Katholische Zwangsbeglückung

Karin Wotawa

Von 15.-18.Oktober fand die Aktion „72 Stunden ohne Kompromiss“, mit 5.000 Jugendlichen aus Österreich, statt. Es ist ein Projekt der Katholischen Jugend, Projektpartner ist die Caritas es wird als Medienpartner von Ö3 beworben. Manche Jugendliche meldeten sich über katholische Jugendorganisationen tatsächlich freiwillig. LehrerInnen oder Direktionen können aber auch ganze Schulklassen anmelden, damit war die Teilnahme dann eigentlich nicht mehr freiwillig.

Es soll eine Sozialaktion sein, die größte in Österreich. Soziales Engagement kommt im Schulalltag ohnehin zu kurz – eine gute Sache könnte man meinen.

Doch viele der Jugendlichen (v.a. in den Schulen) können sich weder Teilnahme noch Projekt aussuchen. Sie dürfen nicht selbst losgehen und Ideen entwickeln, sondern es wird ihnen vorgeschrieben – ausgesucht vom Projektleiter der jeweiligen katholischen Diözese. Zwangsbeglückung erzeugt aber selten Hilfsbereitschaft.

Unterstützt wird die Aktion unter anderem vom Rechtsaußen-Barden Xavier Naidoo und diversen katholischen Würdenträgern, gesponsert beispielsweise auch von der Industriellenvereinigung oder Raiffeisen. Die katholische Kirche kann also – noch zusätzlich zum Religionsunterricht – Jugendliche für ihre Zwecke einspannen und in ihrem Sinne bearbeiten. Denn jedeR GruppenleiterIn bekommt ein Impulsheft inklusive Gebet, mit dem Ziel, dieses „immer wieder gemeinsam zu beten“. Dann wundert es auch nicht mehr, dass neben Projekten wie eine Wasserleitung in einem Park verlegen oder in einem Pflegeheim ausmalen, auch höchst fragliche Projekte von den Jugendlichen „freiwillig“ gemacht werden müssen. Diese haben mit Gemeinnützigkeit wohl wenig zu tun, wie einen Pfarrhof gestalten oder für eine Katholische Beratungsstelle Werbung machen.

Jan war einer der Schüler, die sich durch die Art und Weise der Aktion zwangsbeglückt fühlten und für die das Ganze mit Gemeinnützigkeit wenig zu tun hatte: „Ich bin gerne hilfsbereit und gestalte meinen Lebensraum gerne mit. Aber: Wir sollten für die Seelsorge Flyer verteilen und zu Beginn der Aktion wurde gebetet, und es ist offenbar egal, ob Jugendliche ohne Bekenntnis da waren oder einen anderen Glauben hatten“.

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