Olympische Winterspiele 2014

Olympische Winterspiele 2014 in Salzburg – Wer profitiert?
Jan

Nachdem sich die Stadt Salzburg vor drei Jahren schonerfolglos für die Winterspiele 2010 beworben hat, wagen Landes- undStadtregierung, Wirtschafts- und ArbeiterInnenkammer in trauter Einheit einenneuen Versuch.

Argumente der BefürworterInnen?

Die Salzburger SPÖ, die den Bürgermeister der Stadt Salzburg– Heinz Schaden – sowie seit letztem Jahr die Landeshauptfrau - Gabriele Burgstaller - stellt, sprach sichin den Wahlkämpfen von 2004 gegen eine Olympia-Bewerbung aus. Seit ihrenWahlsiegen in Stadt und Land machte sie allerdings eine 180 Grad Drehung durch. Heute ist die SPÖ-Salzburg gemeinsam mit ÖVP, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Tourismusverband federführend was die Bewerbung um Olympia betrifft. Sie argumentieren mit neuen Arbeitsplätzen, die durch olympische Spiele angeblichentstehen würden sowie der Steigerung des Bekanntheitsgrades Salzburgs als Wintersportland und dem damit verbundenen Aufschwung für den Tourismus. Die Realität sieht aber, wie nicht anders zu erwarten, vollkommen anders aus:

Die „versprochenen“ 1.800 neuen Arbeitsplätze wären nurkurzfristig, nämlich für den Zeitraum, in dem die Spiele stattfinden. Es wäre voraussichtlich gar kein, oder nur ein äußerst geringer Langzeiteffekt zuverzeichnen. Was den Aufschwung im Wintertourismus betrifft: Die Salzburger Wintersportgebiete zählen jetzt schon zu den bekanntesten und teuersten Wintersportgebieten der Welt. Jährlich kommen hunderttausende TouristInnen ausganz Europa, den USA und Japan um in Salzburg ihren Winterurlaub zu verbringen. Es ist nicht zu erwarten, dass sich diese Tendenz der letzten Jahrzehnte durch die Austragung olympischer Spiele massiv steigern würde (und wenn hätte dies weitere negative Auswirkungen auf die Umwelt). Es ist sogar ein Rückgang der Nächtigungszahlen zu befürchten. So musste Griechenland trotz, oder gerade wegen der Sommerspiele 2004 einen Buchungsrückgang für Sommerurlaube verzeichnen. Der Grund: ein massiver Preisanstieg vor allem bei Hotels und inder Gastronomie. Das selbe „Phänomen“ wird sich voraussichtlich auch in Salzburg bemerkbar machen. Schon jetzt kostet z.B. im Skiort Obertauern dieTageskarte für einen Erwachsenen (in der Nebensaison!) 32,50 €.

Wer hat Interessean der Austragung olympischer Spiele?

Die sozialdemokratisch geführte Stadt- und Landesregierung tritt hier wieder einmal für UnternehmerInneninteressen ein. Diese sind die einzigen, die von der Austragung olympischer Spiele tatsächlich profitieren würden – bezahlen müssten im Endeffekt die SteuerzahlerInnen (und dazugehören die Unternehmen immer weniger). Vor allem die Bau- und Tourismuswirtschaft ist sehr an der Austragung der Spiele in Salzburginteressiert. Es müssten z.B. ein neues Eisstadion in Hallein gebaut werden, das olympische Dorf, neue Hotels in der Näheder Austragungsorte, etc.

Mit der Unterstützungfür die olympischen Spiele stellt sich auch die SPÖ-dominierte Arbeiterkammereindeutig auf die Seite der GroßunternehmerInnen und gegen die ArbeiterInnen, die sie eigentlich vertreten sollte.

Bei der rechtlich nicht bindenden Volksbefragung von 3. bis 9. April, mit der Frage ob sich die Stadt Salzburg für die Austragung der olympischen Winterspiele 2014 bewerben solle, stimmten bei einer äußerst geringen Beteiligung von 21,79 % immerhin 60,53 % der Stadt- SalzburgerInnen gegen eine Bewerbung. Bei der Pressekonferenz nach dem Ende der Befragung verkündeten Landeshauptfrau Burgstaller und Bürgermeister Schaden, dass sie das Ergebnis zwar „ernst nehmen würden“, aber die „Tür zu Olympianicht zuschlagen“ würde. Die SalzburgerInnen seien einfach „zu schlecht informiert“.

