Franz Kafka: Schriftsteller und Revolutionär

Celina Brandstötter

Am 3. Juli 2018 jährt sich der Geburtstag Franz Kafkas zum 125. Mal. Der in Südböhmen (heutiges Tschechien) geborene Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie zählt bis heute zu einem der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und der deutschen Literatur. So bekannt seine literarischen Werke auch immer noch sind, über seine politische Haltung und sein politisches Engagement ist kaum etwas bekannt. Bereits als Jugendlicher kam er mit sozialistischen Ideen in Berührung und trug fortan an eine Rote Nelke am Knopfloch, ein Symbol der Arbeiterinnenbewegung - dies trotz des Schulverweises seines Schulfreundes Ruldolf Illowy, der wegen „sozialistischer Umtriebe“ von der gemeinsamen Schule verwiesen wurde.

Kafka kam im Zuge seiner Beamtentätigkeit in einer halbstaatlichen Versicherungsanstalt mit der Not der ArbeiterInnenschaft in Berührung, und setzte sich für arbeitsrechtliche Verbesserungen ein. In einem Brief an seine Freundin Milena Jesenská 1920, bekundete er seine Bewunderung für die Bolschewiki und ihre Rolle in der Russischen Revolution, vor allem ihren internationalistischen revolutionären Anspruch lobte er. Trotz dieser Sympathiebekundungen gegenüber der Bolschewiki, ist kein näherer Kontakt zwischen ihm und der tschechischen Kommunistischen Partei bekannt.

Allerdings sind Kontakte zu tschechischen libertären SozialistInnen dokumentiert. Er nahm an einigen Aktivitäten der anarchistisch gefärbten Gruppierung „Klub mladych“ (Jugendclub) teil, die sich als libertäre, antimilitaristische und antiklerikale Organisation sah, und half mit, Geld für Gefängnis-Kaution von AktivistInnen aufzutreiben. 

Der marxistische Soziologe Michael Löwy schreibt über Kafkas Werke folgendes: „Ein libertär inspirierter Antiautoritarismus durchzieht Kafkas Romanwerk in einer Bewegung der »Depersonalisierung« und zunehmenden Vergegenständlichung: Von der persönlichen väterlichen Autorität bis zur anonymen administrativen Autorität. Es handelt sich nicht um irgendeine politische Doktrin, sondern um einen geistigen Zustand und eine kritische Sensibilität“. Unter anderem gerade wegen der Thematisierung von totalitären Bürokratieapparaten waren Franz Kafkas Werke in vielen stalinistischen Ländern verboten, unter anderem im stalinistischen Tschechien.