Große Preise, große Profite

Die Formel 1 ist vor allem eines: eine Bereicherungsmaschine
Andreas Pittler

Es war einmal, so sagt das Märchen, eine Rennserie, in der sich die besten Autofahrer der Welt darum matchten, wer denn der Allerbeste von ihnen sei. Und so unglaublich das klingt, aber bis zu einem gewissen Grad stimmte das in der Frühzeit der Formel 1 sogar. Es gab Fahrer wie Jack Brabham oder Bruce McLaren, die sich in einer kleinen Garage ihre eigenen Autos bauten und dann mit zwei, drei Freunden, die ihnen als Mechaniker zur Seite standen, zu einer Rennstrecke düsten, um dort an einem "Großen Preis" teilzunehmen.

 

2016 freilich ist von diesem "Wettkampf der Enthusiasten" nichts mehr übrig. Die "Formel 1" ist vor allem eines: ein riesiges wirtschaftliches Unternehmen, bei dem völlig nebensächlich ist, wer am Ende einer Saison Weltmeister wird. Dieses Unternehmen bewegt Millionen von Dollars, die für Fernsehrechte, Sponsorenverträge, Ausrichtungsgesellschaften bis hinunter zu lukrativen Catering-Verträgen ausgegeben und daher von cleveren Geschäftemachern eingenommen werden.

 

Ausgerichtet wird die Weltmeisterschaft offiziell von der Internationalen Automobilföderation (FIA). Doch real hält eine ominöse Formula One Management (FOM) alle Fäden in der Hand. Diese Firma wurde einst von der hierzulande durch ihr Engagement bei der Hypo-Alpe-Adria bekannte BayernLB, dem Mitauslöser der aktuellen Finanzkrise Lehman Brothers und der JPMorgan Chase-Bank gegründet. Allein diese drei Namen genügen, um zu zeigen, was die Formel 1 real ist. Ein Spekulationsobjekt! Und ein äußerst lukratives noch dazu, wie sich daran ablesen lässt, dass es sich die FOM leisten konnte, ein Übernahmeangebot in Milliarden Euro-Höhe lächelnd abzulehnen.

 

Gegen die Profite der FOM sind die Gewinne der Rennställe vergleichsweise Peanuts. Kein Wunder also, dass sich kommerzielle Automarken wie BMW, Toyota oder Peugeot bald wieder aus der Formel 1 verabschiedeten. Sie gewannen im doppelten Sinn des Wortes zu wenig.

Und egal, welcher Fahrer in Monaco, Monza oder Spielberg auf dem obersten Treppchen steht, der wirkliche Sieger ist immer derselbe: die Chefetage des Formel 1-Konzerns.

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