Folgen von olympischen Spielen für Salzburg

Im Land Salzburg leben über 70.000 Menschen unter oder knapp über der Armutsgrenze. Arbeitslosigkeit und die teuren Mieten sind die wichtigsten Gründe dafür. Gerade einmal 490 Wohnungen wurden 2004 in der Stadt Salzburg gebaut. 1.000 neue Wohnungen pro Jahr lautete die von der Stadt festgelegte Planziffer. Die wurde allerdings nie erreicht - trauriger Tiefpunkt mit minus 510 Wohnungen im letzten Jahr.
Inzwischen suchen schon über 4.000 Familien und Einzelpersonen eine leistbare Bleibe. Der Baulandbedarf für Olympia 2014 wird für weitere massive Verteuerungen des knappen Gutes sorgen. Die ohnehin schon extrem hohen Mietpreise in Salzburg (rund ein Drittel über dem österreichischen Durchschnitt) würden voraussichtlich noch weiter steigen. Olympia - ein Freudenfest für GrundstücksspekulantInnen und VermieterInnen in Salzburg.

Allein die Bewerbung für die olympischen Winterspiele 2010 kostete die Stadt über sieben Millionen Euro (!), und dass, obwohl nicht Salzburg sondern Bern den Zuschlag erhielt. Gesetzt den Fall, dass Salzburg denZuschlag für die Austragung der Spiele 2014 bekäme, müsste die Stadt einen sogenannten „Host-City-Vertrag“ abschließen, mit dem man sich für eine uneingeschränkte (!) Haftung für die olympischen Spiele verpflichtet. Das heißt, dass bei der zu erwartenden Negativbilanz nach den Spielen, die Schuldenaus Steuergeldern beglichen werden müssten. Dies scheint für die verantwortlichen PolitikerInnen kein Problem zu sein, obwohl erst kürzlich die Finanzabteilung der Stadt für die kommenden drei Jahre einen Abgang von 40 Millionen Euro prognostizierte und deshalb von der Politik einen radikalen Sparkurs eingefordert hat.

Auch die Folgen für Umwelt und Natur wären verheerend. Weitere Wälder müssten abgeholzt werden, um neue Pisten anzulegen. In einer Studie des Schweizer Institut für Tourismuswirtschaft Luzern unter dem Titel: „Nachhaltigkeit/Umwelt“ heißt es über die olympischen Spiele 2010 in Bern: „Olympische Winterspiele verursachen hohe Umweltbelastungen, insbesondere im Verkehrsbereich. (z.B. Energieverbrauch, Luftverschmutzung, Verkehrsprobleme, Bodenverbrauch, Beeinträchtigung derLandschaft etc.). Die ökologischen Auswirkungen sind nicht nachhaltig. Maßnahmen zur Reduktion der Umweltbelastungen erfordern große Ausgaben.“

Nein zur Olympia Bewerbung

Der Nutzen für die ArbeitnehmerInnen und Jugendliche durch eine Abhaltung der olympischen Spiele in Salzburg ist im besten Fall fraglich. Profitieren würden v.a. die Bau- und Tourismusunternehmen, die GrundstücksbesitzerInnen und SpekulantInnen. Die Erfahrung mit Olympischen Spielen in anderen Ländern zeigt, dass es zu einer Umverteilung von unten nach oben kommt – die versprochenen Jobs sind bestenfalls vorübergehend, dafür steigen die Preise aber dauerhaft.

Mit dem Geld, das eine Bewerbung, deren Ausgang sowieso ungewiss ist, kosten würde, könnte Sinnvolleres gemacht werden:

  • Es könnten Jugendzentren errichtet und betrieben werden, in

    denen Jugendliche sich ihre Freizeit unabhängig davon ob sie reich sind oder

    nicht selbst gestalten können.

  • Es könnte ins Gesundheitswesen investiert werden – z.B.

    könnten die Schwangerschaftsabbrüche, die nun in Salzburg möglich sind

    kostenlos durchgeführt werden.

  • Es könnten überbetriebliche Lehrwerkstätten eingerichtet

    werden, um Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, eine gute Ausbildung zu

    bekommen.

  • Es könnten leistbare Wohnungen gebaut bzw. instandgesetzt

    werden.

Und, und, und.....

Die Liste der Dinge, die in Salzburg gebraucht werden ist lang. Und all das ist zweifellos wichtiger und für die SalzburgerInnen„gewinnbringender“, als eine Olympia-Bewerbung. Für diese Dinge sollten sich Arbeiterkammer und ÖGB einsetzen und dafür kämpfen. Anstatt den hohlen Versprechungen über Olympia auf den Leim zu gehen. 

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