Alan Turing und die Sexualmoral

Der Film „The Imitation Game“ behandelt die Homosexualität von Alan Turing v.a. zum Aufpeppen.
Max Uhlir

The Imitation Game“ handelt von der Geschichte des schwulen Mathematikers Alan Turing. Dieser setzte Meilensteine in der Entwicklung des Computers mit seiner „Turing Machine“. Durch die Dekodierung der Verschlüsselungsmaschine der Nazis, Enigma, verschaffte er dem britischen Imperialismus einen militärischen Vorteil. Durch den ganzen Film zieht sich das Ermittlungsverfahren gegen Turing, bei welchem zufällig aufkommt, dass er homosexuell ist. Zu der Zeit eine „sittenwidrige“ Straftat. Um dem Gefängnis zu entgehen, muss er sich einer Hormontherapie unterziehen, die einer chemischen Kastration gleich kommt. In der Folge vergiftete er sich am 7. Juni 1954 mit Zyankali.

Der Großteil der Handlung spielt sich auf dem MI-6 Grundstück Bletchley Park ab, wo Turing zusammen mit einem Team aus SpezialistInnen Enigma entschlüsselt. Um die Geschichte noch etwas aufzupeppen wird ein Sowietspion dazu erfunden, den Turing enttarnt. Er kann ihn aber zunächst nicht anzeigen, weil dieser ihn mit seiner Homosexualität erpresst. So macht der Film Turing sogar kurz zum Verräter, weil er schwul ist.

Kein Kuss zwischen Männern, keine Sexszene, kein lustvoller Augenblick kommen im Film vor. So abstrakt vermittelt, wirkt Turings Sexualität eher wie eine Nebenwirkung seiner „nerdigen“ Sonderbarkeit. Das passt eher zum Bild von Homosexuellen der 1940er Jahre als in einen modernen Film.

Zwar werden die harten Fakten über die Kriminalisierung Homosexueller im Abspann erwähnt, doch bleibt Turings Homosexualität mehr ein Stilmittel für die Story, als dass eine sensible Aufarbeitung erfolgt. Was auch etwas über den heutigen Umgang damit aussagt: Männliche Homosexualität wurde in Britannien erst 1967 entkriminalisiert. 1885-1967 wurden 49.000 Männer verurteilt. Erst 2009 kam eine Entschuldigung der Regierung, 2013 die „Royale Begnadigung“ durch die Queen. Wie heuchlerisch dieses Statement ist, zeigt sich daran, dass die restlichen 49.000 komplett übergangen wurden. Und heute? Wie viele Wissenschaftler gibt es, die zugeben können, Homosexuell zu sein?

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Nachrichten aus dem Quarantäne-Kapitalismus

Auch auf Facebook!

25.03.2020

Die Coronoa-Krise trifft alle, aber nicht alle gleich  Aktuell rücken die Lebens- und Arbeitsrealitäten von uns allen näher zusammen. WAS wir konkret für einen Job machen ist gerade...mehr