Drogen: Mit zweierlei Maß!

Nach Goldbergers Drogen-Outing
Michael Gehmacher

Wie heuchlerisch in Österreich mit dem Problem Drogen umgegangen wird, zeigt sich im  Fall Goldberger in seiner vollen Tragweite. Während für den durchschnittlichen Jugendlichen das Haschisch-Rauchen schon zum massiven Problem mit den Behörden werden kann, rollt die große „Goldi Solidaritätswelle“. Gleichzeitig sterben am Wiener Karlsplatz weiterhin Jugendliche an einer Überdosis Heroin.
 An vorderster Front befindet sich wie immer die „Kronenzeitung“. Jahrelang machte sie Stimmung gegen Süchtige, forderte härteres Durchgreifen der Polizei, usw. Gerade „Koks“ (Kokain) wird von der „Krone“ sonst eher im Zusammenhang mit StudentInnen, die sich gegen Sozialabbau wehren oder Flüchtlingen aus Nigeria genannt. Aber bei „Goldi“ ist alles anders, denn „Der Andi kann gar nicht lügen“, erklärt Goldbergers Mutter treuherzig in der Sonntags -Krone. Falls Goldberger wirklich nur einmal „probiert“ hat, kann natürlich die Frage gestellt werden, ob es in Ordnung ist, daß Goldberger vom ÖSV gesperrt wurde. Genauso berechtigt ist dann aber auch die Frage, ob es korrekt ist, einen Jugendlichen aus der Schule zu werfen, nur weil er mit einem Joint erwischt worden ist. Während die Nation um „Goldi“ trauert, bleiben die 126 Drogentoten pro Jahr relativ unbeachtet.
Kein Wunder, handelt es sich dabei, wenn es nach der „Krone“ geht, um irgendwelche (meist arbeitsscheuen ) „Giftler“ und nicht um einen „feschen Bauernbuben“, der für Österreich springt und damit „für uns“ was leistet. Goldberger weiß, daß er dem Bild des Österreichers entspricht, das sich viele reaktionäre Institutionen in Österreich wünschen. Aber noch etwas verzeihen die reaktionären Meinungsmacher ohne Probleme: Alkohol.
Die gesellschaftliche Akzeptanz bei dieser Droge ist, angesichts rund 1.000.000 Alkoholgefährdeter in Österreich, zwar wesentlich höher als jene bei den  „illegalen“ Suchtgiften, aber hier steckt eine mächtige Lobby von Brauern, Winzern, Fremdenverkehr... dahinter, die sich entsprechend mehr Gehör verschaffen kann. Bei „Goldi“ darf es dann sogar Alkohol am Steuer sein. Das ist zwar die Hauptunfallursache im Straßenverkehr, aber wenn “Goldi“ besoffen einen Autounfall baut, ist alles nur „ a lustige G´schicht“ (Goldberger bei Vera).
Eine ehrliche Diskussion über die Drogenproblematik müßte bei den Ursachen wie z.B. schlechte Arbeitsbedingungen, Streß in der Schule, im Betrieb sowie über Probleme auf zwischenmenschlicher Ebene beginnen. Gerade auch SpitzensportlerInnen sind hier besonders betroffen. Sie werden „ganz legal“ mit allen möglichen Mitteln perfekt für die Interessen der Industrie und Werbung getrimmt. Interessant ist in dem Zusammenhang übrigens, daß „Red Bull“ - ein Energydrink, der gerne zum Mischen mit Drogen verwendet wird - den Werbevertrag mit “Goldi“ vorerst nicht kündigte:
 Solche Fragen sind natürlich ein äußerst lästiges Thema. Aber wir brauchen uns keine Sorgen machen: „Krone“, „Täglich Alles“ und Co werden den „Herzeige -Österreicher“ nicht untergehen lassen. Schlimmstenfalls würde er ja “im Herzen für Österreich“, notfalls auch für einen anderen Verband springen (“Goldi“ zu Vera).

Mehr zum Thema: 
Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Nachrichten aus dem Quarantäne-Kapitalismus

Auch auf Facebook!

25.03.2020

Die Coronoa-Krise trifft alle, aber nicht alle gleich  Aktuell rücken die Lebens- und Arbeitsrealitäten von uns allen näher zusammen. WAS wir konkret für einen Job machen ist gerade...mehr