Kurz-gedachte Schulschließung

Corona: Schulen schließen oder offen halten? Das Schlechteste aus allen Welten!

Die Landes- und Bundesregierungen haben monatelang nichts getan, um Vorbereitungen für die 2. Welle zu treffen und weitere Lockdowns zu verhindern. Das zeigt sich bei den Schulen deutlich.

Das Recht auf Sonder-Betreuungsurlaub gibt es bestenfalls bei gutem Willen der Unternehmen. Das Ergebnis: In manchen Schulen und Kindergärten waren trotz Lockdowns bis zu 80% der Kinder anwesend, Eltern sind überfordert, Pädagog*innen haben Angst und aufgrund des lückenhaften 2. Lockdowns wird ein 3. Lockdown wahrscheinlicher. Eigentlich geht es nicht um die Frage Schulen offen oder nicht, sondern wie müssen die Bedingungen sein, damit Schulen künftig sicher und offen sein können? Das Interesse der Wirtschaft ist, über die Arbeitskräfte ohne lästige Betreuungspflichten zu verfügen. Eltern berichten über Druck aus der Schule, die Kinder nicht zu schicken, aber der Job verlangt dies. Pädagog*innen wiederum berichten über Druck, trotz Infektionsrisiko Normalbetrieb zu leisten. Ein “Teile und Herrsche” Szenario, wo gesellschaftliche Verantwortung auf Private abgewälzt wird.

Der Regierung war und ist das Kindeswohl egal, Schule war auch bisher voller Probleme. Für Maßnahmen zum Wohle aller hätte es eine Einbeziehung der wahren Expert*innen vor Ort gebraucht, der Lehrenden und Lernenden und zwar schon ab Frühjahr 2020. Es bräuchte v.a. mehr Personal und laufend kostenlose Test. Darüberhinaus Laptops für alle, kostenloses Internet und mehr Räume für kleinere betreute Lerngruppen. Durch Corona zeigt sich, wie marode das Bildungssystem bereits vorher war. Es reicht nicht, einen schlechten Zustand aufrecht zu erhalten, sondern es ist höchste Zeit, das Bildungssystem umzustellen: Schluss mit Druck, Durchfallen und Noten, für ein bedürfnis- und nicht profitorientiertes Bildungssystem. Das Geld für die notwendigen Veränderungen wäre da. IT-Konzerne machen Riesen-Profite und allein mit dem geplanten PR-Budget der Regierung (180 Millionen) könnte man 360.000 Laptops kaufen. Man muss sich das Geld nur holen.

Bildungsrevolution statt Mangelfortsetzung

  • Leerstehende Büro-/Hotelräume zu Klassen umfunktionieren, um ausreichend Räumlichkeiten für kleinere Gruppen zu ermöglichen. Rechtzeitig zur Verfügung stehende Unterrichtsmaterialien: Kopien, Bücher, aber auch Internet, Laptops und Computer. Es ist genug Geld da, um die notwendige Unterstützung für Schüler*innen zu garantieren. Öffnung der Schulen nach Bereitstellung von ausreichenden Massentests.
  • Für die volle Bezahlung der gesamten Arbeitszeit sowie sonstiger Ausgaben, die bei Lehrer*innen, Kindergartenpädagog*innen und Unterstützungspersonal während Corona und nachher anfallen. Anstellung nicht nur von mehr Lehrpersonal, sondern auch von Sekretariatskräften, Sozialarbeiter*innen, Psycholog*innen und technischem Support. Keine Privatisierung von Bildung, sondern freier Zugang für alle.
  • Dauerhafte Verkleinerung der Klassen und Gruppen, weg vom Frontalunterricht hin zu projektorientiertem Unterricht. Abschaffung der Prüfungsbulimie, weg mit Noten und Konkurrenzlernen. Ein Ende des deprimierenden Durchfallens! Entrümpelung der Lehrpläne und Aufstellung eines bedürfnisorientierten Bildungsplans durch die wahren Expert*innen, Lehrer*innen und Schüler*innen.
  • Für ein öffentlich voll ausfinanziertes Schul- und Bildungssystem, das sich an Bedürfnissen & Fähigkeiten von Schüler*innen und Gesellschaft, aber nicht von Unternehmen und dem Profittreiben orientiert. Ein solches ist notwendig - steht aber im Widerspruch zum Kapitalismus, in dem Menschen nur als Arbeitskräfte (und Konsument*innen) bewertet werden. Raum für die Entfaltung aller individuellen Talente.

 

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25.03.2020

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