Wie USA & Co. das Rad der Geschichte zurückdrehen

Falsche Antwort auf Fundamentalismus
Lisa Brahier

„Die Taliban werden sich wie die Saudis entwickeln“,  meinte 1997 ein führender US-Diplomat. „Mit Pipelines, Aramco, keinem Parlament und ganz viel Scharia-Gesetz. Damit können wir leben.“ Im Mittleren Osten haben westliche Regierungen, allen voran die USA, aus Macht- und wirtschaftlichen Interessen  reaktionäre Regimes zeitweise massiv gefördert.

1996 erhielten die Taliban 450 Millionen US-Dollar an Unterstützung. An der Macht schlossen sie Mädchenschulen und verstümmelten öffentlich Frauen. Fenster wurden schwarz angemalt, damit niemand die Frauen in ihren Wohnungen sehen könne. Obwohl die USA das Taliban-Regime nie diplomatisch anerkannten, kam es zwischen 1995 und dem 11. September 2001 zu zahlreichen Treffen von amerikanischen und afghanischen Spitzenpolitikern und Vertretern von Öl-Konzernen. Noch im Frühjahr 2000 gaben die USA 114 Millionen US-Dollar zur Unterstützung Afghanistans frei, die unter gemeinsamer Aufsicht der Taliban und der UNO verwendet wurden.
Die US-Unterstützung für die reaktionären Taliban wurzelte im Kampf gegen die Sowjetunion. Afghanistan wurde 1973 Republik und 1978 kam die Kommunistische Partei an die Macht. Der Invasion durch die Sowjetunion folgte ein von den USA vorangetriebener Bürgerkrieg. Das daraus resultierende schnelle Wachstum islamisch-fundamentalistischer Kräfte wurde durch die unterdrückerische Politik des westlichen Imperialismus verschlimmert und durch das Fiasko des Stalinismus und die korrupte Herrschaft miteinander rangelnder Kriegsherren weiter verschärft.
Ein wesentlicher Grund für die Entstehung des modernen islamischen Fundamentalismus  war das Scheitern der bürgerlich-nationalen Befreiungsbewegungen und das Fehlen bzw. die Zerschlagung einer starken antikapitalistischen Linken. So konnte der islamische Fundamentalismus das politische Vakuum füllen.
Auch im Irak und in Pakistan hat die US-Politik den Aufstieg religiös-fundamentlistischer Kräfte gestärkt. Die Zahl der durch die amerikanisch-britische Invasion und Besetzung getöteten ZivilistInnen im Irak beträgt weit über 1.000.000. Mehr als 1,8 Millionen flüchteten. Berichte irakischer NGOs bestätigen die Beteiligung amerikanischer und britischer Spitzen an Korruption und am Schmuggel von irakischem Öl durch illegale Häfen. Die Diktatur von Saddam Hussein war den USA egal, sie wollten nur den Zugriff zum Öl. Die irakischen Frauen hatten vor der Invasion mehr Rechte, als in jedem anderen Land der Region. Ihre Bildungsrate entsprach jener der Männer. Die Bürgerrechte und politischen Rechte der Frauen wurden durch das irakische Gesetz geschützt. Sie bekleideten Ministerposten, waren Ärztinnen, Ingenieurinnen, Parlamentsmitglieder, Rechtsanwältinnen und Armeeoffiziere. Nach 2003 wurden die irakischen Frauen die ersten Opfer der Besetzung. Die eindringenden Truppen nahmen Frauen gefangen, um ihre Söhne, Ehemänner und Brüder zur Kapitulation zu zwingen.
Die Menschen im Irak wurden nicht im Kampf gegen die Hussein-Diktatur unterstützt, sondern alle Strukturen weitgehend zerstört. An der Macht ist eine korrupte Elite, die gemeinsam mit den USA das Land ausbeutet. Mit Pipelines und Scharia-Gesetz. Ein US-Diplomat kann vielleicht damit leben, aber die afghanischen ZivilistInnen leiden weiter, denn nur der Kampf gegen Armut und Unterdrückung und für eine menschengerechte, sozialistische Gesellschaft kann FundamentalistInnen ein für alle Mal das Wasser abgraben.

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