Nigeria: Korruption und Massenelend

ArbeiterInnenführer aus Nigeria in Österreich
Maria Hörtner

Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe über Nigeria spricht Segun Sango in drei Städten Österreichs über die derzeitige Lage in Nigeria. Im folgenden Artikel werden Segun und seine politische Arbeit kurz vorgestellt.
Segun Sango ist Mitglied des Democratic Socialist Movement (Schwesterpartei der SLP in Nigeria) und Vorstandsmitglied der campaign for democratic and workers’ rights in nigeria. Im Zuge dieser Tätigkeit ist er auch nach Österreich gereist, um über die Lage der ArbeiterInnen, Frauen und Studierenden in Nigeria zu informieren und Öffentlichkeit zu erlangen. Weiters ist Segun Vorsitzender der National Conscience Party in Lagos. Die NCP ist eine radikale Partei, die gegen Korruption und die neoliberale Politik der Regierung auftritt. Speziell innerhalb der ArbeiterInnenklasse hat diese Partei viel Unterstützung. Bei den Wahlen im April letzten Jahres ist die NCP angetreten und es war zu erwarten, dass sie einen großen Erfolg erzielen würde. Doch durch die herrschende Korruption wurde dies verunmöglicht. Nigerias Präsident Obasanjo hat in seinem Geburtsort 99,2 % (!) der Stimmen bekommen, eine Tatsache, bei der man/frau sich ungefähr vorstellen kann, wie korrekt diese Wahl verlaufen ist. Die Stimmzettel mit den wirklichen Ergebnissen wurden einfach durch neue ausgetauscht. Dies entspricht im wesentlichen dem Bild, welches man/frau angesichts eines Ausspruchs Obasanjos vermittelt bekommt: “Was mehr Parteien erreicht haben ist mehr Verwirrung...Ich glaube, dass wenn wir einmal die Wahl zwischen ein oder zwei Parteien haben, besonders Parteien, die keine ideologischen Differenzen haben, das viel besser für unser Land wäre.” Soviel nun also zum Thema “Demokratie”.

Extremes Elend

Doch nicht nur Korruption belastet Nigeria, es herrscht auch extremes soziales Elend. Dies änderte sich auch nicht unter dem jetzigen Präsident, einem ehemaligen Militäroffizier. Nun regiert er das Land unter einem klar neoliberalen Kurs. Privatisierungen gehören zur Tagesordnung und soziale Leistungen werden immer weiter gekürzt. Dies hat zur Folge, dass die Armut rapide steigt. Lebten 1998 “erst” 48 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, so ist diese Zahl heute auf mehr als 70 Prozent angestiegen. 89 Millionen NigerianerInnen leben von weniger als einem Dollar pro Tag. Die soziale Versorgung ist mehr als nur mangelhaft. Weniger als 10 Millionen Menschen haben Zugang zu Gesundheitsversorgung. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Nigeria von der Weltbank als das 13. ärmste Land der Welt eingestuft wird.

Eigentlich ein reiches Land

Doch arm ist Nigeria keineswegs. Öl ist eine der Hauptressourcen des Landes. Der Reichtum, der mit diesem Rohstoff verbunden ist, kommt jedoch nicht der Bevölkerung zugute. Bereichtert haben sich davon die Ölgesellschaften und die korrupten Eliten, die seit der Unabhängigkeit das Land regieren. Ständig werden die Preise für Benzin und Kerosin erhöht und letztes Jahr gab es gar einen Vorschlag zur Erhöhung um 50 Prozent. Massenproteste der ArbeiterInnen waren die Folge und die Gewerkschaft sah sich nun gezwungen zu handeln. Sie organisierten einen achttägigen Streik, der diese Vorhaben letztendlich auch verhindern konnte. Die ArbeiterInnenklasse in Nigeria ist extrem stark und kampfbereit. Trotz der starken Repression und der schwierigen Lage stehen Proteste gegen die Regierung an der Tagesordnung.

Internationale Kampagne nötig

Das DSM und die Kampagne für Demokratische und ArbeiterInnenrechte ist Teil dieser Bewegung. In unterschiedlichsten Bereichen sind wir aktiv und kämpfen für Verbesserungen. So haben wir beispielsweise in den Protesten gegen die fuel tax eine wesentliche Rolle gespielt. Auch im Kampf von Studierenden für bessere Bildungsmöglichkeiten waren wir beteiligt. Ein wesentliches Element unserer Arbeit ist die Verknüpfung der verschiedenen Bereiche - ArbeiterInnen, Jugendliche und Frauen sollen gemeinsam gegen ihre Unterdrückung kämpfen. Jedoch auch über Nigerias Landesgrenzen hinweg ist es wichtig, auf die Situation aufmerksam zu machen. Deshalb ist internationale Solidarität gefragt. Eine große Kampagne außerhalb Nigerias würde die Bewegung stärken und positive Auswirkungen haben.

Spenden: PSK, BLZ 60.000 Kto.-Nr. 726.20.353

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