Only Fans: Fortschrittliche Pornographie?

Onlyfans ist ein leichter Einstieg in die Pornoindustrie und damit ein Wolf im Schafspelz.
Kajal Valad

Onlyfans – die Plattform gibt es seit 2016 und der Gründer Tim Stokley ist mittlerweile milliardenschwer. Zum Höhepunkt der Corona-Krise haben sich alle 24 Stunden 500.000 neue Nutzer*innen angemeldet. Onlyfans ist eine soziale Plattform, auf der alles Mögliche an Content zu finden ist. Vor allem aber nutzen User*innen die Plattform, um erotische und pornographische Inhalte hochzuladen oder zu konsumieren. Dabei versucht Onlyfans, sich gezielt von anderen Pornoplattformen abzugrenzen, indem sie den Nutzer*innen hohe Einnahmen und Selbstbestimmung über die geposteten Inhalte verspricht. So rosig sich die Plattform versucht zu verkaufen, ist die Realität dahinter oft eine bittere. Besonders in der Pandemie, wie in anderen kapitalistischen Wirtschaftskrisen, wo vor allem junge Frauen in wirtschaftliche Not geraten, können wir einen Boom der Sexindustrie und eine Verlagerung auf Online-Plattformen beobachten. Onlyfans wird von vielen Nutzer*innen durch den Mangel an Jobalternativen als ein Verdienst neben Schule oder Studium gesehen. Sich einen Account zu machen und einzusteigen ist verhältnismäßig leicht. Abgesehen davon, dass die realen Einnahmen von User*innen eher gering sind, sind User*innen oft enorm psychischem Druck durch die hohe Konkurrenz ausgesetzt. Das Problem dabei ist, dass Nutzer*innen sich logischerweise nach ihren Käufer*innen richten müssen und somit auch der Druck steigt, immer mehr und immer “extremeren” Content zu produzieren. Dabei versucht Onlyfans, User*innen durch eine Logik von „Was ist so schlimm daran, mit Pornographie dein Geld zu verdienen, in anderen Jobs verdienst du eh weniger!“ dazu zu bringen, wirtschaftliche und strukturelle Probleme von frauenspezifischer Ausbeutung einfach zu akzeptieren. 

Wenn wir die Sexindustrie ablehnen, geht es uns nicht darum, zu moralisieren oder Nutzer*innen zu verurteilen, sondern ein System anzuprangern, das die Betrachtung von Frauenkörpern und Sexualität als Ware normalisiert und davon profitiert. Oft wird argumentiert, dass Nutzer*innen sich freiwillig dazu entscheiden würden, auf der Plattform aktiv zu sein. Leider ist aber die Frage von Freiwilligkeit im Kapitalismus immer relativ, vor allem wenn es kaum andere, gute Jobalternativen gibt. Onlyfans reproduziert ein sexistisches Weltbild, in dem Frauen und LGBTQI+ Personen für Männer verfügbare Sexobjekte sein sollen und der Kauf ihrer Körper normalisiert wird. 
Als sozialistische Feminist*innen treten wir immer für die Interessen von Sexarbeiter*innen ein. Aber wir sehen den Kampf um soziale Verbesserungen als zentrales Mittel, damit sich niemand gezwungen sieht, auf Plattformen wie Onlyfans zu gehen und kämpfen dafür, dass die wahren Profiteure der Sexindustrie, die wie bei Onlyfans “sexuelle Offenheit” heucheln, aber in Wirklichkeit mit der Kommerzialisierung von Sexualität Profit machen, zur Rechenschaft gezogen werden.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Nachrichten aus dem Quarantäne-Kapitalismus

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