Müllfreie Wirtschaft?

„Das Ziel ist Null: Kein Müll, Keine Emissionen, Kein ökologischer Fußabdruck“ (C2C, S.67)
Margarita Wolf

Michael Braungart und William McDonough haben 2002 mit dem „Cradle2Cradle-Prinzip“ (C2C) einen wichtigen Input in die Umweltbewegung geleistet. Die Idee: Alle Materialen, die in der Natur existieren oder vom Menschen erzeugt werden, dürfen nie als Müll enden. Wie das funktionieren soll? Das Modell geht von zwei Kreisläufen aus, dem biologischen und dem technischen, in denen alle Stoffe zirkulieren, nicht an Wert verlieren und immer wieder verwendet werden können, egal ob im Endverbrauch oder der Herstellung. Eine Idee ist auch, Produkte nicht mehr zu kaufen, sondern zu leasen, also nach Gebrauch wieder zurückzugeben bzw. umzutauschen.

Die Realität heute: Waren werden mit Sollbruchstellen produziert, eine Reparatur ist meist teurer als ein neues Produkt, das alte landet auf dem Müll und wird im besten Fall teilweise recycelt. Recyclen ist wichtig, aber nicht ausreichend, um die Müllberge zu minimieren. Im Kapitalismus wird auch mit Müll und Recycling Geld gemacht und das nicht zum Wohle der Menschheit. Da werden Müllmengen verkauft und um die halbe Welt transportiert (lt. ZDF exportierte 2018 Deutschland 4 Millionen Tonnen zustimmungspflichtige Abfälle, davon 17% nach Malaysien). Das bedeutet eine Verlagerung des Müllproblems und keine nachhaltige Entsorgung.

Die Idee: C2C geht darüber hinaus, bloß die bestmögliche Form des Recyclings zu sein. Es geht darum, schon vor der Produktion darüber nachzudenken, welche Materialien, Energie verwendet werden und wie diese in einem ständigen Kreislauf bleiben können. Sie sollen weder verunreinigt werden noch als Müll enden. Das Ziel heißt: „Zurück-zur-Natur“ aber nicht als Gegensatz zu Industrie und Fortschritt, sondern auf Basis hochentwickelter Technologie und Ausschöpfung aller Möglichkeiten.

Ist das Umsetzbar? Das wird nur in einer geplanten Wirtschaft, die sich an den Bedürfnissen von Planet und Menschen orientiert, möglich sein. Eine Wirtschaft mit tiefgreifenden demokratischen Strukturen, die solche Ideen nachhaltig umsetzen könnte. Die Gründer des C2C Prinzip sehen das anders. Sie versuchen, kapitalistische Firmen im hier und jetzt davon zu überzeugen, nach dem C2C Prinzip zu produzieren. Ihr Argument dabei ist oft, dass die Herstellung nachhaltig billiger werden würde, dass sich ein marktwirtschaftlicher Vorteil erzielen lässt. Doch die kapitalistische Wettbewerbswirtschaft basiert auf der Ausbeutung von Mensch und Natur. Was in Summe sinnvoll ist, scheitert am notwendigen und systemimanenten Konkurrenzprinzip. Und die Politik folgt den Notwendigkeiten des Profits, nicht des Planeten. Radikal-ökologische Konzepte wie C2C haben spannende Ansätze, die eine radikale Umwälzung der Gesellschaft und der Wirtschaft brauchen, um in die Tat umgesetzt zu werden. Es reicht nicht, das kapitalistische System, das der Umweltverschmutzung zu Grunde liegt, zu recyclen, wir müssen es auf den Müll werfen.

 

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