aus?

MR: Die Gehälter unserer Vorstände steigen von Jahr zu Jahr. Als Beispiel sei das Jahr 2006 angeführt, wo Thomas Kleibl (Finanzvorstand) €481.000.-, Josef Burger €440.000.-, der damalige Vorstandsvorsitzende Vagn Sörensen €871.000.- Jahresgehalt verdient haben. Zusätzlich wurde für 27 Führungskräfte ein Stock Option Plan ins Leben gerufen, aus dem bei Erfüllung einiger weniger Kriterien eine enormes zusätzliches Einkommen lukriert werden kann. Schätzungen sprechen hier von einigen hunderttausend Euro pro Jahr und Person. Für 2006 z.B. hat sich der Vorstand selbst eine üppige Auszahlung des variablen Gehaltsbestandteiles trotz der Verluste der AUA genehmigt.

SLP: In diesem Konflikt stehen die BetriebsrätInnen von Bord- und Bodenpersonal gemeinsam gegen das Management - das ist ein Fortschritt weil es hier ja in der Vergangenheit immer wieder Konflikte gab. Denkst du, dass aus diesem Konflikt eine geeintere und damit gestärktere Belegschaft und Vertretung herausgehen kann?

MR: Absolut. Wir haben die Vergangenheit hinter uns gelassen und erkannt, dass wir zum Wohl aller ArbeitnehmerInnen gemeinsam für unsere Rechte eintreten müssen.

SLP: Wie waren Stimmung und Beteiligung bei der jüngsten Betriebsversammlung? Sind die KollegInnen des Boden- und des Bordpersonals auch bereit zu streiken, wenn das notwendig ist?

MR: Die Stimmung war sehr gut. Es waren fast 1.200 KollegInnen anwesend, die sich einstimmig gegen die Änderung des Gehaltsschemas, das übrigens mit „Flex Pay“ betitelt ist, ausgesprochen haben. Weiters wurde klargestellt, dass Gewerkschaft und Betriebsrat auch weiterführende Maßnahmen ergreifen sollen, um das Gehaltsschema Neu zu verhindern.

Während sich der Vorstand in den Medien gerne so gesprächsbereit präsentiert herrscht von seiner Seite seit der Betriebsversammlung Funkstille.

SLP: Vom Bordbetriebsrat gab es ja in der Vergangenheit Kritik an der nicht immer optimalen Unterstützung durch die Gewerkschaft. Damals noch ÖGB-Vorsitzender Verzetnitsch hat sich ja z.B. als Vermittler zwischen Management und Beschäftigten verstanden und nicht als Vertreter der Beschäftigten. Was erwartet ihr euch nun von der Gewerkschaft? Und wie sind eure bisherigen Erfahrungen?

MR: Die Gewerkschaft hat uns versichert, alles notwendige mit uns gemeinsam zu unternehmen, um Verschlechterungen in Bezug auf Gehälter, aber auch Arbeitsbedingungen, nicht zuzulassen. Die bisherigen Erfahrungen mit der Gewerkschaft sind größtenteils als positiv zu bewerten und wir erwarten uns, dass nun den Worten auch Taten folgen.

SLP: Das AUA-Management ist ja nur eines unter vielen das versucht, Verschlechterungen für die Beschäftigten durchzudrücken. Massenentlassungen, Wechsel bei den Kollektivverträgen, "Flexibilisierung" zu Lasten der Beschäftigten... Der ÖGB war in der Vergangenheit nicht wirklich in der Lage, diese Entwicklung zu bremsen. Welche gewerkschaftliche Strategie wäre deiner Ansicht nach nötig, um hier erfolgreich Paroli zu bieten?

MR: Meiner Meinung nach hat sich die Gewerkschaft in den letzten Jahr zu wenig um ihr Kerngeschäft gekümmert, nämlich ihre Mitglieder bestmöglich zu vertreten. Daher meine Aufforderung: Zurück an den Start, aus Fehlern in der Vergangenheit lernen und kämpferischer als in der Vergangenheit das Beste für die vielen Mitglieder tun.

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