Abtreibung ist Frauenrecht

Claudia Sorger

In der Diskussion um die Abtreibungspille Mifegyne präsentierten die Erzkonservativen in Kirche, ÖVP, FPÖ und andere radikale Abtreibungsgegner ihre frauenverachtende Ideenwelt. Da war von „Hitlerideologie“ (Maria Rauch-Kallat), von „Henkern“ (Kurt Krenn), der „Todesstrafe“ (Karl Habsburg) und anderen verbrecherischen Vergleichen die Rede.
Das Extremste der frauenfeindlichen Einstellungen findet sich bei den radikalen selbsternannten „Lebensschützern“, die Frauen seit dem „Marsch für das Leben“ vor zwei Jahren beinahe tagtäglich  terrorisieren. Dazu gehören Organisationen wie „Pro-Life“, „Human Life International“ und „Jugend für das Leben“. Ihre Mittel sind blanker Terror: Von Plastikembryonen, blutigen Videos, Bildern von verstümmelten Embryonen (die nichts mit einer Abtreibung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zu tun haben) bis zu Vergleichen mit dem Holocaust. Als Folgen der Abtreibung werden neben lebenslänglichen psychischen und physischen Folgen für die Frauen („lebenslange Schuldgefühle“, „Selbstmordgedanken“,...) auch Auswirkungen auf die Wirtschaft („Vertrauensschwund gegenüber den Regierungen“) prophezeit.

„Lebensschützer“ als Mörder

Trotz dieser reaktionären Meldungen besteht große Einigkeit über die Fristenlösung, die vor 25 Jahren im Parlament gegen massiven Widerstand von ÖVP und FPÖ beschlossen wurde. Nur Kirche und „Lebensschützer“ sagen heute, daß sie in die Zeit zurück wollen, wo Frauen unter den Händen von Kurpfuschern und Engelmacherinnen starben, wo heimlich Adressen weitergereicht wurden und sogar noch in den 60ern bis zu 300 Frauen jährlich gerichtlich verurteilt wurden. In der aktuellen Diskussion geht jedoch unter, daß es Frauen, die sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entschieden haben, immer noch schwer gemacht wird. Das liegt einerseits an den Kosten, die von 6.000 öS bis zu 15.000 öS reichen und andererseits an der Situation in manchen Bundesländern. Zum Beispiel in Vorarlberg, wo es – wegen ÖVP und Kirche – keine einzige offizielle Adresse von ÄrztInnen gibt, die Abtreibungen durchführen.

Kampf den reaktionären Moralaposteln!

Aber auch der moralische Druck, der auf Frauen ausgeübt wird, ist nicht zu unterschätzen. Abtreibung ist nach wie vor ein Tabuthema und Frauen passiert es noch immer, daß sie  entrüstete Gesichter zu sehen bekommen, wenn sie „zugeben“, selbst abgetrieben zu haben. In der Diskussion um Mifegyne waren schon öfters Bedenken zu hören, daß es dann den Frauen zu leicht gemacht werden könnte. Die Frauen werden damit in Richtung Unmündigkeit gerückt. Sie sollen „zumindest“ durch eine schmerzhafte Prozedur bestraft werden. Und so fühlt man/frau sich in der Diskussion immer noch bemüßigt zu betonen, daß es sicher keiner Frau Spaß macht, einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen.  
So absurd diese Menschen, die einem Film der Monty Python entsprungen sein könnten, wirken – sie belästigen tagtäglich Frauen vor dem Ambulatorium am Fleischmarkt (Ambulatorium für Schwangerenhilfe und Sexualmedizin, wo Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden). Immerhin haben es die radikalen Abtreibungsgegner geschafft, daß wieder über die Fristenlösung diskutiert wird. Nicht nur die Hardcore-Kleriker wie Laun und Küng (die übrigens „Human Life Inernational“ aktiv unterstützen), sondern auch die sogenannten „gemäßigten“ Kirchenvertreter wie Schönborn wollen die Prozedur eines Schwangerschaftsabbruches erschweren, indem sie die verpflichtende Beratung erweitern wollen und die Trennung von abtreibendem und beratendem Arzt fordern. Und abseits der Kirche fordern jetzt auch manche Gynäkologen eine Verkürzung der Frist von 12 auf 8 Wochen. Diese noch kürzere Frist würde den Druck auf die Frauen weiter erhöhen – jegliche Verschärfung der Situation wäre ein Triumph der frauenfeindlichen Reaktionäre. Was jetzt gefordert werden muß, ist eine Verbesserung der bestehenden Möglichkeiten, um es den Frauen, die ungewollt schwanger sind und sich für eine Abtreibung entscheiden, in dieser schwierigen Situation so leicht wie möglich zu machen.

Gegenkundgebung der SOV

Am Freitag, den 22.1. marschierten sie wieder einmal durch die Stadt, die großteils älteren Männer und Frauen von „Human Life International“, bewaffnet mit Marienbildern und Plastikembryonen, um angeführt von Pfarrer Dietmar Fischer betend und singend gegen den „Abtreibungs-Holocaust“ zu wettern. In einer Lichterprozession zogen sie nach einer Messe in der Franziskanerkirche zur Abtreibungsklinik am Fleischmarkt, wo sie lautstark von einer Gegenkundgebung, an der auch die SOV maßgeblich beteiligt war, empfangen wurden. Mit Sprechchören wie „Abtreibung ist Frauenrecht – bei Pro-Life, da wird uns schlecht!“, „Abtreibung auf Krankenschein, das muß sein, das muß sein!“ und „Weg mit dem Terrorzentrum!“ u.s.w. schafften wir es zumindest, den Singsang der Knieenden empfindlich zu stören. Da bekanntlich Menschen, die lange Zeit auf den Knien das „Allerheiligste“ anbeten, beachtliche Ausdauer besitzen, wird dies nicht der letzte Auftritt bzw. das letzte Aufknien gewesen sein. Durch weitere Aktionen müssen wir sie daran hindern. Das Terrorzentrum („Lebenszentrum“) muß weg!

Die SOV fordert:

  • Kostenlose Abtreibung auf Krankenschein!
  • Abtreibungsmöglichkeit in jedem Krankenhaus – Abtreibungskliniken in jedem Bundesland!
  • Weg mit dem Terrorzentrum von „Pro Life“ in der Postgasse!
  • Kostenlose Abgabe von Verhütungsmitteln!
Erscheint in Zeitungsausgabe: 

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