Air Force One (USA 1997, Harrison Ford, Gary Oldman, Glenn Close, Regie: W. Petersen

US-Propaganda
John Evers

Wir kennen die Bilder schon vom Golfkrieg: Hochspezialisierte Einheiten fallen mit wissenschaftlicher Präzission über ein „Objekt“ her. Diesmal wird der Diktator von Kasachstan, ein Ex-General der roten Armee, gefangen genommen. Emotionslos killen die „Special forces“ dabei einige dutzend Männer der Garde,  steigen in den Helikopter ein und schwirren wieder ab. Schnitt.
Der Präsident der Vereinigten Staaten - Harrison Ford im Film mit dem bezeichnenden Namen Marshall - erklärt bei einem Abendessen vor hunderten russischen PolitikerInnen und Militärs in Moskau, daß diese Handlungsweise ab nun auch die neue Weltordnung sein wird. „Niemals wieder“ werde Terrorismus von ihm und seinem Land geduldet. Die Russen sind nicht etwa bestürzt über diese Ankündigung, sondern finden Ford ganz prima. Schnitt. Das Flugzeug des Präsidenten: An Bord sind seine liebende Ehefrau, seine Tochter (die sich darüber aufregt, von allem Bösen in der Welt  immer ferngehalten zu werden - sie wird sich noch wundern), jede Menge Sicherheitspersonal und einige dubiose Russokasachen (man ahnt schon etwas). Natürlich wird das Flugzeug entführt, der Präsident tut so, als ob er fliehen würde, bleibt aber an Bord und nimmt - zunächst unerkannt - den Kampf auf.  Die Terroristen fordern die Freilassung des zu Beginn eingefangenen Generals  und drohen an, jede halbe Stunde eine Geisel zu erschießen - was sie auch tun, wenn auch nicht lange. Nachdem der Präsident fast alle Geiseln befreit hat,  wird er enttarnt und nach langem Hin und Her (am Kopf seiner Tochter sitzt eine Pistole) gezwungen, den kasachischen Sadam freizulassen. Daß die überaus kompromißlosen und brutalen Geiselnehmer  vorher die First Lady erschießen, um ihren Forderungen nachzuhelfen, war dem amerikanischen Publikum wohl nicht zuzumuten. Es kommt ein Höhepunkt: Der General wird aus der Zelle geholt - die Häftlinge beginnen in bester, „Großer Chor der roten Armee“ -Manier die Internationale zu singen. Die russische Internationale hat offensichtlich besonders viele Strophen, denn sie begleitet minutenlang das Filmgeschehen (unter anderem ist dabei lange ein rot(!)blinkendes rotes (!) Telefon zu sehen). Natürlich stirbt Genosse General trotzdem (im letzten Moment) und der Oberentführer wird mit einem „Get out of my plane“ vom Präsidenten höchstpersönlich aus dem Flugzeug geschmissen.
Terror lohnt sich eben nicht. Und wird vor allem jetzt und in Zukunft hart bestraft - das hat uns der Präsident schließlich versprochen.  

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