Skandal: Wohnen wird zum Luxus

Seit 1994 haben sich die Mieten verdreifacht. Vor allem Junge sind betroffen.
Nora Brandes

Wohnkosten in Österreich explodieren. Mieten in Neubauten sind gesetzlich nicht begrenzt, die Gesetzeslage für Altbauten ist zahnlos: Zu einem Richtwertmietzins dürfen VemieterInnen Zuschläge in unbegrenzter Höhe verlangen (z.B. für Lage im Zentrum, im Grünen, Balkon,etc.). Seit dieser seit 1994 geltenden Regelung haben sich die Mieten mehr als verdreifacht.

Am privaten Wohnungsmarkt müssen hohe Maklerprovisionen bezahlt werden. Ablöse und Kaution kommen beim Abschluss eines Mietvertrags hinzu. Für Studierende, die aufgrund ihrer noch nicht abgeschlossenen Lebensplanung öfters Wohnung wechseln, sind diese hohen Anfangskosten besonders ungünstig. Durch das Überhandnehmen befristeter Verträge sind MieterInnen auch öfters zum Umzug gezwungen bzw. vom guten Willen der VermieterInnen abhängig.

Der Zugang zu Gemeindewohnungen ist restriktiv und willkürlich geregelt und mit langen Wartezeiten verbunden. In Wien werden seit den 1990ern keine Gemeindewohnungen mehr gebaut. Stattdessen wird der Bau privater Genossenschaftswohnungen gefördert. Diese ersetzen Gemeindewohnungen aber nicht, denn hier müssen die MieterInnen beim Einzug hohe Anteilssummen zahlen. Da noch von sozialem Wohnbau zu reden, ist ein Hohn.

Situation der Studierenden

Viele Studierende leben unter der Armutsgrenze. 20% müssen mit einem Monatsbudget von max. 600 Euro auskommen. Auf die (viel zu niedrige) Mindestsicherung haben Studierende keinen Anspruch, Stipendien sind zu niedrig, werden willkürlich und restriktiv vergeben. 2/3 müssen neben dem Studium arbeiten. Viele brauchen Geld von den Eltern. Die Kürzung der Familienbeihilfe verschärft die Situation. 20% der Studierenden leben noch bei den Eltern, weil sie sich keine Wohnung leisten können. Denn: Wohnkosten fressen ca. 1/3 des studentischen Geldbörsels!

Studierendenwohnheime sind die günstigste Wohnmöglichkeit. Jede/r 10. Studierende wohnt in einem Heim. Gerade Studierende mit wenig Geld brauchen Heimplätze. Nun wird die Situation noch prekärer werden: Durch geplante Kürzungen bei Förderungen für Studierendenwohnheime werden voraussichtlich ab 2014 keine neuen Heime gebaut und die Mieten für bereits bestehende Heime um bis zu 100 Euro steigen. Im rot-grünen Wien steht mit dem stadteigenen Haus Döbling das günstigste Heim mit 850 Plätzen vor dem Abriss. Das sind 5% aller Plätze in Wien! Diese sollen durch Genossenschaftswohnungen ersetzt werden, mit denen – im Gegensatz zu Studierendenwohnheimen – Profit gemacht werden darf.

Für Wohnraum nach den Bedürfnissen der MieterInnen!

Wohnen ist ein Grundbedürfnis und ein Menschenrecht. Wir forden

  • klare Obergrenzen bei Mieten

  • Wohnkosten dürfen max. 10% des Einkommens ausmachen!

  • öffentliches Investitionsprogramm in den Wohnbau

  • Ausbau und Vergünstigung von Heimplätzen

  • Studierendeneinkommen von 1.300 Euro – denn auch Studieren ist Arbeit

  • Geld ist genug da, um das zu finanzieren. Holen wir es uns von denen, die es haben!

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